Lockdown trifft viele Haller Unternehmen hart
„Ein Tanz auf der Rasierklinge“

Halle -

Es ist der dritte Lockdown, der die Haller trifft. Frühjahr, Tönnies und jetzt der November: „Es fühlt sich an, als würde ich eine stark befahrene Straße mit verbundenen Augen überqueren müssen“, beschreibt Volker Süllwald seine Gefühlslage. Der Inhaber der Fitness-Factory muss Festangestellte in Kurzarbeit schicken, nennt die Lage „existenzbedrohend“.

Montag, 02.11.2020, 12:42 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 12:46 Uhr
Volker Süllwald (rechts) und Dr. Peter Höpfner, Geschäftsführer der Fitness-Factory, machen sich Sorgen, wie ihr Studio den mittlerweile dritten Lockdown überstehen soll. Foto: Kerstin Eigendorf

Volker Süllwald gibt seit 26 Jahren Vollgas, vor 24 Jahren eröffnete er das Studio in Halle. Zehn bis zwölf Stunden Arbeiten sind keine Seltenheit. Der Lockdown trifft ihn hart, als Geschäftsmann, aber auch als Mensch, der gerne Gas gibt. „Dass wir alle Vorgaben haarklein eingehalten haben, zahlt sich einfach nicht aus, wir müssen trotzdem zu machen“, sagt er enttäuscht. Auch wenn die Beiträge weiterliefen, gelte das für die Kosten ebenso. Und es fehlten neue Verträge, auf die Fitnessstudios dringend angewiesen seien.

 

Mit einem leeren Restaurant schon an diesem Wochenende rechnete Nadine Dietz noch am Mittwochmorgen. Es hagelte Stornierungen. „Die Gäste hatten Angst vor einem Lockdown und sagten vorsichtshalber ab“, erzählt die Inhaberin des Restaurants Dietz am Lindenplatz. Gegen 17 Uhr wurde der Lockdown dann tatsächlich verkündet. „Und um 17.01 Uhr stand das Telefon nicht mehr still“, berichtet Nadine Dietz. Jetzt ist das Restaurant bis einschließlich Sonntag nahezu ausgebucht. „Die Gäste wollen uns unterstützen und haben Tische reserviert.“

Der Lockdown im Frühjahr traf sie hart. „Diesmal sind wir besser vorbereitet, haben weniger Waren bestellt, weil sich neue Maßnahmen angedeutet hatten“, erzählt Nadine Dietz. Sie blickt mutig in die Zukunft. „Ich habe 25 Jahre auf diese Chance gewartet, da werde ich jetzt nicht aufgeben.“

Kosmetikerin Annette Drein will auch nicht „ins Kissen jammern, sondern sich Mut machen“. Sie ist froh, dass sie wenigstens Fußpflege weiter anbieten darf. Dass Kosmetik nicht mehr erlaubt sei im November, kann sie verstehen. „Man geht seit Wochen mit einem komischen Gefühl ins Geschäft, denn die Kunden müssen bei der Behandlung schließlich die Maske abnehmen“, erzählt sie. Sie habe auch schon Kunden nach Hause geschickt, die sagten, sie hätten nur einen Schnupfen. „Ob das nur ein Schnupfen ist, kann ich ja nicht beurteilen“, betont sie.

Marion Wienecke treibt vor allem die fehlende Perspektive um. Die kaufmännische Geschäftsführerin des Gesundheitszentrums Saluto fragt sich: „Was ist nach den vier Wochen? Der Blick in die Zukunft ist so schwierig.“ Die angekündigte staatliche Förderung sei wenigstens ein kleiner Lichtblick. „Trotzdem laugt es aus, abgesehen von den finanziellen Sorgen, gar nicht planen zu können.“ Zudem seien Fitnesszentren heute gerade für die Altersgruppe über 60 Orte der Gesundheitsprävention. „Bei uns ist das die Hälfte unserer Mitglieder.“ Die seien jetzt natürlich traurig wegen der Schließung. „Sie sagen immer wieder, dass sie nicht verstehen, warum wir zu machen müssen, obwohl wir alles machen – vom Desinfizieren von jedem einzelnen Schlüssel über Training mit Handschuhen bis hin zum kontaktlosen Check-in.“

Unterdessen hat die Stadt Halle Schilder angebracht, die auf die Maskenpflicht zwischen den Wochenmarkt-Ständen hinweisen. Seit vorletzter Woche wird dies wieder kontrolliert. Bußgelder mussten noch nicht verhängt werden. Zuletzt war im Stadtrat moniert worden, dass viele auf dem Markt keine Maske trügen. Die Maskenpflicht gilt aber nicht in den Passagen im Innenstadtbereich. „Da ist der Abstand unserer Meinung nach einhaltbar. Das ist die kreisweite Vorgehensweise“, sagt Benjamin Potthoff von der Stadt.

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