Protest gegen höhere Schlachtkapazitäten bei Tönnies stößt auf geringes Interesse Schweine-Leid interessiert kaum

Rheda-Wiedenbrück (WB). »Nein zur Kapazitätserweiterung bei Tönnies«: Das hat am Samstag bei einer Protest-Aktion ein Bündnis gefordert. Die Tierschützer wollen verhindern, dass in dem Fleischwerk täglich 30 000 statt bisher 26 000 Schweine geschlachtet werden.

Von Gabriele Grund
Sie fordern von der Politik ein klares Nein zu noch höheren Schlachtkapazitäten bei Tönnies: Camila Cirlini, Sonja Heitmann, Michael Pusch und Ralf Külker (von links) konnten von ihrem Vorhaben am Samstag aber nicht viele Passanten überzeugen.
Sie fordern von der Politik ein klares Nein zu noch höheren Schlachtkapazitäten bei Tönnies: Camila Cirlini, Sonja Heitmann, Michael Pusch und Ralf Külker (von links) konnten von ihrem Vorhaben am Samstag aber nicht viele Passanten überzeugen. Foto: Gabriele Grund

Auch wenn die dabei auf dem Rathausplatz im Stadtteil Rheda teils lautstark vorgebrachten Argumente für so manchen Passanten nachvollziehbar waren, so stieß die Aktion nur auf geringe Resonanz. Die Einspruchsfrist gegen die geplante Kapazitätserweiterung bei Tönnies, Deutschlands größtem Schlachtbetrieb, endet am Mittwoch, 28. Juni.

In den Betrieben der Tönnies-Gruppe wurden im Jahr 2015 mehr als 16 Millionen Schweine geschlachtet. Damit liegt der Konzern (12 500 Mitarbeiter insgesamt) bei der Schweineschlachtung in Deutschland an der Spitze. Der Jahresumsatz im entsprechenden Zeitraum betrug nach Konzern-Angaben etwa 6,3 Milliarden Euro.

»Mich haben gerade Menschen aufgefordert, zukünftig kein Fleisch mehr zu essen und nur noch vegan zu leben. Ich bin 67 Jahre alt und werde mir sicher nicht sagen lassen, was ich essen soll«, empörte sich Elisabeth Mielke. Eine klare Meinung hatte auch Walter Obermaier (88), der sich die Protest-Aktion aus sicherer Entfernung anschaute: »Mich stören weder Tönnies, noch die vielen Lastwagen, denn insgesamt geht es dabei um Arbeitsplätze. Und das ist eben auch wichtig für eine Stadt. Bei Tönnies arbeiten vermutlich nur wenige Menschen aus Rheda-Wiedenbrück, weil sie sich wohl zu fein für die Arbeit sind oder überzogene Lohnvorstellungen haben. Da ist es aber auch kein Wunder, wenn hier Scharen von Fremdarbeitern aus Osteuropa ankommen.«

Ganz anderer Ansicht sind dagegen Camila Cirlini aus Gütersloh vom Bündnis gegen die Tönnies-Erweiterung und Michael Pusch aus Versmold als Sprecher vom Kreisverband der Partei Die Linke, die unter anderem auch von Sonja Heitmann (V-Partei) und Ralf Külker (Vorstand NABU) unterstützt wurden. Ihrer Ansicht zufolge ist die Kapazitätserweiterung nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Zudem seien zugunsten von Profitsteigerung und Exportanteil-Erhöhung deutliche Zunahmen bei der Verkehrsbelastung, dem Wasserverbrauch und der Abwasserproduktion programmiert. Dazu drohten Gesundheitsgefahren für Menschen, da das Abwasser nicht auf multiresistente Keime, Viren, Antibiotika und andere in der Tierzucht angewendete Medikamente untersucht werde, sagte Camila Cirlini.

Und das sei längst noch nicht alles. Dass Tiertransporte für sensible Menschen eine seelische Belastung darstellten, machte Michael Pusch deutlich. Michelle (17) aus Rheda-Wiedenbrück kennt dieses Gefühl: »Immer wenn diese Massen an Lastwagen an mir vorbeifahren und ich diese völlig verängstigten Tiere sehe, wird mir ganz schlecht. Das hält über Stunden an.« Insgesamt hätten sich die Demonstranten für ihr Anliegen ein größeres Engagement von Seiten der Bürger gewünscht, sagten sie.

Das nächste Bündnis-Treffen findet am Mittwoch, 21. Juni, um 20 Uhr in der Gaststätte Ems-Aue, Hauptstraße 92, in Rheda-Wiedenbrück statt.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.