Halle/Werther
Erfolg im Wettstreit um Argumente

Halle/Werther -

Wenn Carla Charlotte Wiegand (14) und Antonia Maslowski (18) loslegen und diskutieren, müssen sich ihre Gegenüber schon gute Argumente einfallen lassen.

Freitag, 05.03.2021, 17:19 Uhr
Viele junge Menschen interessieren sich für eine gekonnte Form des Debattierens.

Denn die beiden Schülerinnen des Kreisgymnasiums Halle (KGH) sind Meisterinnen der Debatte. Sie haben sich in ihrer Altersklasse bei „Jugend debattiert“ auf Reginalebene durchgesetzt (wir berichteten). AM 24. März geht es auf Landesebene weiter.

Wird Carla Charlotte Wiegand nach ihren Traumberufen gefragt, antwortet sie: „Anwältin, aber auch Journalistin oder Lehrerin“. Alles kommunikative Berufe – kein Wunder. Denn die Neuntklässlerin weiß, ihre Sprache gezielt einzusetzen. Seit einem Jahr etwa besucht sie die „Jugend debattiert“-AG am KGH. Die Wenigsten wissen, dass es bei dem Wettbewerb keineswegs darum geht, drauf los zu diskutieren, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Nein, es gibt klare Vorgaben, und Recherche ist das A und O. Zwei Wochen vor dem diesmal digitalen Entscheid erhalten die Schüler zwei Fragen. Zu beiden müssen sie eine Pro- und eine Kontraargumentation vorbereiten. Erst einen Tag vor dem Wettbewerb haben die beiden KGH-Schülerinnen erfahren, ob sie für oder gegen die These argumentieren sollen. „Es ist eine echt Herausforderung, eine Position zu vertreten, die nicht die eigene Überzeugung ist“, gibt Carla Charlotte Wiegand zu. Aber da die Hallerin vorher viele Argumente recherchiert, merkt sie manchmal sogar, dass es plötzlich für beide Seiten „ganz tolle Argumente gibt“.

Beim Regionalentscheid lauteten ihre Fragen „Sollten Mädchen und Jungen in den naturwissenschaftlichen Fächern getrennt unterrichtet werden?“ und „Sollte es bei einer Grippeepidemie eine Maskenpflicht geben?“ Besonders die Aufgabe zur Maskenpflicht fand sie kniffelig. „Ich merkte schnell, dass es mir schwer fiel, gegen die Maskenpflicht zu sprechen, weil ich angesichts der aktuellen Situation nicht wie ein Maskengegner wirken wollte“, erzählt sie.

Bei den Fragen der älteren Schüler wurde sogar noch eine Schippe drauf gelegt. Antonia Maslowski aus Werther musste sich damit auseinandersetzen, ob Kliniken ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden sollen und ob der Onlinehandel verpflichtet werden sollte, Retouren wieder und weiter zu verwerten.

Die 18-Jährige besucht seit fünf Jahren die Debatten-AG am KGH und macht in diesem Jahr ihr Abitur. Dafür zieht es sie wie Carla Charlotte Wiegand sogar samstags in die Schule. „Ich ziehe daraus ganz viel für den Alltag“, erzählt Antonia Maslowski. Es sei hilfreich, zu wissen, wie man Argumente für eine Position findet, die einem nicht ganz so liege. Es öffne den Blick für verschiedene Perspektiven. Dazu passt ihr Berufswunsch: Soziale Arbeit. Mit einem Augenzwinkern verrät sie: „Wenn ich zu viel diskutiere, sagen meine Eltern schon mal: Hör jetzt Zuhause mal auf mit Jugend debattiert.“

Da die 18-Jährige schon Erfahrung mit dem Entscheid hat, weiß sie genau, dass die digitale Form in diesem Jahr „etwas völlig anderes ist“. Der Blickkontakt fehle und die direkte Resonanz. Aber das ist Nebensache. Jetzt heißt es nur noch Daumen drücken für den Landeswettbewerb.

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