Schneechaos im Altkreis Halle - Züge und Busse ausgefallen - Probleme wirken sich auch auf Unternehmen aus
Räumhilfe kommt von Landwirten und mit Radladern

Altkreis Halle -

Das Schneechaos hat den Altkreis Halle weiter fest im Griff. Die Kommunen hoffen, dass es auch mit Hilfe von Dienstleistern und Landwirten gelingt, die derzeit nicht oder kaum befahrbaren Nebenstraßen im Laufe des Tages von den Schneemassen so weit zu befreien, dass Bewegung bald wieder möglich wird. Die Bürger sind vorerst weiter aufgerufen, wenn möglich daheim zu bleiben.

Montag, 08.02.2021, 16:40 Uhr aktualisiert: 08.02.2021, 18:38 Uhr
Sogar mit Muldenkippern der Haller Firma Linker sind die Schneemassen aus den Nebenstraßen von Halle abgefahren worden. Foto: Krammenschneider

„Solange es weiter schneit und der Wind für immer neue Verwehungen sorgt, wird sich die Lage so schnell nicht ändern“, sagt Ralph Heermann, stellvertretender Wehrführer der Feuerwehr Halle, dem WB. Er selbst hat seinen Handwerksbetrieb „im Bergischen“ von Halle (Mödsiek) am Montag schließen müssen. „Ich habe einen Trecker mit Frontlader bestellt, damit unser Hof überhaupt wieder befahrbar wird“, berichtet der führende Haller Feuerwehrmann. Sollte er zu einem größeren Einsatz gerufen werden, müsste er rund 400 Meter den Berg runter zu seinem Auto laufen, um schnell zum Feuerwehrgerätehaus fahren zu können.

Wintereinbruch im Altkreis Halle

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  • Halle, festgefahren an der Gartenstraße

    Halle, festgefahren an der Gartenstraße

    Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
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    Foto: Ulrich Faelker
  • Halle, Innenstadt

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Halle, Alleestraße

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Halle, vorm Rathaus

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Schnee in Steinhagen: Bürgerpark mit Pulverbach.

    Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
  • Halle, Alleestraße

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Halle, Alleestraße

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Halle, Bahnhof

    Foto: Malte Krammenschneider
  • Halle, Gartenstraße

    Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
  • Halle, festgefahren am Gausekamp

    Foto: Klaudia Genuit-Thiessen
  • Werther, Schneeschaufeln

    Foto: Margit Brand
  • Werther, Haller Straße, Räumfahrzeug

    Foto: hx
  • Werther, Schlittenfahren auf der Ravensberger Straße

    Foto: Paul Huxohl
  • Schnee in Steinhagen: Der Schnee fliegt vom Dach der Häuser an der Bahnhofstraße.

    Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
  • Schnee in Steinhagen: Kirchplatz mit Steinhägerhäuschen ("Dorfbulle"), Dorfkirche, Bibliothek und Schlichte-Carree

    Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold
  • Schnee in Steinhagen: Dieses und ein weiteres Räumfahrzeug machen den weitläufigen Parkplatz vom Einkaufszentrum Woerdener Straße frei.

    Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Das war jedoch bisher nicht nötig, weil sich die Feuerwehren im Kreis Gütersloh bereits am Wochenende so organisiert haben, dass ständig eine Staffel (fünf Einsatzkräfte) in den jeweiligen Feuerwehrgerätehäusern wartet, um schnell einsatzbereit zu sein. Ansonsten haben die Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr erhebliche Probleme, mit ihren Privatfahrzeugen zügig zum Gerätehaus zu kommen.

Rettungswagen fahren sich auch mit Spikes fest

Die Haller Feuerwehr hat derweil eine Reihe von Einsätzen am Wochenende und auch am Montag gehabt. In der Nacht von Samstag auf Sonntag waren es Heermann zufolge wohl die schweren Schneelasten, die gleich zwei Fehlalarme der Brandmeldeanlage bei Holz Speckmann ausgelöst haben. Am späten Sonntagabend hatte sich in der Waldenburger Straße (Nähe Laibach-Park) ein Rettungswagen festgefahren, der durch die Feuerwehr befreit werden musste. Und auch am Montagvormittag passierte einem weiteren Rettungswagen ähnliches. Heermann: „Die Rettungswagen sind zwar mit Spikes ausgerüstet. Aber irgendwann wird es einfach zu viel.“

Großer Baum drohte auf Haller Westumgehung zu kippen

Hinzu kamen Hilfeleistungen der Feuerwehr bei umgestürzten Bäumen. Am Stodiecks Hof war ein Baum abgebrochen, der zerkleinert wurde. Größer war der Aufwand am Sonntag an der Haller Westumgehung (in Höhe der künftigen neuen Einfahrt zum Storck-Werksgelände), wo laut Heermann ein mächtiger, etwa 20 Meter hoher Baum unter der Schneelast umgekippt war und von einem Nebenbaum so gerade noch aufgehalten wurde, bevor er auf die Westumgehung (L 782) knallte.

