Umweltausschuss tagt fünf Stunden – Grüne lehnen Ausweitung der Wasserförderung ab
Mehrheit unterstützt den Storck-Antrag

Halle (WB). Nach einer Marathonsitzung von rund fünf Stunden hat der Umweltausschuss des Stadtrates am späten Dienstagabend mehrheitlich grundsätzlich unterstützende Stellungnahmen beschlossen sowohl für den beim Kreis Gütersloh anhängigen Antrag zum Ausbau der Wasserförderung bei Storck als auch für die geplante Umlegung des Laibaches. Während die neun Vertreter von CDU, SPD und UWG den Beschlussvorschlägen der Verwaltung folgten, setzten die beiden Grünen im Gremium (Ausschussvorsitzender Dieter Jung und Dr. Kirsten Witte) Kontrapunkte mit ablehnenden Statements , die am Ende auch zu scharfen Diskussionen führten.

Donnerstag, 03.09.2020, 07:06 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 07:50 Uhr
Fünf Stunden Debatte im Umweltausschuss: Hydrogeologe Frank Schmidt (Foto oben, dahinter v.l. sitzend Boris Bödecker und Dr. Marc Lörcher von Storck sowie Halles Klimaschutzmanagerin Melanie Schulz) widerspricht den Stellungnahmen des BUND. Foto: Küppers

Storck erläutert seine Bedarfe und die Ausweitung der Wassersparmaßnahmen

Den breitesten Raum in der Sitzung vor mehr als 120 Zuhörern im Eventcenter der OWL-Arena nahm der Antrag auf Erhöhung der Wasserrechte der Firma Storck ein, der sich derzeit in der Vorprüfung bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises Gütersloh befindet. Für die Storck KG erläuterte der Technische Direktor Dr. Marc Lörcher wie bereits in der vergangenen Woche im Hauptausschuss die gestiegenen Wasserbedarfe des Unternehmens für die Produktion, die mit den Verkaufserfolgen und dem starken Wachstum in den vergangenen Jahren einhergehen. Beantragt ist aktuell eine Ausweitung der Fördermenge von derzeit 450.000 Kubikmeter jährlich auf 625.000 (unter Wegfall einer früheren Förderrechte-Deckelung sowie mit Bau eines neuen Brunnens). Sollte Storck auch in den nächsten etwa 20 Jahren wie bisher am Standort weiter stark wachsen und einen Vollausbau realisieren, dann würde sich daraus ein rechnerischer Wasserbedarf von 825.000 Kubikmeter im Jahr ergeben. Lörcher legte dar, dass das Unternehmen seine ohnehin stetigen Wassersparmaßnahmen nochmals deutlich ausweiten wolle und erläuterte Projekte wie die Ersetzung von Trinkwasser durch Brauchwasser beim Betrieb von Kälteanlagen. Lörcher rechnete vor, dass eventuelle spätere Mehrbedarfe von 200.000 Kubikmetern zum größten Teil durch eben solche Einsparungen (100- bis 150.000 Kubikmeter jährlich) erwirtschaftet würden. Der Rest könne dann von der TWO zugeliefert werden.

Überbeanspruchung der Grundwasserleiter wird durch Technik verhindert

Hydrogeologe Frank Schmidt legte dar, warum nach seiner fachlichen Einschätzung auch in Zukunft genügend Grundwasser für die beantragten Mengen da sein werde. Er nannte ein Grundwasserdargebot von insgesamt 715.000 Kubikmetern. Wenn die fachlichen Prognosen nicht einträfen, dann würden technische Sicherungsmaßnahmen an den Storck-Brunnen selbst eine mögliche Überbeanspruchung der Grundwasserleiter verhindern. Mit den Wasserfördergebieten der TWO gebe es keine gegenseitige Beeinträchtigung. Und im übrigen behalte eine Trinkwasserversorgung der Bevölkerung immer Vorrang. Für die umliegenden Hausbrunnen werde auf Kosten der Firma Storck ein Beweissicherungsverfahren eingeleitet. Auf kritische Nachfrage von Dieter Jung, der den Dürrestress von Bäumen und Vegetationsschäden ansprach, betonte Schmidt, dass diese Erscheinungen eben nicht durch Förderung aus einem durch Geschiebemergel abgetrennten zweiten Grundwasserstock bedingt seien. Das würden über Jahrzehnte vorgenommene Messungen über Mächtigkeit von Erdschichten und hydraulische Wirkung klar belegen.

BUND wirft Wassergutachter eine Fülle von Fehlern vor

Widerspruch dazu brachten Hartmut Lüker für den BUND sowie die vom Verband eingeschalteten Hydrogeologen vor. Dr. Manfred Dümmer forderte, dass die Wassersparmaßnahmen des Unternehmens durch unabhängige Gutachter überprüft werden müssten. Er meinte, dass man eben nicht wisse, wo das Wasser herkomme. Dirk Brehm kritisierte, dass das von Schmidt vorgelegte Modell eine Fülle von Fehlerquellen aufweise und es einer dreidimensionalen Betrachtung der Zu-und Abströme mit Wasserbilanz bedürfe. So könne die Wechselwirkung der Storck- und TWO-Wasserförderung nicht prognostiziert werden.

In seiner Erwiderung betonte Schmidt, dass eine 3-D-Modellierung nicht notwendig sei. In dem Gebiet werde seit 30 Jahren permanent gemessen, die Daten lägen alle vor. „Mir sind die Messdaten lieber als die rechnerischen Scheinergebnisse eines 3-D-Modells“, sagte Schmidt. Das gewählte Verfahren sei anerkannt und der Geologische Dienst NRW sei mit den Unterlagen vollständig zufrieden. Aus dem Publikum kamen viele kritische Nachfragen auch zu den Auswirkungen des Klimawandels. Schmidt verwies auf Klimaprognosen des Landesamtes LANUV, an die er sich halte.

Grüne wollen zur Klärung der Streitfragen eine „fachkundige neutrale Instanz“ einschalten

In der politischen Debatte verwiesen Wolfgang Bölling (SPD) und Thomas Tappe (CDU) auf den untadeligen Ruf von Gutachter Schmidt. Am Ende werde die Untere Wasserbehörde des Kreises eine fachlich begründete Entscheidung treffen. Es sei auch sichergestellt, dass Storck den TWO kein Wasser abgraben könne. „Wenn wir uns bei der Beurteilung nicht mehr auf die Fachbehörden verlassen können, dann wir den Laden auch zumachen“, so Tappe.

Ausschussvorsitzender Dieter Jung, dessen meinungsstarke Sitzungsführung von SPD und CDU mehrfach kritisiert wurde, ließ in Einzelpunkten Anträge der Grünen-Fraktion abstimmen, die in den wesentlichen Punkten mit zwei (Jung und Witte) gegen neun Stimmen abgelehnt wurden. Die Grünen wollten u.a. durchsetzen, dass die Stadt „erhebliche Bedenken“ gegen das Vorhaben äußert. Die in der Stellungnahme der Naturschutzverbände dargelegten Bedenken seien „durch eine fachkundige neutrale Instanz zu bewerten“. Schließlich erklärten die Grünen entgegen den Darlegungen von Schmidt, dass die Grundwasserkörper tatsächlich nicht voneinander getrennt seien.

 

 

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