Ex-Knastmediziner Joe Bausch begeistert 250 Zuhörer »Königlicher Leibarzt« der Kriminellen-Elite

Harsewinkel (WB). Geschichten aus dem Knast müssen nicht immer todernst sein. »Ich werde auch Lustiges erzählen«, kündigt das Multitalent Joe Bausch (Schauspieler, Arzt, Fernseh-Star und Autor) zu Beginn seiner Lesung an. Die Aula des Harsewinkeler Gymnasiums ist rappelvoll – alle 250 Stühle sind besetzt.

Von Uwe Caspar
Joe Bausch muss viele Bücher signieren. »Mein drittes Buch werde ich schneller schreiben, damit ich bald wieder in Harsewinkel bin«, hat’s ihm in der Mähdrescherstadt gut gefallen.
Joe Bausch muss viele Bücher signieren. »Mein drittes Buch werde ich schneller schreiben, damit ich bald wieder in Harsewinkel bin«, hat’s ihm in der Mähdrescherstadt gut gefallen. Foto: Uwe Caspar

Bausch präsentiert dem Publikum einige Passagen aus seinem zweiten Buch »Gangster-Blues«. Authentische Storys, die der 66-Jährige während seiner langen Zeit als leitender Regierungsmedizinaldirektor – der fast frei vortragende Redner schmunzelnd: »vergleichbar mit der Stellung eines königlichen Leibarztes« – im Hochsicherheitstrakt Werl erlebt hat. Seine Klientel: Mörder, Schwerverbrecher, hochgradige Psychopathen, Kinderschänder. In »Deutschlands größter Verwahranstalt«, so der inzwischen pensionierte Bausch, sei die kriminelle »Creme de la Creme« vertreten. Hier einen netten Menschen zu finden, das sei ziemlich schwer.

Sympathie für ein gealtertes, Tresore knackendes Ganoventrio

Sympathie empfand er indes für ein gealtertes, Tresore knackendes Ganoventrio, das nicht zu den 45 Prozent Entlassenen gehört, die danach nicht mehr straffällig werden. Einer von ihnen ließ den Gefängnis-Doc mit familiärem Stolz wissen, dass er schon ein »Einbrecher in vierter Generation« sei. Zu dem Trio gehörte auch ein Verurteilter, dem beide Beine amputiert werden mussten. Sein Schicksal ertrug er trotzdem mit schwarzem Humor. »Selbst wenn ich für immer hier bleiben muss, werde ich den Knast nicht mit beiden Füßen voraus verlassen«, scherzte Bauschs erster Rollstuhlfahrer in der JVA. Den Mediziner wunderte es übrigens, dass dessen ebenfalls einsitzender Kumpel »Diamanten-Paul« sich von seiner Halskrause nicht trennen wollte. Bis man ihm auf die Schliche kam: In der orthopädischen Manschette waren 30.000 Euro versteckt.

Bauschs reichster Patient verließ in einem Ferrari den Knast

Bauschs reichster Knast-Patient war ein Mann, der wegen seiner schlechten Prognose kaum Aussicht hatte, vorzeitig entlassen zu werden. Als sich herausstellte, dass der Glückspilz Immobilien im Wert mehr als 70 Millionen Euro erben durfte, konnte er sich die teuersten Anwälte leisten: Sie verhalfen ihm in die Freiheit. Ihr Mandant verließ in einem Ferrari den Knast. »Er ruft mich manchmal an. Ausgerechnet beklagt er sich über miese Typen und Betrüger in seinen Mietshäusern, mit denen er sich auseinandersetzen müsste«, erzählt Bausch amüsiert.

Prasselnder Beifall belohnt am Ende den sympathischen Glatzkopf für seinen kurzweiligen Auftritt. Geduldig signiert Joe Bausch die ihm vor die Nase gehaltenen Bücher. Kurios: In Harsewinkel hat er selbst zwei seiner Exemplare gekauft – für eine Tombola.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7096004?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2730032%2F