Haller Rathaus erarbeitet eine umfassende Strategie auch mit Förderansätzen – Mitarbeit der Bürger ist dafür nötig
Der große Plan im Kampf gegen sterbende Bäume

Halle (WB). Die große Zahl vertrocknender und in der Folge sterbender Bäume im Teutoburger Wald und im Stadtgebiet besorgt viele Menschen in Halle und beherrscht auch Diskussionen im laufenden Wahlkampf. Unabhängig davon verfolgt die Stadtverwaltung bereits einen Plan und eine Strategie, wie dem komplexen Problem vertrocknender Bäume womöglich entgegen gewirkt werden und auch eine Wiederaufforstung erfolgreich gelingen kann. Das Konzept reicht von einer Bepflanzungs- und Bewässerungsstrategie über die Nutzung von Förderprogrammen bis hin zu einer verstärkten Beteiligung von Bürgern zur Rettung von Bäumen.

Dienstag, 01.09.2020, 04:00 Uhr
Blick aus der Vogelperspektive auf einen Teil des Teutoburger Waldes im Bereich des Stadtwaldes (Knüll). Die vielen vertrockneten Bäume sind gut zu erkennen und auch die größer werdenden Lücken, die nach der Entnahme vieler Bäume durch Borkenkäferbefall entstanden sind. Auch hier will die Stadtverwaltung eingreifen. Foto: Ulrich Fälker

Grüne weisen auf sterbende alte Bäume in der Innenstadt hin

Die Haller Grünen hatten in diesen Tagen zu einem Pressegespräch an die Grundschule Künsebeck geladen, wo sie beispielhaft auf das Problem vertrocknender Buchen im Stadtgebiet aufmerksam machen wollten. Aus der Baumgruppe an der Schule drohen Dieter Jung zufolge bereits fünf Buchen abzusterben, weil sie insbesondere in den vergangenen beiden trockenen Sommern nicht genügend Wasser ziehen konnten. Der Vorsitzende des Umweltausschusses hat darüber hinaus eine Liste mit einem Dutzend Orte in der Haller Innenstadt zusammengestellt, wo ebenfalls sterbende Bäume zu sehen seien.

Beim Ortstermin in Künsebeck schlugen die Grünen vor, das Niederschlagwasser von den Dächern der Schule als auch das Oberflächenwasser der Straße durch die Umleitung in ein Rigolensystem für die Bewässerung der Bäume zu nutzen. Dazu regt Jochen Stoppenbrink den Bau von Zisternen und eines Tropfkörpersystems an, um dem Boden regelmäßig Feuchtigkeit zuzuführen. „Das Wasser darf uns nicht entkommen“, ergänzt dazu der pensionierte Polizist Dieter Jung.

CDU beantragt Zisternen-Förderung und übernimmt Bewässerungspatenschaft für städtische Jungbäume

Die CDU hat bereits vor mehr als einem Jahr ein Fördersystem für Zisternen und deren verstärkte Nutzung auf öffentlichen Flächen beantragt. Jetzt sollen Teile des Antrages im neuen städtischen System umgesetzt werden. Derweil haben Axel Reimers und Reinhard Stricker vom Vorstand des CDU-Stadtverbandes die Bewässerungspatenschaft für 19 städtische Jungbäume im Haller Süden übernommen. Mit einem großen Tank werden die Bäume regelmäßig abgefahren, eine Tour dauert laut Reimers mehr als drei Stunden. Der CDU-Vorsitzende bittet Bürger, beim Baumpaten-Programm der Stadt mitzuwirken.

Die verstärkte Beteiligung der Bürger ist ein Element der Gesamtstrategie, dessen Grundzüge die neue Klimaschutzmanagerin der Stadt, Melanie Schulz, in der vergangenen Sitzung des Umweltausschusses vorgestellt hat. Ein Anlass für die Erarbeitung einer ausführlichen Vorlage war der Bürgerantrag des einstigen CDU-Ratsherrn Stefan Siemens, der anregte für die Aufforstung von Waldflächen in Waldbesitz ein Förderprogramm zu entwickeln.

Bürger sind gefragt, der Stadt Halle Flächen für Waldanpflanzungen zu überlassen

Laut Melanie Schulz läuft derzeit eine Abfrage bei Bürgern, ob diese bereit sind, der Stadt Flächen für Anpflanzungen zu verkaufen oder zur Verfügung zu stellen. Bei der Auswahl der Baumsorten, so Schulz, wolle die Stadt darauf achten, dass Arten gewählt werden, die für die Sommertrockenheit geeignet sind. Um die Anwuchsverhältnisse zu verbessern, soll künftig zur Bodenverbesserung mit wasserspeichernden Substraten gearbeitet und eine Verdichtung des Wurzelraumes vermieden werden. Außerdem sollen Bäume in kleine Mulden gesetzt werden, in denen sich Niederschlagwasser sammeln und mehr Gießwasser eingebracht werden kann. Bei Altbäumen können Stammschäden durch Sonnenbrand mittels eines Schutzanstriches eingedämmt werden. Solche Anstriche sind zum Beispiel im Laibachpark zu sehen.

Stadt setzt auf Rückhalteflächen zur Grundwasseranreicherung

Bei der Bewässerungsstrategie will die Stadt vor allem auf natürliche Retentionsräume (Rückhalteflächen) als ideale Möglichkeit der Grundwasseranreicherung setzen. Auch hier setzt die Stadt auf die Mitwirkungsbereitschaft privater Grundeigentümern und will diese bei Bürgern abfragen. In Gräben bei Waldgebieten könnten Schwellen eingebaut werden, sodass Niederschlagswasser kaskadenförmig gespeichert wird. Zum anderen könnten die Gräben zu diesem Zweck punktuell vertieft oder verbreitert werden, erläutert die Klimaschutzmanagerin.

Mit Baumfördersatzung Anschaffungskosten und Baumpflege mitfinanzieren

Aufgrund vieler staatlicher Förderprogramme zur Waldaufforstung rät die Verwaltung derzeit von einer weiteren städtischen Förderung ab. Städtische Finanzspritzen werden hingegen für private Dachbegrünungen und private Regenwassernutzungen erarbeitet. Im Rahmen einer Baumfördersatzung könnte die Stadt auch Baumanschaffungskosten oder auch Prämien für jeden gepflegten Baum auszahlen.

Unklar ist, wann dieses skizzierte Gesamtkonzept auch in politischen Beschluss gegossen wird. Bis zum Abschluss der Wahlperiode Ende Oktober ist kein Umweltausschuss mehr vorgesehen.

 

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