Vor der Herbstsynode blickt Superintendent Hempelmann auf neue kirchliche Angebote
Auch online gegen Entwöhnungseffekt

Halle (WB). Im Corona-Jahr 2020 wird der Kirchenkreis Halle seinen Haushalt mit einem Minus von 5,5 Prozent weniger an Kirchensteuer-Aufkommen abschließen. Und Superintendent Walter Hempelmann befürchtet für 2021weitere deutliche wirtschaftliche Einbrüche, die sich auch auf die acht Gemeinden im Kirchenkreis Halle auswirken. Das sagte er jetzt im Vorfeld der traditionell auf die Finanzen ausgerichteten Herbstsynode am Montag, 7. September, in Werther. „Wir sind ganz vorsichtig beim Aufstellen unserer Haushaltspläne“. Gleichwohl sei es gerade jetzt wichtig, die Sorgen und Ängste der Menschen, die unter Corona und ihren Folgen leiden, besonders wahr zu nehmen. „Nicht der Blick auf die Finanzen macht Kirche aus“, ist Walter Hempelmann überzeugt. „Wir leben von Begegnungen“.

Freitag, 04.09.2020, 05:00 Uhr
Der Kirchenkreis Halle ist analog und digital unterwegs auch mit Hilfe von Ehrenamtlichen: (v.l.) Pastor Christhard Greiling, Alexanders Mertens, Petra Vollmer, Vikar Björn Knemeyer, Florian Schirmbeck, Jana Ruhe, Rebecca Wilson, Leon Jessen und Superintendent Walter Hempelmann. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

„Wir leben von Begegnungen“

Bestätigt werden seine Worte durch den Erfolg der Streaming-Angebote, die seit Mitte März im Kirchenkreis laufen und die großteils auf den Schultern von Ehrenamtlichen liegen. Was sich bei der evangelischen Jugend tut, ist übrigens jetzt auf einen Blick zu erkennen und mit einem Klick erreichbar, wie Jana Ruhe, die Synodale Jugendreferentin im Kirchenkreis, betont. Die Adresse: www.juenger-halle.de

Mit dem Ausfallen der ersten Gottesdienste im März hat in einigen Gemeinden schon die Stunde der technikaffinen evangelischen Jugend geschlagen. Die Gemeinde Halle war mit Presbyter Florian Schirmbeck, Alexander Mertens und anderen Ehrenamtlichen ziemlich schnell auf Sendung. Aus dem alten Gemäuer Johanniskirche und mit modernen Medien habe man mit einfachen Mitteln und viel Kreativität die ersten digitalen Gehversuche unternommen, berichtet Petra Vollmer von Herausforderungen, positivem Feedback und neuen Chancen. „Die Worte für jeden Tag aus allen Bereichen, die es anfangs jeden Tag gab und jetzt noch zweimal in der Woche waren ein cooler, kleiner Mutmacher.“ Im Mai wurden schon die ersten Live-Gottesdienste aus St. Johannis übertragen. Die „fliegende Verkabelung“ hat jetzt ein Ende. Ein Internetanschluss ist da, und auch Kameras sollen nun fest verbaut werden.

Glocken läuten weiter um 19.30 Uhr

Zu den Hoch-Zeiten des Lockdowns hat die evangelische Gemeinde Werther, wo ein „Berggebet“ eine Eigendynamik bekam, besonders hohe Klickzahlen verbucht. Vikar Björn Knemeyer: „Ostersonntag sind wir über 700 mal angeklickt worden“. In Steinhagen, wo die Gemeinde sich technisch noch auf den Stand setzen will, hat man mit einem halböffentlichen Video-Angebot gute Erfahrungen gesammelt. Und mit „alternativen Gottesdienstfeiern“ an Orten wie dem Glockenstuhl, wie Pastor Christhard Greiling sagt. In Versmold hat sich der CVJM vor allem in den Sommerferien, in denen die Freizeiten ausgefallen sind, verdient gemacht. Sofa-Talk über Instagram und „Morgenmagazin“ über YouTube: Leon Jessen und Rebecca Wilson berichten von einigem Aufwand in den „Studios“ im alten Gemeindezentrum.

Inzwischen sind die Online-Einschaltquoten vielerorts wieder gesunken. Und bei Präsenz-Angeboten gibt es einen gewissen Entwöhnungseffekt, hat Walter Hempelmann festgestellt. „Wir sehen, wie vorsichtig die Menschen jetzt sind“.

Doch ob Mitarbeiterkonferenz über Zoom oder Grüße aus der Kita – einig ist man sich bei der Kirche, dass beide Wege, analog und digital, weiter beschritten werden müssen. Und die Glocken sollen auf vielfachen Wunsch weiter abends um 19.30 Uhr läuten als deutliches Zeichen: Die Kirche lebt.

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