Schlechtes Ergebnis: Weibliche Erwerbsquote liegt unter 35 Prozent
Jede vierte Frau ist ungelernt

Harsewinkel (WB). Dass viele Harsewinkelerinnen ohne Job dastehen, ist ein brisantes Thema. Die einen möchten drüber reden, die andern nicht – finden die »verheerende Frauenerwerbsquote« an den Haaren herbei gezogen. Doch: »Die Zahlen sprechen eine ganz deutliche Sprache«, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Harsewinkel, Monika Edler-Rustige.

Donnerstag, 08.08.2019, 08:45 Uhr aktualisiert: 08.08.2019, 09:38 Uhr
Die Frauenerwerbsquote ist in Harsewinkel äußerst niedrig. In NRW ist die Mähdrescherstadt sogar Schlusslicht. Von den Erwerbstätigen ist jede vierte Frau ungelernt. Foto: dpa

Sie hat sich in Kooperation mit dem Wirtschaftsförderer des Kreises, Albrecht Pförtner, und der Arbeitsagentur Bielefeld und Gütersloh um Diana Glanz und Hilde Knüwe die Zahlen genauer angeschaut und sie der Politik präsentiert – um Lösungsmöglichkeiten zu finden.

Harsewinkel steht in Sachen Frauenerwerbsquote in Nordrhein-Westfalen jeder Kommune um etwa zehn Prozent hintenan. »Die Quote liegt in der Mähdrescherstadt unter 35 Prozent«, berichtet Edler-Rustige im Gespräch mit dieser Zeitung. Damit belegt Harsewinkel im deutschlandweiten Vergleich einen der hinteren Plätze. Von 11.246 Beschäftigten in der Mähdrescherstadt sind nur 3931 Frauen – so die Zahlen für 2018.

Im Rentenalter droht Altersarmut

Viele berufstätige Frauen arbeiten in Minijobs. Gut 1291 Harsewinklerinnen haben einen Job auf 450 Euro Basis, weitere 636 haben diesen Minijob als Ergänzung zu ihrer richtigen Arbeit. »Weil sie nicht genug verdienen«, schildert Edler-Rustige die Situation der Frauen. Im Rentenalter droht ihnen die Altersarmut.

Und die Zahlen, die sie dann aufdröselt, sprechen Bände: Insgesamt sind 4000 Frauen in Harsewinkel direkt vor Ort erwerbstätig. Allerdings gibt es nur 231 Expertinnen in ihrem Job – das sind studierte Frauen mit Masterabschluss. Die meisten Frauen arbeiten, wenn sie denn arbeiten, als Fachkräfte (2358) oder als Helferinnen (912). Demnach ist fast jede vierte Frau ungelernt.

»Wir müssen dafür sorgen, dass die Frauen nach ihrer Elternzeit die Möglichkeit haben, ihren Job in Teilzeit weiter zu führen.«

Monika Edler-Rustige

Doch woran liegt das und was kann die Verwaltung tun? Die Gleichstellungsbeauftragte hat sich Ideen aus der Politik gewünscht, doch die kamen zunächst nicht. Ein Grund soll sein, dass Harsewinkel eine Industriestadt ist. Ein weiterer, dass hier viele Mennonitinnen leben, die eben keine Arbeit suchen, weil sie sich Zuhause um Familie und Haushalt kümmern.

»Wir müssen dafür sorgen, dass die Frauen nach ihrer Elternzeit die Möglichkeit haben, ihren Job in Teilzeit weiter zu führen«, macht Edler-Rustige einen Vorschlag gerichtet an die Firmen. »Oftmals sind die Frauen dann nach der Elternzeit aus dem Betrieb raus – mit einer Abfindung, aber letztlich dann ohne Job«, sagt sie.

Auch in der Kinderbetreuung sieht Edler-Rustige einen Knackpunkt: Wie soll etwa eine Frau im Einzelhandel flexibel einsetzbar sein, wenn die Kitas um 17 Uhr schließen? »Wir müssen auch in Harsewinkel über eine 24-Stunden-Kita nachdenken«, sagt sie. Denn nicht nur die Firmen müssen sich umstellen – auch das Betreuungsangebot muss passen.

Keine guten Busverbindungen

Ein weiteres Manko sieht sie zusammen mit dem Expertenteam darin, dass die Busverbindungen in Harsewinkel nicht optimal sind. »Wer kein Auto hat, der kommt nur schlecht bis gar nicht aus Harsewinkel raus«, berichtet sie. Trotzdem gibt es in der Mähdrescherstadt 1200 Auspendlerinnen – Frauen, die für ihren Job jeden Tag die Stadt verlassen. Schön wäre, ihnen in Harsewinkel etwas anbieten zu können.

Monika Edler-Rustige weiß, dass einige Frauen die Möglichkeiten, die sie haben, nicht kennen, weil der Informationsfluss oftmals nicht optimal ist. Es gebe sogar ein Teilzeitausbildungsprojekt. »Darin wird Frauen ermöglicht, in Teilzeit ihre Ausbildung nachzuholen.«

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