Joachim Kummrow saniert das „Haus Grundmann“ am Kirchplatz mit Augenmaß
Fachwerk-Perle mit barocken Schrullen

Halle (WB). Viel länger hätte es nicht hereinregnen dürfen in den einstigen Kirchhofspeicher an der Bahnhofstraße 7. Wohl gerade noch rechtzeitig wird das denkmalgeschützte Doppelhaus – womöglich schon vor 1767 am Haller Kirchplatz gebaut und auf jeden Fall 1930 von Drechsler Heinrich August Horn zur Bahnhofstraße hin um ein massives Vorderhaus erweitert – jetzt saniert. Das Gebäude, das wohl einmal der ganze Stolz des Handwerkers war, will Joachim Kummrow jetzt wieder aufpolieren – eine Perle in der schmucken Kette um die Haller Johanniskirche.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr
Zum Kirchplatz Fachwerk, zur Bahnhofstraße ein Massivbau: Joachim Kummrow freut sich, dass die Sanierung des Doppelhauses endlich begonnen hat. Vor wenigen Tagen ist das frühere „Haus Grundmann“ eingerüstet worden. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Der 59-jährige Kaufmann, einst Stadtmarketing-Pionier der „Haller Tat“ und Gründer und Geschäftsführer der Werbeagentur Kontext-Kontor im früheren Haus des Handwerks, weiß, was er sich vorgenommen hat. „Ich möchte für Halle ein kernsaniertes Gebäude mit ganz viel Charme erhalten“, sagt er. Und dass er mit seinen bisherigen Erfahrungen anderen Investoren durchaus Mut machen möchte. Die Behörden, die Nachbarn, die Handwerker – das Projekt „Haus Grundmann“, wie es in der Stadt noch heute genannt wird, sei allen Beteiligten wichtig.

Denkmalschutz zieht mit

Den Denkmalschutz hat Joachim Kummrow schon früh ins Boot geholt. Schließlich wird der alte Teil des Hauses schon in der Steuerfixationsliste von 1767 erwähnt und ein Maurer namens Tappe als Eigentümer. War es vielleicht seine Witwe, die in diesen Jahren einen kleinen Kriechkeller anlegen ließ oder erst der Hefenhändler Friedrich Wilhelm Schürmann, der 1837 im Hypotheken- beziehungsweise Grundbuch der Stadt als Eigentümer erwähnt wird? Oder hat der kaum meterhohe, drei mal vier Meter große Raum, direkt unter dem einstigen Schlafzimmer des Hausherrn; schon vorher existiert? Wo diese(r) jedenfalls einmal seine Wertgegenstände gebunkert hatte – Lebensmittel, Tabak, Getreide (?) – da fand sich kürzlich ein lausiger Sack Sand. „Da hat sogar Dr. Barbara Pankoke gestaunt“, berichtet Joachim Kummrow von dem selbst für die Münsteraner Denkmalschützerin überraschend profanem Fundstück.

Das zum Teil barocke Doppelhaus mit seinen liebenswerten Schrullen und Eigenheiten wie einem Brunnen ist durch viele Hände gegangen, bis Joachim Kummrow es 2016 von dem nach Mallorca ausgewanderten Haller Kaufmann Volker Stelkens für einen recht geringen Betrag gekauft hat und erst einmal Akutrettung betreiben musste. Denn es regnete durch zwei riesige Löcher rund um die Schornsteine herein. Weil ein Ablauf fehlte, sammelte sich das Wasser im Keller. Der Laden im Erdgeschoss und die drei Wohnungen im Haus brauchten neue Heizung, Strom, Erdgas, Wasser. Joachim Kummrow begann zu planen und traf auf „sehr kooperative” Unterstützer für seine „Sanierung mit Augenmaß“, die nicht mehr als 400.000 Euro kosten soll. Während die Gutachten für Brandschutz und Standfestigkeit ebenso wenig ein Problem waren wie die Abstimmung mit der Oberen Denkmalschutzbehörde, die den Denkmalschutz von der Fassade zur Kirche hin auf das gesamte Haus erweitert hat, erwies sich sich die Handwerkersuche aber als „super kompliziert“.

Nur drei Wände

Anderthalb Jahre später als geplant hat Kummrow sein Herzensprojekt jetzt mit der Borgholzhausener Firma Dübber und Gerald Dübber als Bauleiter gestartet. Im ersten Bauabschnitt wird das Dach des Fachwerkhauses erneuert. Das wohl 350 Jahre alte Ständerwerk aus Eiche ist großteils intakt. Für den Dachstuhl des massiven Vorderhauses hingegen gab es keine Rettung. Die Fichte war hin. Nebenbei: Der Massivbau zur Bahnhofstraße hat nur drei Außenwände: Eine Rückwand zum Fachwerk fehlt. Beide Dächer werden denkmalgerecht mit Tonpfannen gedeckt. Die alten Schaufenster tauschen die Handwerker gegen neue aus. Die Haustür – wie immer sie aussieht, denn es gibt keine schlüsselfertigen Lösungen – lässt der Bauherr wieder zurück an den Kirchplatz verlegen.

Ende November sollen marode Balken ausgetauscht, Fenster (mit Rundbögen und Wiener Sprossen) und Haustür erneuert und die Immobilie gestrichen sein. Ein etwa 100 Quadratmeter großer Laden und drei jeweils 50 Quadratmeter große Wohnungen könnten spätestens 2022 bezugsbereit sein, wenn alles gut läuft. Ein Handwerker- und Geschäftshaus mit einem ganz eigenen Charakter.

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