TWO-Geschäftsführer Johannes Wiese spricht über Perspektiven für den Haller Versorger
Wärmeinseln nutzen dem Klima und dem TWO-Geschäft

Halle -

Alle reden über Klimaschutz und damit gewinnt die Arbeit der TWO auch politisch an Bedeutung. Johannes Wiese, Geschäftsführer der zu 100 Prozent im städtischen Besitz befindlichen Technischen Werke Osning GmbH, hat dabei klare Vorstellungen, wie das kommunale Unternehmen mehr für den Klimaschutz tun kann und dabei zugleich geschäftlich erfolgreich agieren kann

Freitag, 04.12.2020, 15:54 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 17:27 Uhr
TWO-Geschäftsführer Johannes Wiese vor einer technischen Demonstrationsanlage in der TWO-Kundenhalle. Foto: Stefan Küppers

Über den optimalen Klimaschutz bei Neubauten ist zuletzt intensiv im Zusammenhang mit der neugeplanten Grundschule Gartnisch diskutiert worden. Den viel größeren Hebel, um möglichst wirksame Effekte beim Klimaschutz zu erzielen, sieht Wiese jedoch bei der Wärmeversorgung und Wärmedämmung im Altbaubestand. Die Angebote, die er derzeit von örtlichen Unternehmern auf dem Tisch liegen hat, erkennt Wiese als eine interessante Möglichkeit, um die TWO als Wärmeversorger über die reine Belieferung mit Gas hinaus noch stärker zu entwickeln.

TWO sind drei autarke Wärmeversorgungsnetze angeboten worden, die wachsen können

Der TWO sind nämlich drei sogenannte Arealnetze in Halle angeboten worden, die jeweils eine Vielzahl von Häusern und Wohnungen aus einer autarken Heizzentrale mit Blockheizkraftwerken versorgen. Betroffen sind Arealnetze rund um die Haller Herz-Apotheke an der Gartenstraße, rund um den Aldi am Künsebecker Weg sowie ein Siedlungsbereich am unteren Maschweg (Höhe Hökers Wiesen), an denen jeweils bis zu 65 Objekte bereits angeschlossen sind. Wenn die TWO diese Netze übernimmt und zugleich für den Anschluss weiterer Neu- oder Altbauprojekte mit Wärmelieferungsvertrag ausbaut, kann dies nach Auffassung von Johannes Wiese zu einem klimafreundlichen und auch wirtschaftlich attraktiven Geschäft für viele Seiten werden.

Viele Neu- und auch Altbauten können ans neue Wärmenetz angeschlossen werden

Diese Wärmeinseln seien Projekte für die nächsten zehn bis 15 Jahre, bei denen auch regenerative Energien (z.B. Holzhackschnitzel) ausgebaut werden könnten. „Es sind bereits Gespräche mit mehreren Interessenten geführt worden, die sich an solchen Projekten beteiligen wollen“, verrät Wiese und sieht Potenziale beispielsweise in den Neubauarealen Masch und „rechte Haller Herzkammer“ sowie in vielen angrenzenden Altbauten. So sei von der Heizzentrale in der Gartenstraße aus auch eine Wärmeversorgung der Altbauten rund um den Kirchplatz vorstellbar, denkt Wiese voraus. Es wären Millionen-Investitionen. „Aber wenn wir das Geschäft als TWO auf unserem Marktplatz in Halle nicht machen, werden es andere tun. Denn die Kunden, die noch eine Ölheizung haben, werden auf Sicht ohnehin etwas tun müssen“, fügt er hinzu.

Der Perspektive auf lange Sicht dienen auch die aktuellen TWO-Aktivitäten in Sachen Trinkwasserversorgung. Wie kurz berichtet, soll im Haller Süden im Bereich Hachhowe (Nähe Entsorgungspunkt) ein neuer Trinkwasserbrunnen gebaut werden. Andere Brunnen werden regeneriert, was deren Lebensdauer verlängert. „Der Wasserbedarf steigt kontinuierlich“, stellt Johannes Wiese fest und will die TWO darauf gut vorbereitet wissen. Für dieses Jahr rechnet Wiese mit einem Gesamtverbrauch von knapp 1,4 Millionen Kubikmeter. Nach den gültigen Wasserrechten dürfen die TWO bis zu 1,7 Mio. Kubikmeter fördern.

