Nach Nölke, Marten, Astro und Weimarer wird Dölling umstrukturiert
Tönnies unter Druck

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der seit Jahren sinkende Wurstabsatz erhöht auch für Deutschlands größten Fleischkonzern Tönnies den Handlungsdruck. Der Rheda-Wiedenbrücker Konzern in Familienhand will die Produktion an einem weiteren Standort aufgeben. Diesmal trifft es das 2016 übernommene Unternehmen Döllinghareico in Elmshorn.

Samstag, 09.03.2019, 05:00 Uhr
Blick in ein Werk der Tönnies-Gruppe: Die Wurstproduktion konzentriert der Konzern auf einzelne Standorte, mehrere Produktionsstätten sind oder werden geschlossen. Die Marken bleiben.. Foto: dpa

Bislang produzieren 137 Mitarbeiter in dem Werk in Schleswig-Holstein vor allem Brat- und Rohwürste. Kurz nach der Übernahme war schon das Zweitwerk in Lübz mit 45 Beschäftigten geschlossen worden. Jetzt ist geplant, die Produktion in Elmshorn einzustellen und an andere Standorte der zum Konzern gehörenden Zur-Mühlen-Gruppe wie Böklund oder Satrup zu verlagern. Die Marken Dölling und Hareico bleiben erhalten.

Das Firmenareal soll zum Logistik- und Kommissionierungszentrum für Norddeutschland umfunktioniert werden. Die Teilschließung sei mit einem »deutlichen Personalabbau verbunden«, sagte ein Konzern-Sprecher. In Firmenkreisen ist von verbleibenden 60 bis 80 Stellen die Rede. Verhandlungen mit dem Betriebsrat laufen. Mit einem Abschluss der Gespräche wird frühestens im April gerechnet.

»Der wirtschaftliche Druck in der Wurstbranche ist enorm. Wir treiben deshalb seit einiger Zeit die Spezialisierung unserer Standorte aktiv voran«, sagt der Unternehmenssprecher. Beim Ende 2014 übernommenen Versmolder Wursthersteller Nölke mit der Marke »Gutfried« war im Frühjahr 2015 die Schließung dreier der vier Werke angekündigt worden. Das im April 2016 übernommene Hochwald-Würstchenwerk in Meppen wurde auf die Produktion von Tiernahrung umgestellt.

Wurstwaren werden seither in Delmenhorst produziert

Den nach der Insolvenz im Frühjahr 2017 mit 110 Beschäftigten übernommenen Verler Wurstwarenhersteller Astro schloss Tönnies ein Jahr später. Die Marke besteht fort. Gleiches gilt für den Mitte 2017 übernommenen Gütersloher Traditionsbetrieb Marten. Die Produktion lief 2018 aus. Den 90 Mitarbeitern wurde der flexible Einsatz bei Nölke, Schulte in Dissen oder im Schwesterbetrieb Vogt & Wolf in Gütersloh angeboten. Dieser stellt inzwischen Edelschimmelprodukte für die gesamte Gruppe her. Auch die Marke »Weimarer« existiert im Verbund weiterhin, obwohl das im Herbst 2017 aus der Insolvenz der Lutz-Gruppe mit 90 Beschäftigten übernommene Werk Ende Februar aufgegeben wurde.

Das Tönnies-Werk in Herzebrock, in dem für die eigene Marke »Tillman’s« produziert wurde, schloss der Konzern im April 2018. Die 180 Mitarbeiter sollten an den Stammsitz in Rheda wechseln. Die Wurstwaren werden seither in Delmenhorst produziert, Fertigprodukte bis zur vor wenigen Tagen erfolgten Teilschließung im auch im Herbst 2017 übernommenen Lutz-Werk in Badbergen.

Die Zur-Mühlen-Gruppe gilt als Branchenführer mit einem Umsatz von zuletzt rund 400 Millionen Euro, fast 4000 Mitarbeitern und einem Marktanteil von mehr als 22 Prozent. Die Geschäfte leiten Axel Knau (49) und Maximilian Tönnies (28), Sohn von Konzernchef Clemens Tönnies.

Auch der Versmolder Wettbewerber Reinert hat unlängst die Schließung eines Werkes zur besseren Auslastung seiner anderen Standorte angekündigt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6458231?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730030%2F
Explosion in Beirut: Mindestens 50 Tote und 2700 Verletzte
Rauch steigt nach einer Explosion über den Trümmern eines zerstörten Gebäudes auf.
Nachrichten-Ticker