Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten Lkw-Fahrer (37) fasst Kollegin in der Dusche gegen ihren Willen an

Rheda-Wiedenbrück/Gütersloh (WB/GG). Zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilte am Dienstag die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts Gütersloh, Monika Wittkamp, einen Angeklagten (37) lettischer Herkunft.

Erst nachdem die Frau ihm während heftiger Gegenwehr lautstark androhte, diesen Vorfall zu melden, habe der Angeklagte abgelassen.
Erst nachdem die Frau ihm während heftiger Gegenwehr lautstark androhte, diesen Vorfall zu melden, habe der Angeklagte abgelassen. Foto: dpa

»Ich hoffe, dass es so einen Moment wie in der Duschkabine der Firma Tönnies nie mehr geben wird«, sagte Wittkamp.

Der Mann war wegen sexueller Nötigung angeklagt. Über seinen Anwalt gestand der verheiratete Vater von zwei Kindern, im September des vergangenen Jahres eine 43-jährige lettische Lkw-Fahrerin in der Damendusche der Firma Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geküsst zu haben.

Der Angeklagte presste die Frau an die Wand

In der Zeugenvernehmung sagte die Frau allerdings, dass der Angeklagte – ebenfalls Lkw-Fahrer für eine lettische Spedition – sie in der Damendusche gegen ihren Willen nicht nur geküsst, sondern auch im Intimbereich begrapscht habe.

Er habe die Dusche betreten, sich ausgezogen und zunächst selbst geduscht. Dann habe er die Frau, die sich lediglich mit einem kleinen Handtuch bedecken konnte, mit derartiger Kraft an die Wand gedrückt, dass sie dabei Hämatome erlitten habe.

Opfer wurde dazu gedrängt, eine Erklärung zu unterzeichnen

Erst nachdem sie ihm während heftiger Gegenwehr lautstark androhte, diesen Vorfall zu melden, habe er abgelassen. Danach hätte er sich entschuldigt und ihr Champagner angeboten. Dies hätte sie aber abgelehnt. Danach verließ der Mann die Duschräume.

Da die Geschädigte noch arbeiten musste, meldete sie den Vorfall erst einen Tag später. Bei der richterlichen Befragung kam dann heraus, dass gleich drei Vorgesetzte sie bedrängten, ein Schriftstück zu unterschreiben, in dem sie auf jegliche Ansprüche und eine Strafanzeige gegen den Angeklagten verzichten sollte – weil sie sonst eine junge Familie zerstören würde.

Der Angeklagte räumt die Schuld ein

Allerdings gab das Opfer an, dass das vorgelegte Schreiben deutlich weniger Sätze enthielt als das vorliegende Schriftstück. Zudem habe sie nicht verstanden, was sie da unterschrieben habe, da das Schreiben auf Deutsch verfasst war.

Nach der Aussage der Frau räumte der Angeklagte die Schuld im vollen Umfang ein. Über eine Dolmetscherin ließ er erklären, dass die Tat aus der Situation heraus entstanden sei. Wenig später war der Mann festgenommen worden. Vom 16. September bis 21. Oktober 2016 saß er in Bielefeld-Brackwede in Untersuchungshaft.

Richterin: Er hat das »Nein« nicht akzeptiert

Die Staatsanwältin forderte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten sowie 2500 Euro Geldstrafe. Die Verteidigung schlug acht Monate und 1500 Euro vor. Dass es am Ende doch ein Jahr und zwei Monate zur Bewährung wurden, sei auch dem Umstand geschuldet, dass der Angeklagte das »Nein« der Frau nicht akzeptiert habe, so die Richterin.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.