Sozialpädagoge Klaus Weinrich setzt auf gewaltfreie Kommunikation Gegen Hass und Hetze

Rheda-Wiedenbrück (WB/jmg). Wie es um die Gesellschaft bestimmt ist, lässt sich auch an ihrer Sprache ablesen. Zurzeit ist eben jene vor allem eines: erfüllt von Hass. Der Sozialpädagoge Klaus Weinrich plädiert dafür, Worten endlich wieder Wertschätzung zu verleihen. Und erteilt Populisten zugleich eine Abfuhr.

Klaus Weinrich berät Paare, Familien, Firmen und Fachkräfte zum Thema »gewaltfreie Kommunikation«. Der Sozialpädagoge macht sich für eine positive Beziehungskultur und wertschätzende Sprache im gesellschaftlichen Leben stark.
Klaus Weinrich berät Paare, Familien, Firmen und Fachkräfte zum Thema »gewaltfreie Kommunikation«. Der Sozialpädagoge macht sich für eine positive Beziehungskultur und wertschätzende Sprache im gesellschaftlichen Leben stark. Foto: Jan Gruhn

In den sozialen Medien wird für Klaus Weinrich deutlich, wie gespalten die Gesellschaft ist. Hass-Kommentare, Hetze und Drohungen sind an der Tagesordnung. Konflikte werden bestimmt durch Vorurteile, Abgrenzung und Negativität. »Es ist nicht abzusehen, wo das hinführt«, erklärt der 58-jährige Rheda-Wiedenbrücker.

Doch nicht nur im Netz, auch in der kleinen und großen Politik gehört aggressive und abgrenzende Sprache mittlerweile zum üblichen Arsenal. Langfristig schadet das dem menschlichen Zusammenleben, meint der Konflikt-Mediator. Deshalb fordert er die Rückkehr zum wertschätzenden Dialog.

»Wolfssprache« und der US-Präsident

»Gewaltfreie Kommunikation« heißt der philosophische Ansatz, dem sich der diplomierte Sozialpädagoge verschrieben hat. »Es geht nicht darum, Konflikte zur vermeiden oder sie zu verdrängen«, betont Weinreich. Sondern darum, sie für beide Seiten zufriedenstellend zu lösen. »Wir haben zurzeit eine Beziehungskultur, die auf Verurteilung setzt«, analysiert Weinrich. »Wolfssprache« heißt das im Fachjargon, der US-amerikanische Psychologe Marshall Rosenberg hat das Konzept entwickelt. Ungekrönter König dieser Art der Äußerung ist für Weinrich der US-Präsident Donald Trump. Egal, ob die Hiebe in Richtung Mexiko, China oder Deutschland gehen. »Dieser Haltung möchte ich etwas entgegensetzen.«

»Giraffensprache« heißt das Gegenstück: wertschätzend, mit Überblick und einer positiven Haltung für den Gesprächspartner. Symbolisiert werden die beiden Sprecharten im Kommunikationstraining mit Handpuppen. Doch das heiße nicht, dass es sich bei dem Ansatz um »Kaspertheater« (Weinrich) handele. Sogar in Kriegs- und Krisengebieten wie Israel, Ruanda oder Kroatien greife man auf das Modell zurück, sagt Weinrich.

Auch die Etablierten setzen auf Populismus

Soziale Medien und Internationale Beziehungen: Zwei eigene Welten. Doch die aggressive Kommunikationskultur breitet sich laut Weinrich aus – und ist auch im NRW-Wahlkampf angekommen. Dass sich vor allem die AfD des Populismus bedient, sei klar. Aber dass mittlerweile auch die etablierten Parteien auf diesen Zug aufspringen, bereitet ihm Sorgen.

Kritiker argumentieren: Die Gesellschaft hat genug vom harmonischen Politik-Gewäsch. Politik brauche endlich Personal, das ohne Rücksicht auf die Konsequenzen durchgreift. »Auf gar keinen Fall«, sagt Weinrich. »Was ist denn die Alternative? Geert Wilders oder Marine Le Pen?« Nein, so könne Gesellschaft nicht funktionieren. Ebenso wenig ohne wertschätzende Sprache. »Worte können Fenster oder Mauern sein«, zitiert Weinrich Robert Bebermeyer. Und Mauern könne niemand wollen.

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