Produktion bei Hörmann teilweise eingeschränkt

In der Gemeinde Steinhagen zeigten die beispielhaften Auswirkungen auf den Betrieb von Hörmann, dass der aktuelle „Flockdown“ auch Folgen für die Wirtschaft hat, nicht nur weil Pendler Probleme mit dem Arbeitsweg hatten. Die Produktion im Hörmann Stammwerk in Amshausen, im Sektionaltorwerk und in der Antriebstechnik in Brockhagen musste teilweise stark eingeschränkt werden. Wegen des Lkw-Fahrverbots, das aufgrund des Wetters verhängt worden war, kam Material nicht mehr an, und gefertigte Teile konnten die Werke auch nicht mehr verlassen. Der Versand sei vorübergehend stillgelegt worden, man befinde sich im Austausch mit den Lieferanten, hieß es von Seiten des Unternehmens.

Höchstbelastung in Werther

In Werther hat die Feuerwehr bisher zum Glück keine besonderen Einsätze fahren müssen. Derweil steht der Bauhof der Stadt unter Höchstbelastung. „Der Bauhof kommt mit dem Räumen der Straßen kaum hinterher. Das Team ist mit allen verfügbaren Kräften im Dauereinsatz, um zumindest die Hauptverkehrsstraßen zu räumen.Die Nebenstraßen werden soweit es möglich ist geräumt, jedoch bittet die Stadt um Verständnis, dass durch das Räumen auch die Bürgersteige teilweise wieder zugeschoben werden könnten“, heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. In Werther bedient man sich zudem der Unterstützung von Landwirten und Dienstleistern bei der Räumung der Straßen.

Zugausfälle ohne Ersatzverkehre

Im Altkreis haben wegen der Lage nicht nur Busse, sondern auch die Bahnlinie Haller Willem am Montag ihren Dienst eingestellt. Das Unternehmen wies auf seiner Homepage darauf hin, dass auch kein Schienenersatzverkehr (üblicherweise mit Bussen) nicht eingesetzt werden könne.

In Halle hat Bürgermeister Thomas Tappe einen kleinen Krisenstab innerhalb der Verwaltung, in dem neben der Bauhofleitung und dem Gebäudemanagement auch die örtliche Feuerwehr auch das Technische Hilfswerk eingebunden sind. Damit dringende Pflegedienste erledigt werden können, hat die Stadt das THW und die Feuerwehren um Hilfe gebeten, damit Pflegekräfte zu den Patienten kommen können.

Künsebecker Kita wegen meterhoher Schneeverwehung dicht

Alles konnte aber nicht auf einmal organisiert werden. Die städtischen Kitas blieben am Montag geschlossen. Bei der Kita Hochstraße in Künsebeck, wo der Eingangsbereich ein paar Treppenstufen niedriger als das Straßenniveau liegt, hatte sich der Schnee so meterhoch aufgetürmt, dass das Freischaufeln eine längere Aufgabe gewesen wäre. Doch die personellen Kapazitäten waren schon im Räumdienst für die Straßen und Wege gebunden. Sobald die Räumkräfte die Kita Hochstraße wieder nutzbar gemacht haben, werden die Eltern informiert - Eltern sollten die bekannten Kommunikationskanäle nutzen. Aufgrund der weiterhin geltenden Corona-Hygienekonzepte weist die Stadt ausdrücklich darauf hin, dass auch bei den anstehenden Tiefsttemperaturen weiter konsequent gelüftet werden müsse. Eltern sollten ihre Kinder entsprechend ankleiden, hieß es in einer Mitteilung der Stadt. An den städtischen Grundschulen bleibe es auch am Dienstag bei einer stark reduzierten Notbetreuung.

Auch in Halle leisteten Landwirte und andere Dienstleister wertvolle Hilfe beim Räumen insbesondere der Nebenstraßen. Mit Radladern wurden große Schneemassen zum Beispiel auf große Lkw-Kipper der Firma Linker gekippt und dann abgefahren. Die Stadtverwaltung rief die Bürger dazu auf, den Schnee von den Gehwegen nicht auf die Straßen zu schieben, um die Fahrbahnen nicht noch weiter zu verstopfen. Sobald die Schneefälle aufhören, sollen die geräumten Gehwege möglichst mit abstumpfenden Mitteln wie Sand gestreut werden.

Vorerst keine Müllentsorgung

Mit der Müllentsorgung werden sich die Menschen ein paar Tage gedulden müssen. Die GEG, Gesellschaft zur Entsorgung von Abfällen Kreis Gütersloh mbH, geht davon aus, dass nicht nur am Montag sondern auch die nächsten Tage aufgrund der Witterungsverhältnisse im gesamten Kreis Gütersloh keine Abfuhr von Abfallbehältern, gelben Säcken und Sperrmüll erfolgen kann. Die Beschäftigten könnten die Abfallbehälter nicht durch die Schneeberge zum Fahrzeug ziehen.

Die starken Schneefälle wirken sich auch auf den Betrieb der Recyclinghöfe und Entsorgungspunkte der GEG aus. Diese bleiben mindestens am Montag und Dienstag geschlossen. Das Schadstoffmobil macht in dieser Woche ebenfalls Schneepause. Außerdem wird es in der laufenden Woche keine Abholung von alten Elektrogroßgeräten geben. Für die bereits vergebenen Abholtermine werden Ersatztermine vereinbart. Ob es im Wochenverlauf auf den Recyclinghöfen und Entsorgungspunkten weitergehen kann, bleibt abzuwarten.

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