Harsewinkeler Musik-Festival soll wieder lebendig werden – Ausstellung läuft Ponderosa: Plakate wecken Erinnerungen

Harsewinkel (WB). Der Begriff Ponderosa lädt viele Harsewinkeler zum Schwelgen in Nostalgie ein. Nach zehn Jahren Pause und einem kleinen Anlauf 2016 wollen Frank Sperber und Micky Grohe das Musikfestival auf der Kölkebecker Festivalwiese Ende Juli wieder groß aufziehen. Aktuell läuft bis zum 13. August eine Ausstellung im Rathaus mit Festplakaten aus den vergangenen Jahrzehnten.

Von Hendrik Christ
Bis zum 13. August ist die Plakat-Ausstellung zum Ponderosa-Festival im Rathaus zu sehen. Micky Grohe (links) und Frank Sperber haben sie auf die Beine gestellt.
Bis zum 13. August ist die Plakat-Ausstellung zum Ponderosa-Festival im Rathaus zu sehen. Micky Grohe (links) und Frank Sperber haben sie auf die Beine gestellt. Foto: Hendrik Christ

Die Motive sind so etwas wie Zeitzeugen der Vergangenheit und ließen beim Gütersloher Künstler und Designer Micky Grohe Erinnerungen aufkochen: »Wenn ich heute alles betrachte, finde ich einiges gruselig. Dennoch machen solche Plakate ein Musikerlebnis auch immer ein Stück nahbar.«

Sogar Nina Hagen hat hier gesungen

1989 startete das Ponderosa-Festival, sogar Nina Hagen sang hier einmal. Im Jahr 1991 entwarf Grohe das erste Plakat dazu, um die Aufmerksamkeit zu steigern. Zunächst hingen die Blickfänger allerdings nur bei den Vorverkaufsstellen. Die grafischen Anfertigungen gestalteten sich als mühevolle Handarbeit.

Vor 25 Jahren musste Grohe seine Bilder mit Vorlagen am Kopierer sowie mit Edding und Klebstoff zusammenbasteln. Ab Mitte der 1990er Jahre wurde es dann einfacher für ihn, als alles digital am Computer funktionierte.

Zudem begann Micky Grohe 1995 sein Studium in Medien- und Grafikdesign in Münster. Das Sun-Swing-Poster von 1998 war gleichzeitig eine Prüfung an der Fachhochschule. »Über die Entwürfe bis zur Vervielfältigung in der Siebdruckwerkstatt habe ich das Plakat erstellt«, sagt Grohe.

Immer wieder Hühner

Auf den Plakaten sind ganz oft Hühner zu erkennen. Das hat natürlich einen Grund: Die Idee mit dem Ponderosa-Festival fing in einer Wohngemeinschaft auf dem Land an, dort hatten die Männer ein Auto mit viel Geflügel – ihren mobilen Hühnerstall. Micky Grohe wandelte das Gefieder immer wieder grafisch ab, aber die Geschichte dahinter blieb so am Leben.

2006 endeten die Ponderosa-Jahre. Jüngere Harsewinkeler haben sie gar nicht miterlebt. Grohe und Frank Sperber starteten 2016 nach zehn Jahren Pause den Neuanlauf mit 500 Besuchern. »Die Karten waren im Vorverkauf sofort vergriffen«, erklärt Sperber: »Diesmal bringen wir 999 Tickets auf den Markt.« Wahrscheinlich ist die Nachfrage sogar größer. Aber dann steigen die behördlichen Auflagen, das wollen die Veranstalter vermeiden.

Fast wie im »Summer of Love«

Insgesamt 16 Bands sorgen vom 28. bis zum 30. Juli drei Tage lang für Musikunterhaltung. Mit dabei sind etwa »Two Boys, one Pub«, die Dizzy Dudes, Homebrass oder White Coffee aus Herford, die den Sprung ins professionelle Musikgeschäft wagen wollen.

Das Veranstalter-Duo möchte den »Summer of Love« von 1967 – also vor genau 50 Jahren – revitalisieren. Neben dem Festivalgelände gibt es eine Weide zum Zelten. Einige Besucher kommen erfahrungsgemäß gar nicht dazu, das Camp zu verlassen. »Da werden Jugenderinnerungen wach«, sagt Organisator Frank Sperber und schmunzelt.

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