Was gut läuft und was noch verbessert werden kann an Haller Grundschulen
„Digitalisierung hat Grenzen“

Halle  (WB). Maik Evers schaut leicht genervt auf sein Tablet. „Was funktioniert denn da nicht?“, fragt der Leiter der Lindenschule vielmehr sich selbst als die Schüler. „Ach, das geht leicht, ich mach das mal“, ruft ein Viertklässler und übernimmt kurz. Und zack, es funktioniert. Ist das schon gelungene Digitalisierung? Oder wie sieht es an den Haller Grundschulen aus? Das WB hat nachgefragt.

Donnerstag, 08.10.2020, 03:44 Uhr aktualisiert: 08.10.2020, 04:00 Uhr
Alexa (9), David (9) und Justus (10) von der Lindenschule in Halle kennen sich als Viertklässler schon richtig gut mit digitalen Medien aus. Auf den Fluren ihrer Grundschule gehören die Wagen mit den knallbunten Tablets mittlerweile zum Alltag. Foto: Kerstin Eigendorf

In einem Punkt sind sich alle Grundschulleiter einig: Was die technische Ausstattung angeht, gibt es nicht viel zu bemängeln. Reichlich Tablets für die Schüler, alle Lehrer sind mit digitalen Endgeräten ausgestattet, genügend Whiteboards und auch die Leitungen sind in Ordnung mit Luft nach oben. Da geht es den Haller Grundschullehrern anders als vielen Kollegen in NRW, die laut einer Umfrage des WDR der Digitalisierung an ihrer Schule oft nur die Note „ausreichend“ geben. Das ist in Halle anders. „Wir sind top ausgestattet“, betont Maik Evers.

Viel gelernt im Lockdown

Sie haben viel gelernt im Lockdown. Es wurden E-Mail-Verteiler angelegt, wie an der Grundschule Hörste eine zentrale Handynummer auf die Internetseite gestellt, Kollegen fortgebildet und Konzepte zum Homeschooling erarbeitet. „Wir sind deutlich besser vorbereitet als im März“, lautet das Fazit von Natja Tönsmann, Leiterin der Grundschule Künsebeck. Die Lehrer wissen nun, welche Familie keinen Drucker oder keine E-Mailadresse hat.

Verschiedene Apps, mit denen die Kinder arbeiten, Zoom-Konferenzen, digitalisierte Arbeitsaufträge, Umgang mit Tablets: All das gehört zum Alltag. Da gibt es auch die Englisch-Lehrerin, die Filme einliest und dann mit fünf oder sechs Kindern über Zoom eine Videokonferenz macht. „Die digitale Welt hat im letzten Schuljahr so richtig Einzug erhalten“, fasst Stefanie Liesen, Leiterin der Grundschule Hörste, zusammen. Und doch hat die „Digitalisierung bei Quarantäne oder Lockdown ihre Grenzen“, sagen die Schulleiter. Das haben nicht nur Lindenschule und Grundschule Gartnisch erlebt, die im neuen Schuljahr mit Corona-Fällen und Schülern in Quarantäne konfrontiert waren.

Grundschule lebt von Nähe

„Grundschule lebt von der Nähe und ist Beziehungsarbeit“, sagt Kristina Niemeyer, Leiterin der Grundschule Gartnisch. Das könnten Videokonferenzen nicht leisten. „Digitalisierung muss sein, vor allem wenn es um verantwortungsvollen Umgang von Schülern mit neuen Medien geht.“ Aber es müsse einen Mix geben aus Digitalem und Althergebrachtem. Kollegin Natja Tönsmann pflichtet ihr bei: „Kinder müssen im Grundschulbereich lernen, einen Stift zu halten, Texte zu lesen, die vor ihnen liegen und nicht von einem Bildschirm abgelesen werden.“

Deshalb würden bei Quarantäne oder Lockdown an den Grundschulen weiter Arbeitspakete gepackt und an Schüler verteilt oder von Eltern abgeholt. „Denn das größte Problem meiner Kollegen war, dass sie erst nicht wussten, wie es Fritzchen geht“, erinnert sich Maik Evers. Daher hatte jeder Lehrer im Lockdown mindestens einmal pro Woche persönlich Kontakt zu jeder Familie.

Den Livestream wird es nicht geben

Was besser werden muss, wissen die Schulleiter genau. „Distanzlernen üben“, nennt es Evers. Was muss welche Klasse können, damit das Lernen Zuhause klappt? Daran wird gearbeitet – zum Teil in lokalen Arbeitsgruppen zur Digitalisierung. Eltern genauere Hinweise geben und Optimierung des Austauschs von Material steht auch auf der To-do-Liste, damit sich alle mitgenommen fühlen. „Da kommt von Eltern auch schon einmal die Frage, wann es endlich einen Livestream aus dem Klassenzimmer gibt“, erzählt Maik Evers. Seine klare Antwort: „Das wird es schon aus Datenschutzgründen sicherlich nicht geben.“

Lehrer mit iPads oder Laptops ausgestattet

Seit 2018 stattet die Stadt Halle alle Grundschullehrer sowie Lehrer an weiterführenden städtischen Schulen mit digitalen Endgeräten aus. An Grundschulen gibt es bei den Schülern eine 2:1-Ausstattung mit iPads (auf zwei Schüler kommt ein Gerät). Zudem verfügen die Haller Grundschulen über digitale Tafeln – Whiteboards. „Diese werden noch an das Schulnetzwerk angeschlossen“, sagt Benjamin Potthoff, Abteilungsleiter Schule. Dateien könnten so vom Server an die Tafel geworfen werden. „In vielen Schulen gibt es Dokumentenkameras, mit denen ein Blatt Papier mit dem iPad eingelesen werden kann.“

Halle erhält 424.000 Euro aus dem Digitalpakt, unabhängig von Corona. Zudem gibt es durch Sofortausstattungsprogramme 64.500 Euro für Lehrer und 80.000 Euro für Schüler. Eine Umfrage, welche Schüler dringend ein Gerät benötigen, läuft bis 12. Oktober. Die Stadt möchte neue Lehrer-iPads anschaffen, die älteren Modelle bekommen die Gesamtschüler. Laut Potthoff sollen alle städtischen Schulen bis 2021 eine Gigabit-Anbindung erhalten. Noch sind es 50-Megabit, teilweise 100 Megabit.

 

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