Berufsparcours wird zehn Jahre alt – Organisator Michael Trödel zieht Bilanz »Schüler tüfteln lieber, als zu büffeln«

Harsewinkel (WB). Wenn um sieben Uhr morgens vor der Mehrzweckhalle die Handwerkerbullis parken und drinnen fleißig Maschinen aufgebaut werden, dann steht wieder der Berufsparcours an. Dieses Event feiert nun seinen zehnten Geburtstag. Warum es ein Dauerbrenner ist und was sich verändert hat, erklärt Kreisjugendpfleger Michael Trödel im Gespräch mit WB-Redakteurin Elke Westerwalbesloh.

Dachdeckermeister Dieter Berheide (rechts) ist seit der ersten Stunde des Berufsparcours im Jahr 2009 mit dabei. Er präsentiert sein Unternehmen und lässt die Schüler gerne mal eine Schieferplatte mit dem Schieferhammer zurecht hämmern.
Dachdeckermeister Dieter Berheide (rechts) ist seit der ersten Stunde des Berufsparcours im Jahr 2009 mit dabei. Er präsentiert sein Unternehmen und lässt die Schüler gerne mal eine Schieferplatte mit dem Schieferhammer zurecht hämmern. Foto: Westerwalbesloh/Archiv

Am 26. Februar 2009 wurde der Berufsparcours zum ersten Mal in Harsewinkel veranstaltet. Können Sie sich noch erinnern, wie die Idee dazu entstanden gekommen war?

Michael Trödel: Ja klar. Wir haben Kontakt zu Karin Ressel gehabt, weil sie schon in Versmold und Halle einen Berufsparcours veranstaltet hatte. Sie ist quasi die Erfinderin dieser Art von Berufsorientierung. Wir haben ganz eng zusammen gearbeitet und von ihrem Wissen profitiert – ganz klar.

Sie hätten doch aber auch die Harsewinkeler Schüler einfach in einen Bus setzen und zur Berufemesse nach Gütersloh schicken können. Da wäre weniger Aufwand gewesen.

Trödel: Nein, auf gar keinen Fall hätten wir das gemacht. Ein Berufsparcours ist auch etwas anderes als eine Berufemesse. Hier sollen die Schüler tüfteln, ausprobieren und Kontakte zu Ausbildungsleitern oder gar Betriebschefs knüpfen.

Kontakt knüpfen können die Jugendlichen auf einer Messe auch?

Trödel: Wer einmal hier in Harsewinkel in der Mehrzweckhalle war, der weiß, dass es etwas ganz anderes ist. Ein Unternehmer hat sich erst gesperrt, bei uns teilzunehmen, mit der Begründung, dass er auf einer Messe einen Stand hatte und die Jugendlichen nur darauf aus waren, die »Giveaways« abzugreifen.

Und, was ist aus dem Unternehmer geworden? Kommt er nun zum Parcours?

Trödel: Er hat es einmal einen Vormittag in der Mehrzweckhalle ausprobiert und war begeistert. Er ist inzwischen seit 2009 regelmäßig dabei.

Es ist bestimmt auch eine Kostenfrage, ob Unternehmen sich beteiligen – gerade wenn es kleinere Betriebe sind, oder?

Trödel: Es kostet sie nichts! Außer natürlich ihren Arbeitseinsatz. Für alle Beteiligten ist es eine recht günstige Angelegenheit. Lediglich wir vom Kreis zahlen das Catering. Das heißt die Brötchen und den Kaffee, den die Schüler dann noch selbst ausschenken. Und die Stadt stellt natürlich die Mehrzweckhalle kostenlos zur Verfügung.

Ist denn alles nur positiv? Gibt es keine Neider, die ihnen den Erfolg nicht gönnen?

Trödel: Das ist hier in Harsewinkel wirklich sagenhaft. Wir arbeiten alle ganz eng zusammen und deshalb läuft es auch so gut. Ob Schulen, Stadt, Kreis, Unternehmen. Es läuft einfach. Nur deshalb haben wir mittlerweile doppelt so viele Betriebe, die sich präsentieren. Immerhin 61 Firmen und 142 Ausbildungsberufe konnten wir im vergangenen Jahr vorstellen.

Was bringt der Berufsparcours denn den Schülern?

Trödel: Alles ist interessanter als Unterricht. Die Schüler tüfteln lieber, als zu büffeln. Die Schüler besuchen dieses Event in der 8. und 9. Klasse. Wenn sie das erste Mal mit einem eingeschränkten Blick durch den Parcours wandern, sind sie im Jahr darauf doch schon etwas reifer und wissen, welche Betriebe sie noch ansteuern möchten.

Die Schullandschaft in Harsewinkel hat sich verändert. Die Hauptschule und die Realschule sind durch die Gesamtschule ersetzt worden. Haben sie das beim Parcours gespürt?

Trödel: Die Gesamtschule und auch das Gymnasium nehmen das Thema Berufsorientierung in ihrem Schulalltag schon sehr gut in den Blick. Deshalb ist der Berufsparcours auch eine tolle Ergänzung dazu. Auch die Gymnasiasten wollen nach dem Abitur vielleicht ein Duales-Studium angehen. Hier bekommen sie die passenden Tipps.

Was passiert nun nach dem kleinen Jubiläum?

Trödel: Wir halten am Parcours fest und werden erst mal die Betriebe ehren, die seit der ersten Stunde dabei sind.

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