Besetzer räumen den Steinhausener Wald in Halle – doch das weitere Geschehen dort soll genau beobachtet werden
„Wir sind notfalls schnell wieder da“

Halle (WB) -

Die Besetzung des Steinhausener Waldes in Halle scheint vorerst beendet zu werden, am Sonntag wurde aufgeräumt. Doch die Waldbesetzer kündigen gleichzeitig an, das weitere Geschehen genau im Blick zu behalten – und notfalls zurückzukehren.

Sonntag, 28.02.2021, 15:12 Uhr aktualisiert: 01.03.2021, 07:18 Uhr
Am Sonntag kamen erneut weitere Bürger in den Steinhausener Wald und halfen dabei, einige der Barrikaden beiseite zu schaffen. Foto: Malte Krammenschneider

„Steini bleibt! Steini bleibt! Steini bleibt!“: Zum Abschluss des von den Waldbesetzern einberufenen „Zukunfts-Plenums“, welches am Samstagmorgen im Gespräch mit Bürgern klären soll, wie zukünftig mit den Rodungs-Plänen des Storck-Waldes am Steinhausener Weg umgegangen werden soll, ertönt noch einmal der „Schlachtruf“ der selbst ernannten Umwelt-Aktivisten.

Diese haben zuvor in Diskussionsrunden – in eben diesem, wie sie es nennen, „Zukunfts-Plenum“ – Ideen und Anregungen gesammelt und kommen zu einem recht eindeutigen Ergebnis: „Der Steinhausener Wald ist nicht gerettet. Wir müssen aufpassen, wie es sich hier weiter entwickelt, werden aber erst einmal den Großteil hier abbauen. Kleine Strukturen zur Mahnung sowie ein Info-Point sollen bleiben“, sagt eine der Waldbesetzer-Sprecherinnen, die sich Lina nennt und die soeben vorgetragenen Positionen der rund 70 anwesenden Aktivisten, Anwohner und weiteren interessierten Bürger zusammenfasst.

GNU: „Hoffentlich wird der Wald nicht eingezäunt“

Darunter auch die von Angelika Daum, Vorstandsmitglied der Gemeinschaft für Natur und Umweltschutz (GNU) des Kreises Gütersloh. Daum hofft, „dass Storck nicht auf die Idee kommt, den Wald hier einzuzäunen. Wir gucken ihnen weiter auf die Finger. Dass der Wald erst einmal stehen bleibt, ist eine gute Lösung“.

„Uns ist es auch noch einmal wichtig, denjenigen, die uns unterstützt haben, danke zu sagen“, sagt kurz darauf eine weitere Aktivistin, „Elfe“, die die Anwesenden noch darauf hinweist, dass am Nachmittag „Lern-Stunden“ angeboten werden, wo man beispielsweise lernen könne, zu klettern und „mit der Presse zu sprechen“. Vereinbart wird darüber hinaus, dass am darauffolgenden Sonntag sämtlicher Müll aus dem Wald entfernt und ein Großteil der Barrikaden zurückgebaut wird, um es sich mit den Naherholung suchenden Bürgern nicht zu verscherzen.

Waldbesetzerin „Elfe“ (mit gelbem Schal) leitete am Samstag die Diskussionsrunden im so genannten „Zukunfts-Plenum“ im Wald.

Waldbesetzerin „Elfe“ (mit gelbem Schal) leitete am Samstag die Diskussionsrunden im so genannten „Zukunfts-Plenum“ im Wald. Foto: Malte Krammenschneider

„Der Wald soll auch im Dunkeln ohne Stolpergefahr begehbar sein“, sagt Waldbesetzerin Lina, die am Sonntagvormittag viele tatkräftige Unterstützer am Hauptlager begrüßen kann. Dort wird zunächst einmal das weitere Vorgehen beschlossen – wobei deutlich wird, dass alle Beteiligten dem vorläufigen Rodungs-Stopp von Storck nicht über den Weg trauen.

Stämme bleiben in der Nähe der Wege – als mögliche erneute Barrikaden

Aus diesem Grund werden anschließend auch einige der für die Barrikaden verwendeten Stämme und Äste in der Nähe des Weges platziert, um sie gegebenenfalls schnell wieder für eine Blockade zur Verfügung zu haben. „Die sollen merken: Obwohl wir nicht mehr hier sind, sind wir nicht weit weg und notfalls schnell wieder da“, erklärt einer der Waldbesetzer, laut dem es sogar Leute gibt, die bereit dazu wären, den Wald dauerhaft mit einer Art Mahnwache besetzt zu halten. Es komme nun aber vor allem darauf an, dass Anwohner die Situation weiterhin genau beobachten sollen. Weitere künftige Protestmaßnahmen scheinen damit nicht ausgeschlossen zu sein.

In einer Presseerklärung zeigt sich Tobias Rüter von der Bewegung „Fridays for Future Altkreis Halle“ derweil zufrieden vom Verlauf der Woche: „Wir haben viele positive Rückmeldungen an unserer Mahnwache bekommen. Die Besetzung hat gezeigt, dass man keine Politik mehr machen kann, die die Klimakrise ignoriert und stur Profitinteressen auf Kosten der Bevölkerung umsetzen will. Es waren für uns ermutigende Tage, weiterhin für eine klimagerechte Welt einzutreten.“

Der Disput um den „Steini“ dürfte somit längst noch nicht beendet sein, denn die Aktivisten haben sich untereinander mit Anwohnern vernetzt und wollen außerdem das Gespräch mit der Firma Storck suchen. Vielleicht gibt es ja eine Lösung, mit der beide Seiten gut leben können.

Bürgermeister zeigt sich vorerst erleichtert

Bürgermeister Thomas Tappe zeigte sich am Samstag „erleichtert und froh“ darüber, dass die Aktivisten sich an ihre Ankündigung halten wollen, zum Monatsende Februar ihre Besetzung zu beenden. „Vor allem bin ich froh, dass das Ganze bislang ohne Gewalt vonstatten ging“, betont Tappe. „Und ich hoffe, dass die Aktivisten den Wald so hinterlassen, wie sie ihn vorgefunden haben.“ Zu Details, wie es dort nun möglicherweise weitergehen könnte, dazu wollte der Bürgermeister am Samstag noch nichts sagen. „Das muss in erster Linie mit der Firma Storck geklärt werden.“

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