58. Bachtage: Festgottesdienst kommt via Internet ins Haus
Ein virtuos-virtueller Auftakt

Halle (WB) -

»Wir möchten Sie mit dieser Musik dem Blick auf die Zahlen des Robert Koch Instituts entreißen«, sagt Superintendent Walter Hempelmann in seiner Predigt und weist auf die »heilsame Ablenkung« hin, die Bachs Kantate »Jauchzet Gott in allen Landen« auch in Zeiten der Pandemie bieten kann. Als bisher einzige Veranstaltung der 58. Haller Bachtage findet der Festgottesdienst statt – allerdings nur als virtuelle Variante.

Sonntag, 07.02.2021, 21:14 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 21:20 Uhr
Kamera läuft: Foto: Kerstin Panhorst

(WB).

»Für die anderen Konzerte hatte ich es nicht erwogen, da hoffen wir immer noch, dass wir sie nach Ostern nachholen können«, sagt Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert. Er selbst tritt bei dem Gottesdienst als Sänger und Dirigent in Erscheinung. Die Sopranistin Viola Blache und der aus Halle stammende Barocktrompeter Rupprecht Drees werden unter seiner Leitung vom Barockensemble »Le nuove musiche« begleitet. Nach dem Intrade von Johann Joseph Fux erhebt sich die Kamera zur Melodie »Wie schön leuchtet der Morgenstern« in luftige Höhen zur Kirchturmspitze hoch über die Dächer von Halle. Im Gegensatz dazu wirken die Musiker mit Mund-Nasen-Schutz immer noch etwas befremdlich.

»Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir sie brauchen«, mit diesem Zitat von Dietrich Bonhoeffer schlägt Martina Hirsch den Bogen in die Gegenwart, bevor Bachs Kantate jubilierend und lobpreisend Optimismus und Zuversicht zu verbreiten scheint. »Et in ogni tempo«, also »zu jeder Zeit« lautet Bachs handschriftliche Anweisung für eine seiner bekanntesten Kantaten. Die Minimalbesetzung mit kleinem Ensemble und dem faszinierenden Zusammenklang von menschlicher Stimme und Barocktrompete spielt uns laut Hempelmann »unter Corona-Bedingungen in die Karten«.

Er gibt zu, dass auch ihm das Lob im Munde stecken bleibt angesichts der auf Intensivstationen von erschöpften Pflegern und Ärzten behandelten Patienten und mehr als 50.000 Toten. Das Leid vieler Flüchtlinge und das offenbar gesellschaftsfähig gewordene Gedankengut der Nazis bereiten ihm ebenso große Sorgen. Doch auch die Notsituation spiegelt sich nach seiner Ansicht in den Harmonien der Kantate, »Alle Zeit hat er uns beigestanden«, laute der Duktus und »ein schlichtes Lob kann ihm gefallen«.

Das Lob vergesse aber nicht Kreuz und Tod, mitten im Klagelied entsteht laut Hempelmann die Gewissheit, dass Gott etwas anderes will, als uns zu plagen und unser Herz zu betrüben. Die Pandemie sei keineswegs sein pädagogisches Instrument, Gottes Barmherzigkeit habe kein Ende und wirke jeden Morgen neu. »Das Lob hat eine Schwester, und das ist die Freude«, so Hempelmann. In diese Richtung interpretiert er das Duett aus Sopran und Trompete beim finalen Halleluja des als Fuge angelegten fünften Satzes.

»Mit dieser Musik wollen wir ihre Herzen erreichen«, so schließt sich der Kreis zum diesjährigen Motto der Bachtage »Musica Corona – nahe am Herzen«. Neben der Kantate und Bachs abschließenden Konzertsatz, bei dem Rupprecht Drees erneut auf seiner barocken Naturtrompete brillieren kann, runden die Arie »Nur getrost gelassne Seelen!« von Georg Philipp Telemann und »Es ist ein köstlich Ding, dem Herren danken« des evangelischen Kirchenmusikers Hugo Distler (1908 - 1942) den konzertanten Festgottesdienst ab.

Auch wer das Erlebnis am Sonntag um 10 Uhr verpasst hat, kann es jederzeit dem YouTube-Kanal der Kirchengemeinde Halle unter dem Link: www.youtube.com/channel/UCxPbEURinaOvG9uP7fmiMbQ nachholen. Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch noch eine rein musikalische Version veröffentlicht.

Bild und Schnitt für den Gottesdienst übernahm Tobias Lange. Für den Ton zeichnet Gregor van den Boom verantwortlich, Geiger des »Le nuove musiche«.

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