23 Fahrer genießen mit ihren Oldtimer-Motorrädern die 26. Spökenkiekerfahrt Im Rausch der Langsamkeit

Borgholzhausen (WB). Bei bestem Sommerwetter ist die Motorradsaison am Wochenende bereits im vollen Gang. Doch nicht jeder Fahrer sucht in Höchstgeschwindigkeiten nach dem Adrenalinkick: Ulrich Wesoleks Maschine verfügt über kaum mehr als ein PS – und darauf ist er stolz.

Von Sara Mattana
23 Fahrer nehmen an der Spökenkiekerfahrt teil. Auf dem Hof von Konrad Upmann machen die Teilnehmer eine Pause.
23 Fahrer nehmen an der Spökenkiekerfahrt teil. Auf dem Hof von Konrad Upmann machen die Teilnehmer eine Pause. Foto: Sara Mattana

Genau genommen sind es eineinviertel PS, mit denen der Einbaumotor sein Gefährt antreibt. Nimmt man sein Motorrad genauer in Augenschein, ist dies auch kaum verwunderlich. Es stammt aus dem Jahr 1901 und ist damit das älteste Fahrzeug, das bei der diesjährigen Spökenkiekerfahrt über Feldwege und Seitenstraßen tuckert.

Damit das Oldtimer-Motorrad seine Höchstgeschwindigkeit von etwa 30 Stundenkilometern aber überhaupt erst erreichen kann, muss sich nicht nur der kleine Motor, sondern auch der Fahrer ordentlich ins Zeug legen: »Ich habe jeweils noch ein PS in den Beinen«, sagt Ulrich Wesolek.

Motorrad aus der Pionierzeit mit anderthalb PS

So ähnelt sein Fahrzeug mit den Pedalen auch mehr einem Fahrrad als einem Motorrad – und genau das war es ursprünglich auch. »Es stammt aus der Pionierzeit. Damals wurde der Motor eingebaut und der Rahmen verstärkt, und auch heute noch ist es für den Straßenverkehr zugelassen«, erklärt Ulrich Wesolek, der zu den 23 Teilnehmern gehört, die am Samstag eine Pause auf dem Hof von Konrad Upmann einlegen.

Vom Motorrad-Museum in Greffen aus legen sie insgesamt eine 42 Kilometer lange Strecke zurück. Dabei ist die Planung der Strecke besonders anspruchsvoll: Statt das Ziel nur ins Navi einzutippen und sich auf den Weg zu machen, muss Organisator Gerhard Lüpken versuchen, große Ampelkreuzungen und Rechts-vor-Links-Einmündungen zu vermeiden.

Teilnehmer aus ganz Deutschland

»Mein Motorrad hat keine Kupplung, deshalb muss ich den Motor jedes Mal neu starten, wenn ich anhalte«, sagt Ulrich Wesolek, der seinen Oldtimer vor 20 Jahren gekauft hat und damit nun regelmäßig an Ausfahrten teilnimmt. Denn obwohl das Fahrzeug damals in einem schlechten Zustand war, hat ihn der Ehrgeiz gepackt: »Ich habe es von Grund auf restauriert, ich wollte zeigen, dass auch ein so altes Motorrad noch bewegt werden kann.«

Und mit dieser Einstellung ist er nicht allein. Bereits zum 26. Mal zieht es Teilnehmer aus ganz Deutschland nach Borgholzhausen, wo der stellvertretende Bürgermeister Hermann Ludewig sie sogleich mit dem obligatorischen Lebkuchenherz begrüßt, bevor die Fahrer ihre Rundfahrt durch Wald und Wiesen fortsetzen.

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