Amprion und EuropTen gehen vor dem Austausch der Stromleitungen auf Nummer Sicher
Gut gerüstet für einen Absturz

Halle -

Dies Projekt ist im wahrsten Sinne des Wortes eines für Höchstspannung. Aber wenn die Firma EuropTen für Amprion am „Südkreuz“ in Halle die neuen 380 kV-Stromleitungen auf die Mammut-Masten zieht, hat ein heimisches Unternehmen das Netz für die Sicherheit schon gespannt. Ein Großauftrag für den Steinhagener Meisterbetrieb Arwika Gerüstbau.

Donnerstag, 05.11.2020, 17:56 Uhr
Jan-Philip Schacht ist einer der Gerüstbauer, die derzeit am Kreisverkehr am Südkreuz herumturnen.

 

Mit einer gewissen Anspannung schaut auch Seniorchef Willi Kasdorf (57) auf Sonntag, 15. November. Denn der Landesbetrieb Straßen wird an diesem Vormittag zumindest die Autobahnabfahrt Alleestraße sperren, wenn die „Seile gezogen werden“. Seit ca. drei Monaten sichern Arwika-Gerüste schon die Arbeiten an den Strom-Riesen im Altkreis Halle ab, sagt der Tischler- und Gerüstbaumeister. Doch die Dimension im Haller Süden, wo die Leitungen über Autobahn, Westumgehung und Alleestraße geführt werden, ist gewaltig. 6000 Quadratmeter Gerüst werden aufgebaut, bis zu zehn Meter hoch. Ein gewaltiger Aufwand, damit man dort die bis zu 30 Meter breiten, und 60 Meter langen Fangnetze spannen kann. Sie sollen im Falle eines Falles verhindern, dass Stromkabel auf den Verkehr abstürzen.

„Wir haben ja schon einiges gemacht“, verweist Willi Kasdorf auf die Arbeit für große Bau- und Industriekunden wie Goldbeck, Hörmann, Gestamp. Aber dies Projekt sei „noch ein Tacken mehr“. Nicht nur die Kalkulation der Materialmenge muss stimmen und das Wetter. Auch Corona darf dem engen Zeitplan nicht in den Weg kommen. Willi Kasdorf: „Wenn bei uns zwei Leute ausfallen, ist Armageddon“.

65 bis 70 Tonnen Stahl verbaut das Team um Juniorchef André Kasdorf, der übrigens als Landesvorsitzender der Innung die Interessen der Gerüstbauer vertritt und sich zudem bei der Handwerkskammer Dortmund auf der alten Zeche Hansemann um die Ausbildung des beruflichen Nachwuchses kümmert. Bis zu zehn Mann stark ist die Steinhagener Mannschaft in den gelben Signalwesten, die derzeit das Modulsystem rund ums „Südkreuz“ aufbaut. Schwindelfrei müssen die Männer sein, die auf dem Gerüst herumturnen. Auf Unterlegern auf dem gewachsenen Boden verlegen sie Füße mit Anfängern, setzen vier Meter lange Stiele auf, verbinden sie mit Riegeln und Diagonalen, um die Lasten zu verteilen. Das ist nicht nur ein logistischer Kraftakt.

Willi Kasdorf: „Das hat mit normalen Fassadengerüsten, wie wir sie oft aufbauen, nichts mehr zu tun.“ Das Dortmunder Statikbüro Tomshöfer hat berechnet, was für alle Eventualitäten und Windlasten benötigt wird. 120 Tonnen Ballaststeine, jeder 1,2 Tonnen schwer, sind angeliefert worden. Wo kein Ballast gesetzt werden kann, dreht man 1,80 Meter lange Erdnägel in den Boden. Dann erst können die Stahlseile für die Gerüste gespannt werden und die Spezialseile, mit denen die Fangnetze aufgenommen werden.

Am „Südkreuz“ müssen die Arwika-Leute zudem einen Tunnel für die Fahrradfahrer über den Parkplatz bauen, Und einige Brücken, damit die Leute von EuropTen die Leitungen ziehen können. Für den Bau einer zwölfeinhalb Meter breiten Gerüstbrücke über die Alleestraße rückt demnächst sogar ein großer Jandt-Kran an.

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