Fahrrad-Enthusiast organisiert »Schokofahrt Aachen-Amsterdam« mit
Aus Überzeugung autofrei

Rheda-Wiedenbrück (WB). Mineralwasser aus Italien oder Frankreich? Nordseekrabben, die zum Pulen nach Marokko und wieder zurück fliegen? Lange Transportwege sorgen mit hohem CO-Ausstoß für eine verheerende Öko-Bilanz. Moritz Ritschel setzt dagegen ein Zeichen – und auf Muskelkraft.

Donnerstag, 07.03.2019, 10:59 Uhr
Statt eines Autos stehen vor der Haustür von Moritz, Nicole und Frieda Ritschel zwei Lastenfahrräder. Foto: Rainer Stephan

Der Rheda-Wiedenbrücker unterstützt die Münsteraner Initiatoren der so genannten Schokofahrt. Sie haben einen ganz anderen, umweltfreundlicheren Weg eingeschlagen und bislang schon zweimal bewiesen, dass die Strecke der Kakaobohne vom Erzeuger bis zum Käufer auch weitestgehend emissionsfrei zurückgelegt werden kann.

Ein wichtiges Bindeglied in der Kette vom Kakaobauern in der Karibik bis zum Verbraucher in Deutschland ist der Rheda-Wiedenbrücker Moritz Ritschel. Zusammen mit anderen Fahrradenthusiasten aus seinem damaligen Wohnort Aachen organisierte er im vergangenen Jahr zwei 600-Kilometer-Touren, um die in einer Amsterdamer Manufaktur produzierte Öko-Schokolade per Muskelkraft und Lastenrad in die Kaiserstadt zu schaffen.

Der junge Familienvater, der zu Jahresbeginn mit Frau und 19 Monate alter Tochter wieder in seine Geburtsstadt zurückgekehrt ist, kann sich auch gut eine »Schokofahrt« mit Start- und Zielpunkt Rheda-Wiedenbrück vorstellen. »Vier bis fünf Tage mit dem Fahrrad unterwegs sein, um 400 Tafeln Schokolade zu transportieren – das ist zwar unwirtschaftlich, aber dennoch eine supercoole Sache«, sagt er. Es ginge primär darum zu zeigen, dass mit dem Fahrrad so etwas möglich ist. Obendrein mache es großen Spaß und man treffe unterwegs und am Ziel in Amsterdam auf viele interessante Menschen. »Das ist einfach Radurlaub mit Sinn – zumal mit jeder verkauften Schokolade ein ökologisches Projekt in der Welt unterstützt wird.« Zudem lenke die Aktion das Interesse der Öffentlichkeit verstärkt auf das Leben ohne Automobil.

An dem Projekt »Schokofahrt« beteiligen sich inzwischen Initiativen aus mehr als 35 Städten in Deutschland und Österreich. Sie alle organisieren (Lasten-)Radtouren von ihren Heimatkommunen nach Amsterdam. Dort werden die mit einem Lastensegler emissionsfrei über den Atlantik verschifften Kakaobohnen zu Tafeln mit wahlweise 40- oder 75-prozentigem Kakaoanteil verarbeitet. Abnehmer der Schokolade in den Heimatorten der Transporteure sind meist kleine Cafés oder Bio-, Welt- und Hofläden mit ökologischer Ausrichtung.

Für Moritz Ritschel, Ehefrau Nicole geb. Göller und Töchterchen Frieda ist das Fahrrad übrigens Verkehrsmittel Nummer 1. Seit sich der 30-jährige Tischlermeister und Produktdesigner und die gleichaltrige Physikerin vor zwei Jahren in Aachen von ihrem Auto getrennt haben, waren sie in der Stadt ausschließlich mit dem öffentlichen Personennahverkehr und ihren beiden Lastenrädern unterwegs. Ob ein Leben ohne (eigenes) Auto auch in der ostwestfälischen Provinz möglich ist, das wird gerade getestet. Tochter Frieda, die demnächst ein Geschwisterchen bekommt, fühlt sich jedenfalls pudelwohl im Stauraum der beiden Lastenräder.

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