„Wie es euch gefällt“: Künstler bearbeiten Shakespeare-Stück im Gemeindehaus Bokel
Theater Korona probt komödiantisches Verwirrspiel

Halle-Bokel -

Zwei Schauspieler, die in Halle/Westfalen und Leipzig zwei eigene kleine Theater betreiben, haben sich für besondere Projekte bereits 2017 zum Theater Korona zusammen geschlossen. Jetzt proben Ralf Kiekhöfer und Frank Schenke die umgearbeitete Shakespeare-Komödie „Wie es euch gefällt“, unterstützt von einigen Helfern, im Gemeindehaus in Bokel,

Montag, 01.02.2021, 05:39 Uhr
Frau Rosalinde, wird Mann, um ihrer großen Liebe als Frau beizubringen, was Liebe ist, dabei waren zu Shakespeares Zeiten alle Schauspieler Männer - ein großes Verwirrspiel beginnt, in der Mitte Frank Schenke. Foto: Eische Loose

Wie schon so oft führt das Corona-Virus zu neuen Möglichkeiten und Bedürfnissen. Dr. Joachim Boidol vom Betreiberverein sah sich einem geschlossenen Gemeindehaus in Bokel gegenüber; das Theater Korona einem neuen Stück. Jetzt beglücken die Theater das Haus in Bokel mit einem starken Stück Kultur, nämlich Shakespeares Komödie »Wie es euch gefällt«.

Am wichtigsten für die beiden Theatermacher aus Halle und Leipzig ist der Ort. Als Ralf Kiekhöfer aus Halle, der sonst mit seinem Töfte-Theater durchs Land zieht, und Dr. Joachim Boidol vom Heimatverein Bokel-Tatenhausen sich zufällig trafen, war es schnell klar. Das Gemeindehaus soll mit Kultur wieder öffnen - auch wenn noch keiner genau weiß, wann das geschehen kann. »Wir müssen einfach wieder Leben im Haus haben, wahrscheinlich im Mai wird das gelingen«, sagt Dr. Joachim Boidol. Das pandemiebedingte Verbot von Veranstaltungen und Versammlungen trifft natürlich auch das Gemeindehaus als geräumigen Mittelpunkt von Bokel mit schöner Außenanlage.

Schwere Zeiten für die Solokünstler

Für Boidol, den Heimatverein und auch für die Schauspieler war »draußen« daher eine Option. Ralf Kiekhöfer aus Halle und Frank Schenke aus Leipzig (Theater Fingerhut) arbeiteten ihre Stücke so um, dass sie auch im Freien gespielt werden können. Mit der Aussicht auf Sommer am Ende des ersten Lockdown, war das kein Problem. Beide mussten sich zwar sehr anstrengen, kamen aber über die Runden. Doch über die monatelange Strecke stellt sich die Pandemie als Katastrophe dar. In normalen Jahren haben die Künstler 40 bis 50 Auftritte im Jahr. Davon konnte kaum etwas realisiert werden. Und für 2021 sind Veranstaltungen ebenfalls wieder abgesagt,

Dennoch zeigen sich beide Künstler, die sich schon drei Jahre vor der Pandemie zum neugegründeten Theater Korona zusammen fanden, beim Pressegespräch gut gelaunt. »Man muss eben flexibel sein«, zuckt Frank Schenke die Schultern. Der Leipziger kennt den Haller schon lange und inszenierte mit ihm zusammen schon 2017 das Stück »Die Vermessung der Welt«. »Insgesamt haben wir das sicher über 70 Mal gespielt«, berichtet Ralf Kiekhöfer. Für ihn kommt Nichtstun ebenfalls nicht in Frage, dafür macht er auch schon mal Abstriche bei den Konditionen.

Shakespeare mit Handpuppen und Schattenspiel

Im vergangenen Jahr haben sie sich gemeinsam an ein Shakespeare-Stück gewagt. »Wie es euch gefällt« haben sie leicht angepasst und mit verschiedenen Figuren bestückt. Klappmaulpuppen, Handpuppen und sogar ein Schattenspiel haben sie integriert. Zudem wurden die Verse der Komödie, die stark mit Rollenbildern von Mann und Frau spielt, eingekürzt und mit Beatles-Liedern unterlegt.

»Die singen wir auch selber«, sagt Ralf Kiekhöfer, wobei ein Cellist Unterstützung leistet. Die Schauspieler wechseln nicht nur die Puppen und Geschlechter, sondern treten auch selbst als Menschen im Stück auf. Und wegen der Veränderungen haben die Schauspieler das Stück »Shakespeare! Macht! Liebe!« genannt.

Von der Situation unerschrocken proben die beiden das Stück, das im übrigen auch aus verschiedenen Fördertöpfen unterstützt wird: vom Fonds Darstellende Künste der Bundesregierung, vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und vom Figurentheaterzentrum Osnabrück „Alte Fuhrhalterei“.

Unterstützer kommen aus Erfurt, Leipzig, Dresden und Osnabrück

Dabei steht das Projekt auch unter Druck. Denn die Zeit der Helfer und Unterstützer, des Regisseurs Harald Richter aus Erfurt, des Cellisten Christoph Schenker aus Leipzig, des Figurenbauers Matthias Hänsel aus Dresden und Christiane Weidringer aus Erfurt, die Szene und Kostüme lieferte, ist begrenzt. Darum proben die Schauspieler seit zwei Wochen besonders intensiv. Die Geschichte der Liebespaare und Königshäuser, die Verwechslungen und Zerrspiegelein, das Hin und Her entfalten sich dabei zwischen Historie und Modernität.

Dieses bearbeitete Shakespeare-Stück ist auch eine der ersten Veranstaltungsaufgaben für Halles neu konzipiertes Kulturbüro, das in die drei Bereiche Kultur, Tourismus und Stadtmarketing aufgeteilt wurde. Für das Theater, das ursprünglich mit Premiere am 5. Februar in der Remise geplant war, ist nun Jana Wieking im Rathaus verantwortlich. Wenn die Proben am Freitag vorüber sind, gilt es einen neuen Termin für die richtige Premiere zu finden. Zunächst in Bokel, dann auch anderswo.

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