Harsewinkel: Hundertschaft durchsucht Räume im ehemaligen Fitness-Studio „Elite“: Polizei nimmt Ex-Betreiber vorübergehend fest

Harsewinkel (GaD). Zwei Gruppen einer Einsatzhundertschaft der Polizei Bielefeld sowie Angehörige der Kreispolizeibehörde Gütersloh und des Harsewinkeler Ordnungsamtes haben am Dienstagmorgen um 7 Uhr das Gebäude von Elite-Fitness im Prozessionsweg durchsucht. Der ehemalige Studio-Betreiber (35) ist im Zuge dieser Maßnahme vorübergehend festgenommen worden.

In den frühen Morgenstunden durchsuchen zwei Gruppen einer Einsatzhundertschaft der Polizei Bielefeld zusammen mit der Polizei Gütersloh und dem Ordnungsamt Harsewinkel das ehemalige Fitness-Studio „Elite“ und nehmen den Betreiber fest.
In den frühen Morgenstunden durchsuchen zwei Gruppen einer Einsatzhundertschaft der Polizei Bielefeld zusammen mit der Polizei Gütersloh und dem Ordnungsamt Harsewinkel das ehemalige Fitness-Studio „Elite“ und nehmen den Betreiber fest. Foto: Darboven

Bei zwei weiteren Personen klickten ebenfalls die Handschellen. Bei ihnen wurden Betäubungsmittel gefunden. „Hauptzielrichtung des Einsatzes war jedoch die Sicherstellung von anderen Beweismitteln. In Bezug darauf sind wir fündig geworden“, sagte Polizeisprecher Mark Kohnert, ohne Details zu nennen. „Die müssen jetzt ausgewertet werden.“

Polizei zerschlägt Scheibe an EIngangstür

Die Polizei musste sich gewaltsamen Zutritt zum Gebäude verschaffen. Dazu schlugen sie die Scheibe einer Eingangstür ein. Aufgrund der aus der Vergangenheit erfolgten Widerstände des Ex-Betreibers gegen Behördenvertreter, Vollstreckungs- und Polizeibeamte sowie einer im Vorfeld unbekannten Anzahl von Personen im Gebäude waren Teile einer Hundertschaft zur Sicherheit der beteiligten Durchsuchungskräfte in den Einsatz eingebunden.

Im Mittelpunkt des auf einen richterlichen Beschluss erfolgten Einsatzes steht die Klärung der Aktivitäten der sektenähnlichen Gruppierung, angeblicher Drogenbesitz sowie ein Ermittlungsverfahren wegen der Androhung von Straftaten. Zudem wurde die verwinkelte und weiträumige Immobilie durchsucht.

Bei den vier angetroffenen Personen wurden die Identitäten festgestellt. Drei Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft wurden für die Dauer des Einsatzes Platzverweise ausgesprochen. Zudem wurden auf dem Hof geparkte Fahrzeuge kontrolliert.

Erbengemeinschaft bezieht Quartier

Seit Mai 2018 hat der 35-jährige Harsewinkeler eine fragwürdige Religionsgemeinschaft namens „Erbengemeinschaft Jakobs“ in das bis dahin gut besuchte Fitness-Studio einziehen lassen. Grund war die Bekanntschaft mit einem selbst ernannten „israelitischen Priester nach der Ordnung Melchizedeks“, der nach eigener Aussage 2015 eine göttliche Offenbarung erfuhr.

Zwei der Glaubensgemeinschaft angehörige Mitglieder erklärten gegenüber dieser Zeitung, dass der Polizeieinsatz unrechtmäßig gewesen sei, weil die Beamten widerrechtlich „israelisches Hoheitsgebiet“ betreten hätten. Zu den auf sozialen Plattformen und auf YouTube verkündeten Zielen der Erbengemeinschaft zählen unter anderem die Entmachtung des Papstes, die Übernahme des gesamten Vatikanvermögens, eine Neuordnung des Weltfinanzsystems, ein Schuldenerlass für jeden Bürger sowie der Bau eines dritten Tempels in Israel.

Fotowand

Bevor der selbst ernannte Priester in dem Fitnessstudio einzog, hatte er eine im Frühjahr 2018 erfolgte Zwangsräumung des ersten Ephi-Zentrums in Iserlohn hinter sich. In Harsewinkel fand er eine Alternative. In dem ehemaligen Fitness-Studio hat die Erbengemeinschaft eine auch nach außen sichtbare Fotowand installiert, auf denen sie Bilder von Menschen montierte, die ihrer Ansicht nach zu Repräsentanten des von ihr bekämpften Systems zählen. Zu den dort ausgestellten Porträts zählen Prominente wie Ursula von der Leyen, Horst Seehofer, Heiko Maas oder Donald Trump, aber auch lokale Politiker wie Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide, Bertelsmann-Vorstand Thomas Rabe und Firmeninhaber Helmut Claas. In ihren öffentlichen Stellungnahmen erwähnte die Erbengemeinschaft aber auch den Namen eines Lokalzeitungsredakteurs, den sie offenbar »dem System« zurechnen. Wie auf Fahndungsfotos sind den Personen auf der Fotowand Schilder zugeordnet, auf denen immer wieder das englische Wort »Remember«, »Erinnern«, auftaucht.

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