TWO sucht neue Wasserfördergebiete, um wachsendem Bedarf gerecht zu werden

Um der Versorgungspflicht nachzukommen und die tatsächlichen Bedarfe durch neue Bau- und Gewerbegebiete sicher abdecken zu können, laufen bei den TWO Überlegungen ein neues Wasserschutzgebiet in Richtung Hesseln zu erschließen. Dazu bedarf es in einem längeren Prozess genauerer hydrogeologischer Untersuchungen. Grundsätzlich aber, so betont Wiese auch vor dem Hintergrund der Wasserförderungs-Debatten rund um die Storck-Erweiterung, verfüge Halle trotz zuletzt trockener Sommer über gute und ausreichende Wasservorkommen. Die Vorräte sind sogar so gut, dass Halle weiterhin in der Lage ist, das benachbarte Borgholzhausen mit bis zu 300 Kubikmeter Frischwasser täglich zu versorgen. Wie berichtet, waren im vergangenen Sommer plötzlich erhebliche Verknappungen beim Trinkwasser in Borgholzhausen aufgetreten, sodass die kommunalen Nachbarn als Versorgungshelfer gefragt waren. Mittlerweile aber scheint Borgholzhausen seine zwischenzeitlichen Probleme in den Griff zu bekommen.

Im Wasserwerk der TWO werden die Zuleitungen gesteuert und überprüft.

Im Wasserwerk der TWO werden die Zuleitungen gesteuert und überprüft. Foto: Thorsten Ulonska

Im Zusammenhang mit der Klima-Debatte will TWO-Geschäftsführer Wiese den Gedanken, dass mehr Wasser durch Bürger eingespart werden soll, in einem Förderprogramm aufgreifen. Insbesondere die Idee, durch Fördergelder den Bau von neuen Zisternen für die Regenwassernutzung auf Grundstücken zu unterstützen, hält er für einen vielversprechenden Gedanken.

TWO-Lindenbad hat im Corona-Jahr nur noch die Hälfte der Besucher

Die Lindenbad-Bilanz in diesem Jahr wird durch Corona und die dadurch bedingten Badschließungen verhagelt. Statt 95.000 Besucher, was normal wäre, wird es dieses Jahr wohl nur 45.000 Besucher geben, informiert Wiese. Immerhin könne die TWO fürs Lindenbad auf die November- und Dezember-Hilfen der Bundesregierung zurückgreifen, so Wiese. Das jährliche Defizit, das in einem normalen Jahr bei etwa 800.000 Euro liege, werde wohl wegen geringerer Kosten nur geringfügig ansteigen, vermutet Wiese. Ein neues kleines Freibad am Lindenbad nach Borgholzhausener Vorbild, wie es in der politischen Diskussion ist, würde Wiese zufolge das alljährliche Defizit um ungefähr 250.000 bis 300.000 Euro anwachsen lassen.

Rechtsstreit um Biogas: TWO rechnet mit eigener Schadenersatzahlung in Millionenhöhe

In der juristischen Auseinandersetzung um Schadenersatzleistungen an die Stadtwerke Bremen (SWB) richten sich die TWO schon auf eine Millionen-Zahlung ein. Bislang hatte der Haller Versorger eine runde Million Euro als Rücklage für eine eventuelle Zahlungspflicht in seine Bilanz eingestellt. Mittlerweile ist dieser Rückstellungsbetrag durch weitere 50.000 Euro jedes Jahr für mögliche Zinszahlungen aufgestockt worden, wie TWO-Geschäftsführer Johannes Wiese informiert.

Lindenbad mit Lehrschwimmbecken

Lindenbad mit Lehrschwimmbecken Foto: TWO

Die SWB, die vor Jahren die im industriellen Maßstab betriebene Biogas-Anlage an der Industriestraße (oberhalb vom Landhotel Buchenkrug) übernommen haben, klagen gegen die TWO, weil diese sich über Jahre geweigert hatte, das dort produzierte Biogas in das TWO-Netz einzuspeisen. Grund waren in erster Linie technische Bedenken.

Anfangs hatten die SWB laut Wiese einen Schadenersatz von 5,5 Millionen Euro für nicht abgenommene Gaslieferungen über einen Zeitraum von vier Jahre aufgerufen. Vom Oberlandesgericht Düsseldorf ist der Schadenersatzanspruch dem Grunde nach anerkannt worden, auch wenn das Gericht keinen Missbrauch seitens der TWO festgestellt habe, wie Wiese betont. Gleichzeitig habe das Gericht den schadenersatzpflichtigen Zeitraum auf zwei Jahre begrenzt, wogegen die TWO aber nochmals Beschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt habe. Der BGH lehnte allerdings die Behandlung des Falles ab, sodass jetzt nur noch die Klärung der tatsächlichen Schadenersatzhöhe aussteht. Wiese glaubt aber, dass die Forderungen der SWB weiterhin völlig überhöht sind. Darum habe man nur eine Million Euro zurückgestellt. Wiese: „Maximal werden es 1,5 Millionen. Aber das war es dann auch.“ Ärgerlich sei eine solche Zahlung dann aber trotzdem, räumt er ein.

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