VHS-Leiter Hartmut Heinze in Halle muss fast täglich umdisponieren
Shutdown sorgt für Semesterfehlstart

Altkreis Halle -

Die Zielgerade seiner beruflichen Laufbahn als Leiter der Volkshochschule Ravensberg hat sich Hartmut Heinze ganz anders vorgestellt. Anstelle eines lockeren mit viel Applaus bedachten Auslaufens – Ende Februar beginnt sein Ruhestand - muss er auf den letzten Metern hohe Hürden überwinden und mit unabsehbaren Hindernissen kämpfen, die ihm das Coronavirus in den Weg legt.

Sonntag, 10.01.2021, 18:05 Uhr aktualisiert: 10.01.2021, 18:08 Uhr
Vertagt: die Vortragsreihe „Länder und Menschen“. Die VHS muss derzeit selbst immer wieder Berge erklimmen und das Programm an sich immer wieder ändernde Coroverordnungen anpassen. Foto: Ulrich Fälker

 

Da fällt es schwer, mit Optimismus und Zuversicht neue Horizonte zu erschließen, wie es der Titel des aktuellen Programmbuches nahelegt. »Schweren Herzens haben wir uns entschlossen, die Vortragsreihe „Länder und Menschen“ komplett ins kommende Jahr zu verlegen«, sagt Hartmut Heinze über den Klassiker, der sich in den vergangenen 40 Jahren zu einem Veranstaltungsrenner mit stets hohen Besucherzahlen entwickelt hat. Gleiches gilt für das Versmolder Pendant »Reisewelten«.

Nach Heinzes Angaben benötigen die hochkarätigen Veranstaltungen mit einer Auswahl der besten und interessantesten Abenteurer aus dem deutschsprachigen Raum eine Vorlaufzeit von einem Jahr. Irgendwann müsste man mit der Werbung beginnen, es gebe aber gegenwärtig keine seriöse Grundlage für eine sichere Planung. Das ist auch ein Grund dafür, dass das gerade erschienene Programmbuch bereits zu Semesterbeginn nicht mehr auf dem aktuellsten Stand ist.

Anfang 2020 wurde noch erwogen, als Schwerpunktthema »Die Welt aus den Fugen« zu wählen. Die Corona-Realität hat dann aber alles bisher Bekannte in den Schatten gestellt und sich als größte Herausforderung in der mehr als 40-jährigen VHS-Geschichte erwiesen. Im Zuge der Pandemie wurde auch deutlich, wie groß der Wunsch nach einem gedruckten Programmbuch ist. Für die konkrete Suche nach Kursangeboten leistet die Webseite gute Dienste, beim entspannten Durchblättern des Programms kann man sich dagegen von neuen Impulsen inspirieren lassen oder auf überraschende Vorschläge stoßen.

Etwas dünner als gewohnt ist das neue Programm, an Kochkurse und Sportangebote ist derzeit nicht zu denken. Dazu fehlen oft genaue Termine und Angaben zu Räumen. »Die Situation ist seit mittlerweile einem Jahr sehr schwierig, wir warten händeringend auf eine Zeit, in der wir wieder halbwegs sicher planen können«, betont Hartmut Heinze.

Die Vorgaben von Bund und Land können unter Umständen je nach Infektionsgeschehen auf Kreis- oder kommunaler Ebene nochmals verschärft werden. Oft bestehe tagelang Ungewissheit über die geforderten Hygienekonzepte, Gruppengrößen und zur Verfügung stehende Räumlichkeiten.

Auch für die in vielen Fällen als Soloselbstständige arbeitenden Kursleiter stellt sich die Situation als belastend bis hin zu existenzbedrohend dar. »Wo wir können, leisten wir Unterstützung in Bezug auf staatliche Hilfsprogramme«, sagt Heinze. Diese seien aber in aller Regel nicht so ohne weiteres umsetzbar oder nicht auf jeden anzuwenden. Am Beispiel von Jörg Militzer, der regelmäßig Tagesfahrten und Betriebsbesichtigungen – etwa bei Airbus in Hamburg oder am Flughafen Düsseldorf – anbietet, wird deutlich, welche Kreise die Krise zieht, wenn die Unternehmen keine Termine nennen können.

Bis Ende Januar läuft bei der VHS gar nichts. Weil viele Ämter und Geschäfte geschlossen sind, gerät auch die Verteilung der Programmbücher ins Stocken. »Dafür haben wir noch keine Lösung gefunden«, gibt Hartmut Heinze zu. Normalerweise gebe es in jedem Ort zwischen 20 und 30 Stellen, an denen das in einer Auflage von 8.000 Exemplaren erschienene Programm ausliegt. Derzeit stapeln sie sich noch in der VHS-Geschäftsstelle, die im Übrigen für den Publikumsverkehr geschlossen ist.

Eine Anmeldung zu den Kursen ist dennoch möglich. Hartmut Heinze empfiehlt die Online-Variante, nur in Ausnahmefällen gehe es auch per Telefon, weil viele Mitarbeiter im Homeoffice tätig sind. Falls Kurse nicht stattfinden können oder abgebrochen werden müssen, werden die Gebühren selbstverständlich erstattet, versichert der VHS-Leiter.

Durch die Auswirkungen der Pandemie sieht er eine ganz spezielle Nutzergruppe doppelt bestraft. Die Teilnehmer an Integrations- und Deutschkursen können derzeit weder die Sprache erlernen noch deren Anwendung im täglichen Leben ausprobieren. Es ist zu befürchten, dass sie nach monatelanger Unterbrechung wieder bei Null anfangen müssen. Dadurch können in Bezug auf persönliche Entwicklung und berufliche Perspektiven erhebliche soziale Nachteile entstehen. Dazu brechen vielen Dozenten in diesem Bereich lebensnotwendige Einnahmen für ihren zeitintensiven Einsatz weg.

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