Harsewinkel
Im Duell gibt es keinen klaren Sieger

Harsewinkel (matt) - Diese Veranstaltung schreit nach einem Rückkampf! Denn der wie ein Boxduell inszenierte Bürgermeister-Wettkampf hat keinen Sieger hervorgebracht. Dafür punktete das frische Format im Biergarten der Gaststätte Vielfalt bei den rund 120 Besuchern.

Sonntag, 06.09.2020, 15:44 Uhr aktualisiert: 06.09.2020, 16:31 Uhr

Weder Amtsinhaberin Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide (SPD) noch die Herausforderer Pamela Westmeyer (CDU), Andreas Hanhart (FDP) oder Juan Carlos Palmier (Grüne) konnten klare Rundengewinne für sich verbuchen. 

Fehler vermeiden, eigene Botschaften beim Wähler platzieren und das eigene Image festigen. Darauf kommt es für Politikern in den heißen Wahlkampfphasen an. Und die hat spätestens am vergangenen Wochenende für die Bürgermeisterkandidaten beim direkten Aufeinandertreffen begonnen. Deswegen stand vor allem die Deckung der vier Protagonisten. 

Kaum Zweikämpfe, selten erzielte rhetorische Wirkungstreffer, geschweige denn ein Knockout. Und so geriet der Bürgermeister-Battle in nur wenigen Momenten zu einem wirklich entfesselten Wortgefecht der Bewerber. Unterhaltsam war es trotzdem. Gutes Infotainment auf lokaler Ebene, moderiert von Stefan Sautmann (43), Media Mamo (17) und Niklas Klodt (17). 

Jugend steht im Mittelpunkt

Mit den beiden jungen Fragestellern war auch die Zielgruppe des Abends definiert: Im Mittelpunkt stand Politik für die jungen Harsewinkeler: Corona, digitale Bildung, attraktive Freizeitangebote, ÖPNV-Angebote und natürlich der Klimaschutz bildeten die Themenschwerpunkte des Abends, der per Live-Stream im Internet übertragen wurde, also dorthin, wo die Parteien ohnehin in der Corona-Pandemie ihren Wahlkampf verlegt haben. Das Wort Senioren fiel nicht einziges Mal, obwohl das Publikum dieser Bevölkerungsgruppe überwiegend näher war. 

Einigkeit herrscht beim Thema B513-Umgehung. Die will zwar keiner der Bewerber, aber ob sie zu verhindern ist, weil die Verkehrsdichte etwas anderes nahelegt, ließ Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide offen. Ihre Stellvertreterin und Herausforderin Pamela Westmeyer ist sich dagegen sicher: „Die nächsten zehn Jahre passiert da nix.“ 

Mobilität wird die Politiker in Harsewinkel in der kommenden Legislaturperiode noch häufig beschäftigten, nicht zuletzt mit der Reaktivierung der TWE-Strecke, für die Amtsinhaberin Sabine Amsbeck-Dopheide seit Amtsantritt gekämpft hat. „Sie wird wohl die Schnellbuslinie dauerhaft ersetzten“, prognostiziert die Sozialdemokratin, die mit der geplanten 60-Minuten-Taktung auch nicht zufrieden ist. Da müsse sich etwas ändern, findet auch Palmier.

Investitionen in Bildung gefordert

Die CDU-Kandidatin Pamela Westmeyer brachte die Idee eines Bürgerbusses nach Wertheraner Modell ins Spiel. Zurückhaltend verhielt sich Andreas Hanhart bei dem Thema. Er sähe es lieber, wenn Harsewinkel für Jugendliche so attraktiv wäre, dass sie gar nicht erst nach Gütersloh, Bielefeld oder Herford ausweichen müssten. Er vermisst Angebote für junge Menschen. „Die Stadt gleicht einem Flickenteppich“, kritisiert der Kandidat der Liberalen, der den Rollenwechsel vom Entertainer zum seriösen Lokalpolitiker gut hinbekommt. 

Das will ein salomonisch auftretender Palmier so nicht stehen lassen. Er findet seine Heimatstadt insgesamt gut aufgestellt und will Gutes besser machen, indem punktuell die Aufenthaltsqualität des Moddenbachtals gesteigert wird. Pamela Westmeyer wünscht sich die Digitalisierung und Automatisierung bestimmter Verwaltungsprozesse. „Es wäre schön, wenn man zumindest die Hundeplakette demnächst vom Sofa aus beantragen könnte.“ Veränderungen im Rathaus mit mehr Bürgernähe will auch Hanhart erreichen. 

Das jetzt die Zeit sei, im Bildungssektor in die Zukunft zu investieren, darüber herrschte Einigkeit. Aber mit Augenmaß. „Wir können nicht alle Wünsche erfüllen“, erklärte Pamela Westmeyer. Sie will Neuschulden vermeiden, um gerade der junge Generationen keinen finanziellen Ballast aufzubürden, aber dennoch den Ganztag verbessern und eine Sozialkarte in Harsewinkel einführen. 

Und was will Sabine Amsbeck-Dopheide in ihrer letzten Amtsperiode, bevor sie sich 2025 mit 66 Jahren zurückziehen würde? Zum Beispiel Schulen und Schüler digital besser ausstatten, Programme auflegen, um die gesetzten Klimaziele erreichen zu können, und gleichzeitig Harsewinkel mit einem Schnellradweg an die Oberzentren anschließen.

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