58. Haller Bach-Tage: Festgottesdienst mit Bach-Kantate ist in der St. Johanniskirche aufgezeichnet worden – ab 7. Februar abrufbar
Trotzdem Grund zum Jauchzen

Halle -

Auf ein großes Event der 58. Haller Bach-Tage darf man sich schon jetzt freuen: den musikalischen Festgottesdienst samt Kantate. Vom 7. Februar an ist er online zu erleben.

Dienstag, 02.02.2021, 18:18 Uhr
Der Konzertteil mit dem Barockensemble „Le nuove musiche“ und den Solisten wurde jetzt in der Haller St. Johanniskirche aufgezeichnet, ebenso Predigt und Liturgie. Fünf Kameras sind in der Kirche montiert. Foto: Kerstin Panhorst

„Das werden die längsten Haller Bach-Tage, die wir je hatten“, mutmaßt Kirchenmusikdirektor Friedemann Engelbert augenzwinkernd, und Frank Hofen vom Marketingteam sagt: „So etwas hat es in der 58-jährigen Geschichte der Bach-Tage noch nicht gegeben.“

Was beide meinen: Coronabedingt wird die Traditionsreihe in diesem Jahr gesplittet: Mehrere der Konzerte und weiteren Veranstaltungen sind voller Hoffnung auf den Zeitraum zwischen April und Juni verlegt worden. Doch den Festgottesdienst mit der Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, den können Musikfreunde bereits vom kommenden Sonntag, 7. Februar, genießen – als digitale Variante, die jetzt in der St. Johanniskirche aufgezeichnet worden ist. Abrufbar ist sie ab 10 Uhr auf dem Youtube-Kanal der Evangelischen Kirchengemeinde Halle. Zu einem späteren Zeitpunkt soll noch eine rein musikalische Version veröffentlicht werden.

Trotz der Einschränkungen: Alle Beteiligten sind glücklich, zumindest diese Online-Möglichkeit nutzen zu können und im eigentlich dafür gewohnten Februar wenigstens schon ein Stück Bach-Tage in die Wohnzimmer bringen zu können. „Auch wenn sich eine Live-Atmosphäre natürlich nie ganz ersetzen lässt“, weiß Friedemann Engelbert. Am vergangenen Sonntag ist der musikalische Part in der St. Johanniskirche aufgezeichnet worden, am Montag die Liturgie mit Martina Hirsch (Leiterin der Johanniskantorei) als Lektorin und die Predigt von Superintendent Walter Hempelmann.

Fünfstündiger Kraftakt

Vor allem am Sonntag ein fünfstündiger Kraftakt, mit Abstand, Masken und einem gewissen Zeitdruck, berichtet der Kirchenmusikdirektor. „Den Gottesdienst hätten wir wie schon in den vergangenen Wochen ohnehin für youtube aufgezeichnet. Da lag es nahe, jetzt auch das musikalische Programm mit einzubauen“, erklärt Superintendent Walter Hempelmann die Überlegungen vorab. Mit dabei sind die in Deutschland geborene, in Amsterdam lebende Sopranistin Viola Blache, der aus Halle stammende Barocktrompeter Rupprecht Drees – beides international gefragte Solisten – und das Barockensemble „Le nuove musiche“ mit Streichern und Orgel unter Friedemann Engelberts Leitung. „Ich habe mir schon im Herbst gedacht, dass eine volle Chorbesetzung zahlenmäßig noch nicht erlaubt sein wird, daher haben wir uns für die Solo-Kantate entschieden“, sagt er. Bild und Schnitt hat Tobias Lange übernommen, der auch zu Weihnachten schon die Festgottesdienste in Online-Formate übertrug. Für den Ton des konzertanten Teils zeichnet Gregor van den Boom verantwortlich, der im Ensemble „Le nuove musiche“ die Geige spielt.

Das „prall mit Musik gefüllte Programm“, so Engelbert, wird samt Predigt gut eine Stunde dauern. Virtuos sei die Kantate, mit schnellen Sopran-Passagen. Etwas in sich gekehrter sei eine Arie von Georg Philipp Telemann mit Cello. Auch ein Konzertsatz von Bach für Trompete und Orchester steht auf dem Programm.

„Therapeutische Funktion der Musik“

Fanfarenhaft ende die Kantate mit dem „Halleluja“: „Ein Impuls, die Menschen mitzunehmen, zu symbolisieren: Gott steht uns bei“, erklärt Walter Hempelmann. Genau wie Johann Sebastian Bach in seinen Kantaten theologische Aussagen mit musikalischen Harmonien verwebt, setzt auch er die Kantate mit einer christlichen Aussage in Verbindung. Da fast alle 300 Bach-Kantaten für besondere Gottesdienste komponiert wurden, trägt „Jauchzet Gott in allen Landen“ die Überschrift „Zu jeder Zeit“. „Da fragt man sich schon, ob das wirklich passt. Gibt es derzeit nicht mehr Grund zur Klage als Gründe zum Jauchzen, angesichts der mehr als 50.000 Toten durch Covid-19, der Situation der Flüchtlinge und weiterer Belastungen?“, fragt sich Hempelmann. Er betont aber auch die „therapeutische Funktion der Musik“ und sieht den Gottesdienst als „heilsame Ablenkung von den Zahlen des Robert-Koch-Institutes“.

Und weil eben kein „Klingelbeutel“ umher gehen kann, freut sich die Kantorei über eine Spende für die Arbeit der Johanniskantorei, die wie folgt überwiesen werden kann: IBAN: DE72 4806 2051 0181 5041 00, Verwendungszweck: Johanniskantorei.

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