Wohnheim: Heinz Ketteler und Andreas Herdt wehren sich gegen Vorwürfe
Hier gibt’s nicht einfach nur ein Bett

Harsewinkel (WB). Liviu Rosca kommt auf den Hof, er ist aus seinem Moldawien-Urlaub zurück. Vor der Haustür an der Clarholzer Straße trifft er auf Andreas Herdt. Liviu umarmt ihn, begrüßt ihn mit Wangenküsschen. Die Wiedersehensfreude ist auf beiden Seiten da. Obwohl Herdt »nur« sein Vermieter ist. Einer, der sich anhören muss, er würde die Not rumänischer Arbeiter ausnutzen.

Sonntag, 06.10.2019, 03:00 Uhr
Gehen in die Offensive: Heinz Ketteler (links) und Andreas Herdt betreiben die K&H Hausverwaltung. Foto: Elke Westerwalbesloh

Andreas Herdt ist der Geschäftspartner von Heinz Ketteler – zusammen betreiben sie die K&H Hausverwaltung in Harsewinkel. 200 Betten vermieten sie in unterschiedlichen Häusern, wie an der Clarholzer Straße, der Bahnhofstraße, der Feldstraße und in Greffen an der Schützenstraße. Von der Politik in Harsewinkel mussten sie sich viel gefallen lassen: So wurde etwa ihr Haus an der Clarholzer Straße in Zusammenhang mit der Vermietung und Ausbeutung der Werkvertragsarbeiter gebracht.

Das ist eine Frechheit.

Heinz Ketteler

»Das ist eine Frechheit«, findet Heinz Ketteler. Erst nach den ganzen Behauptungen und Unterstellungen habe es einen Termin mit der Bürgermeisterin Sabine Amsbeck-Dopheide im Haus gegeben. Für nächste Woche hat sich die CDU angekündigt. Sprecherin Angelika Wensing will sich einen Eindruck verschaffen – nachdem die Christdemokraten erneut einen Antrag gestellt haben, die Situation der Osteuropäischen Arbeiter unter Beobachtung halten zu wollen. Die Art des Schlaumachens hätten Ketteler und Herdt sich vor den ganzen Behauptungen gewünscht.

Kommentar

Es ist ein emotionsgeladenes Thema, auf das sich die Politiker in Harsewinkel eingeschossen haben. Sie trommeln für mehr Kontrollen bei Vermietern, die ihre Wohnungen an Firmen vermieten, hinter denen ein ausländischer Auftraggeber steckt – eben die »Werkvertragsarbeiter«, wie sie sie nennen. Wer bei der K&H einen Blick hinter die Kulissen geworfen hat, der merkt schnell, dass sie anders unterwegs sind. Nur, weil sie einzelne Betten vermieten, scheinen sie der Politik suspekt. Dabei bieten sie einen Rundumservice und auch sanierten Wohnraum. Vielleicht sollte sich die Politik um die Wohnsituation in einigen städtischen Unterkünfte mehr Sorgen machen und von der K&H lernen. Elke Westerwalbesloh

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»Wir haben nicht einen Mieter, der von einer ausländischen Firma an ein Werk vermittelt wurde und den wir hier abzocken«, ist Ketteler sichtlich verärgert. Seine Mieter haben alle einen deutschen Arbeitsvertrag und sind von ganz alleine nach Harsewinkel gekommen, zahlen auch alleine ihre Miete von ihrem Lohn und sind sozialversichert.

»Wir haben Mieter hier, die lernen innerhalb eines Jahres die deutsche Sprache, schulen teilweise zum Lastwagenfahrer um und bereichern unsere Wirtschaft«, erklärt Ketteler, dass es vielen Firmen an Fachkräften fehlt. »Warum sollen die nicht aus Moldawien kommen?«, fragt er und ergänzt, dass seine Mieter hauptsächlich dort beheimatet sind. Die Frauen gehen zum Deutschkurs, finden häufig in der Pflege einen Job. »Die wollen hier Fuß fassen«, sagt der Immobilienexperte.

Oftmals kommen sie als Paar oder auch alleine nach Deutschland. »Denen reicht ein kleines Appartement für zwei Personen oder aber auch ein Doppelzimmer, welches sie sich mit einem Kollegen teilen«, fügt Andreas Herdt hinzu.

Heinz Ketteler vergleicht die Situation mit den Gastarbeitern aus Spanien vor einigen Jahrzehnten. »Die habe ich bei Claas betreut, als ich noch in der Personalabteilung gearbeitet habe«, schildert Ketteler, dass er sich damals um die Unterkünfte der ausländischen Arbeiter bemüht hat. Ein Spanier wohnt seit 38 Jahren in einer Mietwohnung Kettelers – an der Clarholzer Straße.

K&H Hausverwaltung vermietet die Betten für 280 Euro

Die K&H Hausverwaltung vermietet die Betten für 280 Euro. Wenn eine komplette Familie einzieht, dann eben günstiger. Denn es gibt auch Appartements, in denen die Eltern mit ihren Kindern wohnen. Die Wohnungen sind fast alle kernsaniert und einige werden es noch. »An der Clarholzer Straße würden wir gerne anfangen zu sanieren, vielleicht auch anbauen«, schildert Andreas Herdt. Doch das sei mit den ganzen Vorurteilen ihnen gegenüber nicht so einfach. Beide sind sich einig, dass sie »mustergültige Integrationsarbeit« leisten. »Wir helfen bei der Anmeldung, haben eigens ein Formular dafür entwickelt, wir informieren die Stadt bei der Abmeldung – obwohl wir es nicht müssten«, schildert Herdt dass sie den Mietern viel unter die Arme greifen und Aufgaben übernehmen, die sie eigentlich alleine stemmen müssten – aber oftmals nicht können.

Dass es in manchen Häusern häufiger zu An- und Abmeldungen komme, sei ganz normal. »Manche Mieter zieht es in der Saison in die Niederlande«, erklärt Andreas Herdt, dass die Menschen dort scheinbar einfacher und schneller Geld verdienen können. Liviu Rosca ist seit Januar 2019 hier und denkt erstmal gar nicht daran, wieder zu gehen. Warum auch?

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