Franziskaner finden keinen Nachwuchs mehr – Auflösung soll »zeitnah« erfolgen – mit Video
Kloster-Aus nach 375 Jahren

Rheda-Wiedenbrück (WB). Seit 1644 gibt es das Franziskanerkloster in Wiedenbrück. Doch bald ziehen die Brüder um. Denn das Kloster findet einfach keine jungen Männer mehr.

Dienstag, 02.04.2019, 09:45 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 09:50 Uhr
Nachdenklich: Bruder Korbinian Klinger sitzt im Speisesaal des Klosters Wiedenbrück. In den nächsten Jahren verliert der 62-Jährige sein Zuhause, denn das Kloster wird geschlossen. Was dann aus dem Speisesaal wird, ist unklar. Foto: Hendrik Fahrenwald

Die Umzugskisten stehen noch nicht bereit. »Auch innerlich ist noch niemand ausgezogen«, versichert Bruder Korbinian Klinger. Wann genau die Brüder das Kloster verlassen, ist noch nicht klar. »Zeitnah«, heißt es auf der Homepage der Deutschen Franziskanerprovinz, solle die Auflösung erfolgen. »Zeitnah, das heißt bei uns innerhalb von drei Jahren«, sagt Korbinian.

Was passiert mit all den Büchern? Auch das kann Bruder Korbinian Klinger noch nicht beantworten.

Was passiert mit all den Büchern? Auch das kann Bruder Korbinian Klinger noch nicht beantworten.

Die Franziskaner Brüder aus Deutschland haben sich mehrheitlich gegen den Standort Wiedenbrück entschieden. Bruder Korbinian hat natürlich nicht gegen sein Kloster gestimmt. Die Gründe für das Aus sind vielfältig. Mit Barrierefreiheit kann das Kloster nicht punkten. »Es gibt keine Duschen auf den Zimmern und es sind überall Treppen«, sagt Klinger. Zudem ist die Pfarrkirche St. Aegidius in der Nähe. Dorthin könnten Katholiken gehen, wenn das Kloster geschlossen ist. Diese Argumente bezeichnet Bruder Korbinian als »kleine Mosaiksteinchen«, die zum Aus führen.

Über 80 Jahre und noch im Dienst

Als größtes Problem sieht er jedoch den fehlenden Nachwuchs. Von den fünf Brüdern im Wiedenbrücker Kloster sind zwei Männer über 80 Jahre alt. Das ist keine Ausnahme. »95 von den 257 Brüdern in Deutschland sind über 80«, sagt Korbinian. »Wir haben einen eklatanten Nachwuchsmangel.«

Er selbst ist 62. Mit 26 Jahren ist der gelernte Verwaltungsbeamte zu den Franziskanern gekommen. Ihn hat das Leben der Ordensgemeinschaft gefallen, diese kleinen Gemeinschaften und das Leben in der Stadt. Nun sind die Gemeinschaften noch kleiner und vor allem älter geworden. Letzteres schreckt ab. »Wenn zu meiner Zeit nur Opas da gewesen wären, wäre ich vermutlich auch nicht in den Orden gegangen«, sagt Korbinian.

Niemand kommt zur Ausbildung

Vom Klostergarten sieht man die Hauptgebäude des Ordens.

Vom Klostergarten sieht man die Hauptgebäude des Ordens.

is 2016 war Wiedenbrück das Noviziat für Deutschland. Dort fand die Ausbildung für die Ordensgemeinschaft statt. Das war der Grund, warum 2014 sogar 13 Brüder im Kloster Wiedenbrück lebten. Die Zeiten sind vorbei. Die Ausbildung findet nun in Irland statt. Dorthin kommen die Auszubildenden aus den Niederlanden, Litauen, Deutschland, England und natürlich Irland. »Wenn wir Nachwuchs hätten«, ergänzt Korbinian. Denn Anmeldungen gibt es derzeit aus keinem Land.

Wie es mit dem Kloster weitergeht, wenn die Brüder raus sind, ist ungewiss. »Es gibt bisher überhaupt keine Überlegungen«, sagt Bruder Korbinian. Klar ist nur die Aufteilung der Gebäude: Der ältere Teil gehört dem Orden, der jüngere Teil der Stadt, und die Marienkirche gehört zur Gemeinde St. Aegidius. Da die Brüder nicht nur jeden Tag ihre Messe und Beichte anbieten, sondern auch im Pastoralverbund mitarbeiten, fällt dort bald eine halbe Stelle weg. Ein Umzug ist für Korbinian nichts ungewöhnliches. Er selbst kam aus Bayern nach Wiedenbrück. »Jeder weiß, dass er irgendwann seine Koffer packen muss«, sagt Korbinian. Für die Franziskaner gehört ein Klosterwechsel dazu. Für Wiedenbrück ist das nach 375 Jahren neu.

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