Halle
Schulhof keine Sparversion

Halle -

200.000 Euro, 650.000 oder gar eine Million? Was die Umgestaltung des Schulhofes der Gesamtschule kosten wird, steht in den Sternen. In den vergangen Jahren sind die unterschiedlichsten Zahlen in den Raum geworfen worden.

Freitag, 05.02.2021, 17:04 Uhr
Seit Jahren ist der Zustand des Schulhofes der Gesamtschule Halle ein Diskussionsthema. Die unterschiedlichsten Beträge standen im Raum. Foto: Kerstin Eigendorf

 

Fest steht zumindest, dass Planungsmittel von 25.000 Euro für 2020 sowie 20.000 Euro für 2021 bereits im Haushalt eingeplant sind. Der Schulausschuss debattierte angesichts eines sehr kurzfristigen Antrags von SPD und Grünen am Donnerstagabend über eine Erhöhung der Ansätze für 2022 und 2023. Die Verwaltung schlug für die beiden Jahre insgesamt 200.000 Euro vor, Rot und Grün plädierten für 300.000 Euro.

Schon vor Beginn der Sitzung erläuterte die Verwaltung ihre Sichtweise. „Die Planungen mit einer vielfältigen Beteiligung der Schulgemeinde sind aufgrund der Corona-Pandemie nicht wie geplant durchgeführt worden“, schreibt Fachbereichsleiterin Regina Bresser. Es liege also noch kein Vorentwurf vor. „Die seitens der Verwaltung eingestellten Beträge sind Platzhalter“, betonte sie. Zudem sei geplant, Fördermittel für so genannte „Coole Schulhöfe“ zu beantragen.

Christian Wieda (Grüne) erinnerte an die lange Geschichte der Debatte um die Schulhofumgestaltung und die „unglückliche Situation im vergangenen Jahr, bei der ein unnötig hoher Haushaltsansatz genannt wurde“. Damit spielte er auf die Zahl eine Million an, die die frühere Haller Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann (SPD) in den Raum geworfen hatte. Ihr Nachfolger Thomas Tappe sprach von einem „Platzhalter, der meiner Meinung nach zu groß geraten ist und bei dem mehr der Wunsch der Vater des Gedanken war“. Er appellierte angesichts der Haushaltslage dafür, die Kosten im Blick zu behalten. Gleichzeitig betonte er: „Es soll hier keine Sparversion eines Schulhofs entstehen.“

SPD und Grüne begründeten ihren Vorschlag, 100.000 Euro mehr in den Haushalt einzustellen damit, dass „es sinnvoll ist, jetzt etwas mehr Geld einzuplanen als die 200.000 Euro, um nachher nicht finanziell nachbessern zu müssen“. Die CDU hielt dagegen, dass keine Erhöhung nötig sei zum jetzigen Zeitpunkt. „Erstmal sollten wir abwarten, was für Synergien sich mit dem geplanten Skatepark ergeben“, betont Elke Rosenthal. Und Hendrik Schaefer ergänzte: „Man muss nicht ohne Not mehr Geld in den Haushalt einstellen.“

Beim Stichwort Skatepark machte Gesamtschulleiterin Almuth Burkhardt-Bader ihrem Erstaunen Luft: „Dieses Argument hat mich überrascht. Die Nutzung des Skateparks ist sicherlich für Projekte sinnvoll, aber nicht für die Pausen.“ So ein großes Areal, das nicht Schulgelände sei, müsse schließlich auch beaufsichtigt werden. Alles andere bringe eine Gefahr mit sich. Das wiederum überraschte viele Lokalpolitiker, die zumeist davon ausgegangen waren, dass der Skatepark mit seiner hohen Aufenthaltsqualität selbstverständlich ein „erweiterter Freizeitbereich für die Schule“ sein solle.

Am Ende stimmten Grüne, SPD und UWG dafür, 100.000 Euro mehr – 50.000 Euro für 2022 und 50.000 Euro für 2023 – einzuplanen, die CDU dagegen.

 

Kommentar:

Kämmerer möchten die wenigsten Bürger momentan sein. Wenig Fakten, viele Fragezeichen. Auch das bringt Corona mit sich. Das macht Lokalpolitik zu einem Flirt mit der Glaskugel.

Es ist schwer zu vermitteln, warum die Spannweite für ein Projekt wie der Schulhof zwischen 200.000 und einer Millionen Euro variiert. Solche Zahlenspiele sorgen nicht für mehr Vertrauen in Politik. Wenn es schon an Planungsgrundlagen fehlt, sollte zumindest eine Frage das Handeln bestimmen: Was ist uns das Projekt wert? Denn die Antwort auf diese Frage sollte ein Planungsbüro kennen, bevor es loslegt. Kerstin Eigendorf

 

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