Neue historische Erkenntnisse zum Kriegsende in Halle: Am 2. April 1945 sterben junge Frauen nach Panzerbeschuss
Wie Wehrmacht-Helferinnen am letzten Kriegstag in Halle zu Tode kamen

Halle-Bokel -

Es ist ein kleine Grabplatte auf einem sogenannten Ehrenhain auf dem Haller Friedhof. Die Inschrift ist jüngst lesbar herausgeputzt worden. Hinter der Grabaufschrift verbirgt sich die traurige Geschichte von zwei jungen Wehrmachthelferinnen, deren Schicksal im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Halle am 2. April 1945 steht.

Freitag, 02.04.2021, 10:41 Uhr aktualisiert: 03.04.2021, 08:40 Uhr
Inga Hagenbäumer (links), Mitarbeiterin im Haller Stadtarchiv, und Historikerin Dr. Katja Kosubek knien mit der Schulchronik aus Bokel an der Grabplatte für die beiden unbekannten Wehrmacht-Helferinnen, die am 2. April 1945 in Halle starben. Foto: Küppers

Stadthistorikerin Dr. Katja Kosubek hat in dem virtuellen Geschichtsmuseum Haller Zeiträume die Geschichte aufgearbeitet, die ein Schlaglicht auf die Rolle von Frauen im Krieg sowie auf die Tragik und Dramatik gerade auch in den letzten Kriegstagen wirft.

Schon lange bekannt war, dass beim Einmarsch der Amerikaner von der 5th Armored Victory Division am 2. April 1945 der Handwerksmeister Wilhelm Schmidt getötet worden war, der unvorsichtigerweise aus einem Erdbunker geguckt hatte und von Amerikanern erschossen worden war. Mit den verifizierten Erkenntnissen weiß man nun, dass zwei in Bokel getötete Wehrmachthelferinnen den damaligen Toten in Halle hinzugerechnet werden müssen.

Historiker findet verschollen geglaubte Schulchroniken mit Bericht zum Kriegsende

Herausgekommen ist das alles durch die Recherchen von Dr. Hartmut Stieghorst, der für historische Forschungsarbeiten alte Schulchroniken im Umkreis, unter anderem auch die der damaligen Volksschule in Bokel aufgetan hatte. Irgendwann übergab Stieghorst diese und andere Schulchroniken dem Haller Stadtarchiv. Für Katja Kosubek erwies sich die als verschollen gegoltene Schulchronik als „1 a Quelle“. In der Schulchronik hat der jeweils beauftragte Bokeler Dorfschullehrer 1918 die erste und 1968 die letzte Eintragung vorgenommen.

Die Ereignisse vom 2. April 1945 hatte Katja Kosubek zunächst mündlich von ein­em Bokeler gehört, der damals Kind war und von seinem Vater die tragische Geschichte der Wehrmachthelferinnen gehört hatte. Mit der jüngst aufgefunden Schulchronik ist die Geschichte bestätigt und genauer erzählt worden.

Helferinnen verbrannten nach Beschuss im brennenden Lkw.

Der damalige Bokeler Dorfschullehrer schrieb über die Ereignisse gegen 11 Uhr vormittags am 2. April 1945: „Als die ersten Panzer nach Halle abgefahren waren, rollte auf der Straße von Brockhagen ein deutscher Lastkraftwagen, in dem sich außer dem Zivilfahrer einige Soldaten und zwei Wehrmachtshelferinnen befanden. Die amerikanischen Panzer eröffneten aus der Richtung von Sewiemöller (der erste Hof rechts hinter Tarner, der an der damaligen Kölkebecker Straße lag, Zusatz der Red.) das Feuer, und im nächsten Augenblick stand der Wagen in Flammen. Der Fahrer und die Soldaten konnten verwundet entkommen, während die beiden Helferinnen verbrannten. Die verkohlten Leichen wurden 14 Tage später auf dem Friedhof in Halle beigesetzt. Kein Mensch konnte Auskunft geben über Namen und Heimat der jungen Mädchen, die auf so tragische Weise ums Leben kamen.“ Im weiteren fügt der Schulchronist hinzu: „Vermißt! Was liegt in diesem kleinen Vorgang, der sich innerhalb von 2 Minuten abspielte, schon an Leid und Not umschlossen, die ganze Härte und Grausamkeit des Krieges.“

Wie Katja Kosubek ergänzend erläutert, dienten in der Wehrmacht insgesamt rund 500.000 junge und ledige Frauen, die an allen Kriegsschauplätzen in der Armee, der Luftwaffe und der Marine eingesetzt wurden, um Soldaten für den Fronteinsatz frei zu machen. Am Ende des Krieges sei in der Wehrmacht auf 20 Soldaten mindestens eine Frau gekommen, viele seien auch als Flakhelferinnen direkt ins Kampfgeschehen eingebunden gewesen.

Namenloser Grabstein auf Haller Friedhof

Über die getöteten Frauen in Halle kann die Historikerin nur mutmaßen: „Vielleicht hatten die beiden sich von ihrem Vorgesetzten verabschiedet und versuchten sich zu zweit durchzuschlagen, um irgendwie nach Hause zu kommen.“ Der namenlose Grabstein auf dem Haller Friedhof erinnert an das sinnlose Sterben der jungen Frauen.

Gerne würde Katja Kosubek mehr erfahren, weil es vielleicht noch Zeitzeugen zu den Ereignissen am Kriegsende in Halle gibt. Denn in dem Ehrenhain auf dem Haller Friedhof finden sich zwei weitere, verwitterte Grabplatten von Gefallenen, deren Todesdatum wenige Tage nach dem 2. April 1945 liegt. Sind also womöglich in der Folge von weiteren Kampfhandlungen in Halle noch mehr Menschen zu Tode gekommen?

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7898177?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
BVB feiert Pokalsieg nach Sieg gegen Leipzig
Dortmunds Top-Stürmer Erling Haaland hebt den Pokal in die Höhe. Der BVB hat den DFB-Pokal zum fünften Mal gewonnen.
Nachrichten-Ticker