Podiumsdiskussion läuft konfliktarm ab – Überraschung beim Thema Landesgartenschau
Ungeahnte Annäherungen

Halle (WB). Die Podiumsdiskussion der Volkshochschule mit den Haller Bürgermeisterkandidaten am Samstag hat manche hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen können. Nachdem es in der Sitzung des Planungsausschusses zum Thema Storck noch zu sehr scharfen Auseinandersetzungen unter anderem zwischen Thomas Tappe (CDU) und Dr. Kirsten Witte gekommen war, nahm die Podiumsdiskussion zwei Tage später einen ausgesprochen friedlichen Verlauf. Die großen Haller Konfliktthemen kamen kaum zugespitzt zur Sprache, sodass das eigentlich Überraschende dieser Veranstaltung ungeahnte politische Annäherungen waren.

Montag, 07.09.2020, 00:00 Uhr

Aussagen zu Landesgartenschau sind eine Überraschung

Vor knapp 90 Zuhörern in der Aula des Kreisgymnasiums sowie weiteren Zusehern im Livestream der Volkshochschule auf einem Youtube-Kanal (bis Sonntagmittag waren es 340 Aufrufe) war es die Frage aus dem Publikum nach einer Landesgartenschau für Halle, die aufhorchen ließ. Denn SPD-Bürgermeisterkandidatin Edda Sommer machte deutlich, dass sie nach einer anfänglichen Gegnerschaft sich durchaus offen für eine Landesgartenschau zeige, diese persönliche Meinung aber nicht mit der SPD abgestimmt habe. Wobei sie diese inhaltliche Offenheit auch als ein persönliches Markenzeichen für ihr Verständnis des Bürgermeisteramtes sieht. „Meine Meinung ist nicht in Stein gemeißelt. Ich versuche Kompromisse zu finden und zu vereinbaren“, sagte sie an anderer Stelle. Der „spannende Vortrag“ des Geschäftsführers der Landesgartenschauen vor einigen Monaten im Hauptausschuss habe bei ihr ein Umdenken bewirkt, ließ Edda Sommer erkennen. Ihr gefällt der Gedanke über eine Landesgartenschau Ziele und Visionen für Halle zu erarbeiten. Wobei sie einschränkend meinte, dass sie eine Landesgartenschau weniger im Norden von Halle (mithin im Stadtwald und im Teuto) sieht als vielmehr im Süden.

Werbung für eine Machbarkeitsstudie

Grünen-Kandidatin Dr. Kirsten Witte sagte, dass sie von dem Vortrag vor allem in Erinnerung habe, dass eine Landesgartenschau mit einem großen Stellplatzbedarf sowie hohen Verkehrsaufkommen verbunden sei. „Wenn, dann könnte ich mir eine Landesgartenschau auch nur im Haller Süden, dort wo der Ravenna-Park II geplant ist“, fügte sie mit einer gewissen Listigkeit hinzu.

Thomas Tappe (CDU) nahm den Ball der Hintersinnigkeiten auf und meinte: „Der Wahlkampf macht Spaß.“ Er erlebe wiederholt, dass Positionen der CDU nachträglich auch von anderer Seite unterstützt würden, denn im damaligen Ausschuss sei das Meinungsbild bei SPD und Grünen noch sehr abweisend gewesen. Über eine Machbarkeitsstudie für eine Landesgartenschau könne man viele Themen bearbeiten, die Halle bei einer Leitdiskussion bewegten. Eine solche Machbarkeitsstudie koste etwa 50.000 Euro, für die Planungen an der Alleestraße habe Halle schon 86.000 Euro ausgegeben, ohne einen Stein bewegt zu haben. Kirsten Witte ergänzte noch, dass sie keine Machbarkeitsstudie für eine Landesgartenschau, wohl aber ein Konzept für nachhaltigen Tourismus in Halle unterstütze.

Kleine Annäherung beim Thema Freibad

In der streitarmen Veranstaltung waren kleine Annäherungen auch beim Thema Freibad zu vernehmen. Die Position der CDU dazu ist bekannt. Sie wünscht eine einfache Schwimmgelegenheit im Freien auf dem Gelände des Lindenbades. „Das kostet uns etwa eine halbe Million Euro im Jahr. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen haben wir. Deshalb sollten wir sagen: Ja, das ist es uns wert“, sagte Tappe. Kirsten Witte, die sich als leidenschaftliche Schwimmerin bezeichnete, will eine Fläche zum Spielen im Wasser auf der Rasenfläche am Lindenbad prüfen lassen. Ansonsten finde sie auch die Idee der UWG sehr gut, im Sommer einen Busshuttle-Service zu Freibädern in Nachbarorten zu organisieren. Edda Sommer hingegen sieht die Idee eines Badesees, die die SPD seit 2011 verfolge, auf einem guten Weg. Sommer: „Ich bin optimistisch, dass das realisierbar ist. Und ich meine damit nicht einen Massenandrang von Touristen am Sandforther See.“ Dass Menschen im Freien baden können, hält sie für einen Teil der Daseinsvorsorge, die eine Kommune bieten sollte.

Bei der Diskussion ohne Zwischenfragen aus dem Publikum wurden zwar noch einige Themen angesprochen, jedoch ohne große Brisanz oder Tiefgang. In einer Nebenbemerkung erfuhren die Zuhörer, dass Kirsten Witte das Bürgermeisteramt für zwei Wahlperioden anstrebt, mithin zehn Jahre. Nach 75 Minuten war die Veranstaltung vorzeitig beendet.

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