Gartnisch: Weitere CO2-Minimierung brächte Mehrkosten von bis zu 1,3 Millionen Euro
Öko-Schule könnte noch teurer werden

Halle (WB). Der bereits beschlossene Neubau der Grundschule Gartnisch (bisher geplantes Kostenvolumen knapp 12 Millionen Euro) würde bei nochmals erhöhter Energieeffizienz um weitere bis zu 1,3 Millionen Euro teurer werden. Das geht aus einem Vortrag eines Vertreters des agn-Projektmanagements im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss hervor. Vor einer Entscheidung im Stadtrat Ende Oktober wollen die Fraktionen sowohl das mögliche Verfahren als auch die Kostenfrage intern nochmals diskutieren.

Freitag, 09.10.2020, 06:00 Uhr

In den vergangenen Tagen hatte die Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) Druck für eine klimaneutrale Baulösung gemacht. FFF fordert für den Neubau dringend auf maximal möglichen Klimaschutz und den besten Energiestandard zu setzen. Gerade große kommunale Gebäude wie Schulen müssten vollständig regenerativ und ökologisch errichtet und betrieben werden, argumentierte die Bewegung.

Stefan Klein von agn stellte in seiner Präsentation verschiedene Varianten gegenüber. Berechnet wurden Mehrkosten gegenüber der bisher geplanten Variante, die die Einhaltung der aktuell gültigen Energieeinsparverordnung ohne Photovoltaik-Anlage (PV) mit Fernwärme ohne Lüftungsanlage vorsieht (V1).

In der ersten Vergleichsvariante V1a wurde errechnet, dass für eine PV-Anlage über etwa 1000 Quadratmeter eine CO 2 -Senkung um etwa 50 Prozent erreichbar sei. 100 Prozent seien nicht möglich, weil die Dachfläche der Schule einfach zu klein sei. Für 69 Tonnen CO 2 -Einsparung errechnete er bauliche Mehrkosten von 335.000 Euro (brutto).

Bei der Variante V2 (Fernwärme mit Lüftungs- und PV-Anlage) sei eine CO 2 -Ersparnis von bis zu 140 Tonnen gegenüber der bisherigen Planung erzielbar und ein „Nullenergiegebäude“ annähernd möglich. Lüftungsanlage, PV-Anlage und erhöhte Baukosten addieren sich auf 1,285 Millionen Euro.

Bei der dritten Variante (Lüftungs- und PV-Anlage mit Erdwärmepumpe), die nicht nur ein Nullenergie-, sondern gar ein Plusenergiegebäude (erzeugt mehr Energie als es verbraucht) sein könnte, errechnete der agn-Mann ebenfalls eine CO 2 -Einsparung von 140 Tonnen sowie Mehrkosten von insgesamt 1,342 Millionen Euro. In den beiden letzten Varianten wären weitere Kosten von 60.000 bzw. 80.000 Euro für Kühlung in den belüfteten Räumen durch die Nachschaltung von Kühlregistern noch einzurechnen. Mithin würden Gesamtbaukosten von mehr als 13 Millionen Euro für die Schule Gartnisch entstehen. 140 Tonnen CO 2 entspricht etwa dem, was in der Summe rund 15 Bundesbürger im Laufe eines Jahres durch ihr durchschnittliches Verhalten an CO 2 produzieren.

In der nachfolgenden Diskussion sprach sich Jochen Stoppenbrink (Grüne) für die dritte Variante mit Erdwärme (Geothermie) aus. Er persönlich habe ein Passivhaus mit Erdwärme bauen lassen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. „Wir sollten einen konsequenten Weg gehen und den Klimaschutz nach vorne stellen“, meinte Stoppenbrink.

TWO-Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Bölling (SPD) äußerte gegenüber einer solchen Erdwärme-Lösung grundsätzliche Bedenken. Denn schließlich wolle man in Halle andernorts Bauprojekte entwickeln, bei denen Wärmeinseln mit Fernwärmeversorgung geschaffen werden. „Was für ein Signal setzen wir in die Welt, wenn wir bei einem großen städtischen Bauvorhaben stattdessen selbst auf Geothermie setzen“, warnte Bölling vor einer „schlechten Botschaft“. Im übrigen würden die weiteren Gebäude an der Grundschule Gartnisch mit Blockheizkraftwerken versorgt.

Karl-Heinz Wöstmann (UWG) kann sich Erdwärme gut vorstellen, wenn man das Thema unter rein ökologischen Gesichtspunkten betrachte. Hendrik Schaefer (CDU) sagte, dass eine Kommune in der Tat bei der energetischen Ausrichtung von Neubauten auch eine Vorbildfunktion habe. Der Verpflichtung müsse sich eine Stadt stellen. Dennoch sah er wie die SPD den Verzicht auf Fernwärme in Gartnisch kritisch. „Fernwärme ist auch keine Energieschleuder“, sagte Schaefer, will aber vor einer Ratsentscheidung erst eine ausführliche Diskussion mit Einbindung von Fachleuten in der Fraktion führen.

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