Durch das Corona-Virus droht in Pflegeheimen größere Einsamkeit
„Infektionsschutz torpediert Altenarbeit“

Halle/Steinhagen -

Allen Corona-Risiken zum Trotz halten das Haus Eggeblick und das Marienheim in Halle ihre Türen für Gäste offen. Den gesetzlichen Vorgaben entsprechend allerdings für maximal zwei Besucher gleichzeitig im Zimmer eines Bewohners. „Der Infektionsschutz torpediert alle Ziele der Altenarbeit“, verweist Dr. Bodo de Vries auf die Gefahren von Isolation und Einsamkeit. „Trotz Kittel und Maske ist und bleibt Pflege eine körpernahe Tätigkeit. Das geht jetzt nur mit einem hohen Maß an Selbstverantwortung“, sagt der stellvertretende Vorsitzende und Vize-Geschäftsführer des Evangelischen Johanneswerks, zu dem das Haller Haus Eggeblick zählt, im Hinblick auf die Arbeitsbelastung und das Engagement der Mitarbeiter. Dort leben derzeit 102 pflegebedürftige alte Menschen in 64 Einzel- und 17 Doppelzimmern.

Mittwoch, 02.12.2020, 18:26 Uhr
Kerstin Büteröwe und Rosemarie Sieckendiek (rechts) an der schönen, alten Krippe Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

 

Zu Zeiten des Besuchsverbots während des Gütersloher Lockdowns habe man gesehen, dass viele Bewohner stärker als zuvor räumlich und zeitlich desorientiert gewesen seien, trotz Kontakten über Briefe per Tablets und Videotelefonie. Deshalb setze man angesichts des Infektionsrisikos jetzt auf Schnelltests für Angehörige und Bewohner. Dr. de Vries: „Die Ehefrau eines 85-jähriger Bewohners lebt doch eigentlich auch mit uns zusammen“. Mitarbeiter werden getestet, wenn sie Symptome haben.

Angesichts der angespannten Situation und der großen Belastung für die Pflegekräfte freut sich Dr. de Vries, dass derzeit nur drei von 37 JohanneswerkEinrichtungen Covid-19-Kranke im Haus haben. Betroffen seien weder das Haus Eggeblick noch das Matthias-Claudius.Haus in Steinhagen. „Das profitiert derzeit durch die wegen des Umbaus von 120 auf nur 77 reduzierte Bewohnerzahl“.

Jeder Gast, jeder Therapeut, der ins Haus kommt, wird registriert und seine Körpertemperatur wird gemessen. Neben dem Kurz-Screening gibt es den wöchentlichen Antigentest. Dafür ist im Marienheim, wo die 55 Bewohner ausschließlich in Einzelzimmern leben, jetzt täglich während der Öffnungszeiten die Pforte besetzt. „Wir haben glücklicherweise hier die kurzen Wege direkt zum Bewohner“, sagt Hausleiterin Kerstin Büteröwe, die die angehörigen durchaus in der Verpflichtung sieht, das Virus nicht ins Haus zu tragen. „Ich hoffe, dass es nicht wieder zu Besuchszeiten hinter einer Glasscheibe kommt“. Weil derzeit viele besorgte Ehrenamtler nicht ins Haus kommen, hat sie Unterstützung durch „Die Schmücker“ geholt. Im Advent 2020 lebt im Marienheim also Alt-Weihnachten wieder auf: traditioneller Schmuck, wie die Bewohner ihn aus ihren Jugendttagen kennen. Nikolaus, Punsch und themenbezogene Adventssonntage sind geplant. Und natürlich ist wieder die schöne Krippe aufgebaut.

Im Haus Eggeblick bemühen sich die Mitarbeiter sogar neun Stunden täglich, den Kontakt mit Angehörigen zu ermöglichen. Auch dort bemüht man sich, mit schön hergerichteten Wohnbereichen, Pickert- und Plätzchenback-Aktionen um eine festliche Stimmung, wie Marion Westerbarkei sagt. „Ich hoffe, dass die Familien Verständnis dafür haben, dass auch an Weihnachtstagen maximal zwei Besucher gleichzeitig den Angehörigen in seinem Zimmer besuchen dürfen“.

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