Reisemobilhersteller verdoppelt Umsatz binnen zwei Jahren – Zweigwerk in Gotha eröffnet Westfalia wächst kräftig

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Reisemobilhersteller Westfalia ist in einem boomenden Gesamtmarkt auf der Überholspur unterwegs. Das Rheda-Wiedenbrücker Unternehmen will seinen Umsatz im bis 31. August laufenden Jahr auf 90 Millionen Euro steigern – das ist doppelt so viel wie 2014/15. Im März ist wegen der steigenden Nachfrage ein Zweigwerk in Gotha eröffnet worden.

Von Oliver Horst
Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer posiert vor Reisemobilen des Rheda-Wiedenbrücker Unternehmens.
Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer posiert vor Reisemobilen des Rheda-Wiedenbrücker Unternehmens. Foto: Oliver Horst

»Wir sind am Stammsitz an die Kapazitätsgrenzen gestoßen«, sagt Geschäftsführer Mike Reuer. Vor zwei Jahren baute Westfalia als Tochter der französischen Rapido-Gruppe noch 2550 Reisemobile. Im Geschäftsjahr 2015/16 waren es 4500 bei einem Umsatz von »deutlich über 70 Millionen Euro und einem positiven Ergebnis, mit dem wir sehr zufrieden sind«, sagt Reuer. Im laufenden Jahr steige die Stückzahl auf mehr als 5000.

Aufträge von Mercedes und Ford nehmen stark zu

Vor allem die Auftragsfertigung von fünf Modellen für Mercedes und Ford, die die Reisemobile über ihr eigenes Händlernetz verkaufen, boomt. 4100 Fahrzeuge entfielen zuletzt auf diesen Bereich. Beide Konzerne – mit Mercedes läuft ein Exklusivvertrag bis 2024 – hätten wachsenden Bedarf angemeldet, sagt Reuer. Das habe zur Entscheidung für ein Zweigwerk geführt. In Rheda-Wiedenbrück wird künftig allein das Auftragsgeschäft konzentriert. Hier ist die Mitarbeiterzahl binnen zwei Jahren von 190 auf 320 – inklusive 40 Leiharbeiter – gestiegen. »Wenn das prognostizierte Wachstum eintrifft, werden wir den Standort ausbauen und weitere Mitarbeiter einstellen.« In den Übergangsphasen könne die Zahl der Leiharbeiter variieren, sagt Reuer. Geplant seien Investitionen von vier Millionen Euro bis 2020.

Bei der Fertigung der zwölf eigenen Modelle, die über rund 60 Fachhändler europaweit vertrieben werden, bewegt sich Westfalia bei jährlich rund 500 Stück. »Binnen zwei Jahren wollen wir die Zahl auf etwa 1000 Fahrzeuge steigern«, sagt Reuer. Die Eigenfertigung wird künftig im neuen Werk in Gotha (Thüringen) gebündelt. Bis zu vier Millionen Euro investiert das Unternehmen in sein neues Werk. Die Ansiedlung in den neuen Bundesländern wird mit etwa 300 000 Euro gefördert, sagt Reuer. Derzeit arbeiten in Gotha 20 Mitarbeiter unter Anleitung von Trainern aus dem Stammwerk. In einer Übergangszeit bis Frühjahr 2018 würden die eigenen Modelle parallel an beiden Standorten produziert. Die Belegschaft soll bis dahin auf 70 Mitarbeiter anwachsen. Die Kapazität in Gotha liege bei 2000 Reisemobilen pro Jahr. Die von der französischen Schwester Fleurette gebauten Modelle »Jules Verne« und »Kepler« werden künftig auch europaweit vertrieben.

Neuheiten mit besonderen Clous bald auf dem Markt

Zwei Neuheiten bringt Westfalia in den nächsten Monaten auf den Markt. Der »Columbus 540D« auf Fiat-Basis zum Einstiegspreis von 48 000 Euro verfügt als erster der Baureihe optional über ein Aufstelldach. Neu aufgelegt wird die Modellreihe »Sven Hedin« auf Basis des neuen VW Crafter. Clou bei dem Reisemobil zum Grundpreis von 60 000 Euro ist ein Heckbett mit elektrisch aus der Außenhaut ausfahrbarem Fußteil, so dass eine Gesamtlänge von zwei Metern erreicht wird.

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