Wie das Hotel Klosterpforte die EM 2024 nach Ostwestfalen holen will
Noch mal das Gefühl von 2006

Marienfeld (WB). Christopher Schemmink und Reinhard Grindel haben etwas gemeinsam. Für den Manager des Marienfelder Hotels Klosterpforte und den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes ist der 27. September der wichtigste Fußballtermin des Jahres.

Mittwoch, 09.05.2018, 05:00 Uhr aktualisiert: 09.05.2018, 08:22 Uhr
Ankunft im Hotel Klosterpforte: Trainer Luiz Felipe Scolari (links) bezog 2006 mit den Portugiesen in Marienfeld Quartier. Foto: imago

Denn an diesem Tag wird das Exekutivkomitee der Uefa bestimmen, in welchem Land die Europameisterschaft 2024 ausgetragen wird. Zwei Bewerber gibt es: Deutschland und die Türkei, wobei die Türkei als Außenseiter gilt. Eine Niederlage würde ihn trauriger machen, als die WM-Titelverteidigung zu verpassen, sagt DFB-Boss Grindel mit Verweis auf die Perspektiven, die eine Heim-EM böte. Sollte Deutschland den Zuschlag erhalten, könnte das Turnier auch nach Ostwestfalen kommen. »Wenn die Wahl auf Deutschland fällt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass unser Hotel zu den Team Base Camps zählen wird«, sagt Schemmink.

24 solcher Mannschaftsquartiere würden für das Turnier gebraucht. Bereits im vergangenen Jahr hatte der DFB interessierte Hoteliers aufgerufen, sich zu bewerben. Für Schemmink und Reinhold Frie, Inhaber der Klosterpforte, stand frühzeitig fest, es zu probieren. Doch ein Alleingang war nicht möglich. Auch die Stadt Harsewinkel musste ihre Unterstützung schriftlich zusichern. »Wir brauchten die Zusage der Stadt, dass sie uns in Bereichen wie Sicherheit und Infrastruktur hilft«, erklärt Schemmink. Er ist froh, dass Harsewinkel »alles tun wird, um unsere Bewerbung zu unterstützen und zu gewährleisten, ein perfekter Gastgeber sein zu können«.

Der Optimismus hat seinen Grund

Schemminks Optimismus, sich im Fall der Fälle gegen andere Bewerber durchzusetzen, hat seinen Grund. Schon bei der Heim-WM 2006 zählte die Klosterpforte zu den Team Base Camps. Damals bezogen die Portugiesen im Kreis Gütersloh Quartier. Die Auswahl des damaligen Trainers Luiz Felipe Scolari schaffte es überraschend bis ins Halbfinale. Sollte der amtierende Europameister sich für das Turnier in sechs Jahren erneut qualifizieren, »wäre für Portugal natürlich eine Sympathie vorhanden«, betont Schemmink.

Das 2006 auf dem Areal der Klosterpforte errichtete Sporthotel »11« wird derzeit komplett renoviert. »2024 wird niemand mehr in dem Bett schlafen, in dem 2006 Ronaldo genächtigt hat«, sagt Schemmink lächelnd.

Angrenzend an die beiden hauseigenen Fußballplätze wird zudem das so genannte Kloster-Forum errichtet. Dort könnte bei der EM das Pressezentrum eingerichtet werden oder auch ein Fitnessraum. Wenn die Spieler sich nach dem Training abkühlen wollen, brauchen sie nicht mehr in die Eistonne zu klettern. Schemmink und Frie haben an den Plätzen ein Badehäuschen mit drei Wannen einrichten lassen. Und die Flutlichtmasten, die auf dem Gelände lagern, könnten bei Bedarf jederzeit aufgestellt werden.

Lange Liste mit Kriterien

Das Flutlicht ist nur ein Punkt auf der langen Liste mit den Kriterien, die ein Team Base Camp erfüllen muss. Ein anderer ist ein nahegelegener Flughafen. In 45 bis 60 Minuten, sagt Schemmink, seien Münster-Osnabrück und Paderborn zu erreichen. Der Standortvorteil dürfte im Hinblick auf die EM ohnehin nicht zu unterschätzen sein. In Nordrhein-Westfalen würde das Herz des Turniers schlagen. Düsseldorf, Köln, Dortmund und Gelsenkirchen wären vier der insgesamt zehn Spielorte.

Schemmink betont: »Wir können aber nicht nur die Rahmenbedingungen erfüllen, sondern haben auch eine Menge Erfahrung im Umgang mit Fußballteams.« Allein in diesem Jahr bezieht rund ein Dutzend Mannschaften Quartier in der Klosterpforte, darunter Ajax Amsterdam, Lazio Rom und Norwich City. Schemmink weiß: »Ein Fußballteam tickt anders als andere Gäste, möchte anders angesprochen werden, braucht es etwas lockerer, etwas familiärer.« Und Fußballer ernähren sich anders. Schemmink: »Die Spieler nehmen sieben bis acht Mahlzeiten am Tag zu sich. Morgens kommt der erste Eiweißdrink direkt ans Bett. Das muss uns niemand mehr erklären, das wissen wir.« Und die Verantwortlichen? »Ein Käseteller, dazu ein Rotwein – viele Trainer mögen das, wenn sie sich abends mit ihrem Staff besprechen.«

Auch Bundestrainer Joachim Löw und die deutsche Nationalmannschaft würden Schemmink und Frie gern einmal willkommen heißen. Einen ersten Kontakt zu Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hat Frie bereits hergestellt. Den Weltmeister in der Klosterpforte zu begrüßen, »ist ein großer Traum von uns«, sagt Schemmink, denn: »Mehr geht nicht.«

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