Clemens Tönnies reicht Klage gegen Bankhaus Sarasin ein Ärger um Cum-Ex-Deals

Rheda-Wiedenbrück/Hamburg/London (dpa/WB/OH). Die umstrittenen Cum-Ex-Aktiengeschäfte sollen dem deutschen Fiskus einen deutlich höheren Schaden zugefügt haben als bislang bekannt. Neuen Berechnungen der Universität Mannheim zufolge sind dem Staat durch die Aktiendeals mindestens 31,8 Milliarden Euro entgangen.

Sieht sich im Cum-Ex-Fall als Geschädigter: Clemens Tönnies.
Sieht sich im Cum-Ex-Fall als Geschädigter: Clemens Tönnies. Foto: Wolfgang Wotke

Die dubiosen Geschäfte sollen von London aus organisiert worden sein. Ein knappes Dutzend Investmentbanker sei für den größten Teil des Schadens verantwortlich, berichten die Wochenzeitung »Zeit« und das NDR-Magazin »Panorama«. Mehrere »Mitglieder der Bande« würden derzeit umfassend bei der Kölner Staatsanwaltschaft aussagen. Ein Sprecher der Behörde wollte dies nicht kommentieren.

»Dividendenstripping«

Das mutmaßliche Netzwerk soll sich bei den Aktiengeschäften konspirativ abgesprochen haben, um vom deutschen Staat Steuern erstattet zu bekommen, die nie abgeführt wurden, heißt es. Bei Cum-Ex-Geschäften, auch als »Dividendenstripping« bezeichnet, geht es darum, Wertpapiere rund um den Tag der Hauptversammlung als Dividendentermin hin- und herzuschieben. Dabei wurden Bescheinigungen für Kapitalertragsteuern durch Banken ausgestellt, die beim Fiskus geltend gemacht wurden, obwohl die Steuer nie anfiel.

Londoner Börsenmakler sollen 2011 allein für zwei Cum-Ex-Fonds mehr als eine Milliarde Aktien großer Dax-Konzerne im Wert von 47 Milliarden Euro gehandelt haben, heißt es. Zeitweise hätten ihnen sieben Prozent an Daimler, neun Prozent von Bayer und zwölf Prozent der Lufthansa gehört.

In Cum-Ex-Fonds hatten auch Wirtschaftsgrößen wie der einstige AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, Drogerieunternehmer Erwin Müller und der Rheda-Wiedenbrücker Fleischmagnat Clemens Tönnies über die Schweizer Privatbank Sarasin investiert. Sie fordern nun von der Bank Geld zurück. Tönnies reichte am 31. Mai Klage ein. In seinem Fall geht es um den Anlagebetrag von 900.000 Euro. Die Bank sei Informationen schuldig geblieben, auch der Verbleib des Geldes sei unklar, sagte sein Sprecher gestern. Clemens Tönnies sehe sich als Geschädigter eines offenbar von hoher krimineller Energie getriebenen Systems. Auch die Paderborner Lebensmitteldynastie Stute soll in den Fonds investiert haben.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.