Wie der Wassernotstand in Pium im Zusammenhang mit der Storck-Debatte diskutiert wird
Besorgter BUND, entspannte TWO

Halle/Borgholzhausen (WB). Der Wassernotstand in Borgholzhausen am vergangenen Wochenende, der dort zu drastischen ordnungsbehördlichen Maßnahmen wie dem Verbot des Befüllens von Swimmingpools und des Bewässerns von Gärten sowie der zeitweisen Schließung des Freibades geführt hat, hat auch Auswirkungen auf Halle. Zumindest auf die aktuelle Debatte, die sich an dem Antrag der Firma Storck auf Ausweitung der betrieblichen Wasserförderung entzündet hat. Für die Sitzung des Haller Ausschusses für Umwelt- und Klimaschutz, der sich am Mittwoch, 12. August, ab 17.15 Uhr im Schulzentrum Masch mit Wasser- und Umweltaspekten der geplanten Storck-Erweiterung befasst, hat Hartmut Lüker für den Umweltverband BUND bereits besorgte Fragen formuliert.

Dienstag, 11.08.2020, 09:39 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 09:42 Uhr
Die Schließung des Freibades in Borgholzhausen wegen Wassernotstand im Ort hat Aufsehen erregt und auch Auswirkungen auf die aktuelle Storck-Wasser-Debatte in Halle. An diesem Mittwoch tagt dazu die Haller Politik im Umweltausschuss. Foto: Johannes Gerhards

BUND-Sprecher warnt vor Situationen wie in Borgholzhausen

Lüker mahnt ein großes öffentliches Interesse an und will in der Ausschusssitzung beispielsweise beantwortet haben, wie sich die derzeitigen Grundwasserstände in den Förderbrunnen der TWO und der August Storck KG verhalten. Der BUND-Sprecher erwartet Auskunft über Grenzmarken, über Kapazitäten in Hochbehältern und Transportleitungen und ob in Halle mit ähnlich drastischen Maßnahmen zu rechnen sei. Außerdem will Lüker wissen, warum solch scharfe Maßnahmen in Borgholzhausen notwendig waren, wenn Halle doch über einen Notverbund fehlende Mengen Wasser habe liefern können. „Ich will wissen, ob wir in Halle genügend Wasser haben oder wir selbst in eine solche Situation geraten könnten. An solchen Fragen hängt doch eine Menge dran“, so Hartmut Lüker zum WB.

Die Antworten, die diese Zeitung auf ihre Anfragen im Rathaus beziehungsweise bei den Technischen Werken Osning (TWO) erhalten hat, sind eindeutig: Wasserprobleme wie Borgholzhausen habe Halle nicht. „Wir müssen das Befüllen von Pools im Garten nicht verbieten“, sagt Abteilungsleiter Eckhart Hoffmann. Und er fügt hinzu: „Dennoch muss sorgsam mit Wasser umgegangen werden. Und das Wasser im Pool sollte beispielsweise möglichst lange genutzt und nicht jeden Tag gewechselt werden.“

Halle kann Borgholzhausen mit eigenem Wasser in der Krise helfen

TWO-Geschäftsführer Johannes Wiese macht im WB-Gespräch deutlich, dass in der heißen Sommerzeit alle Versorger einen sorgfältigen Blick auf die steigenden Verbräuche werfen. Dennoch sei die Lage in Halle nicht als kritisch einzuschätzen. Das Grundwasser-Dargebot sei in Halle in ausreichender Weise vorhanden. Dies habe es den TWO auch erlaubt, am kritischen Wochenende mit etwa 600 Kubikmetern fehlende Wassermengen in Borgholzhausen wieder aufzufüllen, so Wiese. Vereinbart wurde jetzt für die kommenden Tage, dass auch die Gemeindewerke Steinhagen sich mit bis zu 300 Kubikmetern täglich an der Versorgung von Borgholzhausen beteiligen. Insgesamt liegt an heißen Sommertagen laut Wiese der von der TWO verkaufte Wasserbedarf in Halle bei etwa 5500 Kubikmetern (Haushalte und Gewerbe). Zu anderen Zeiten des Jahres sind es etwa 4000 Kubikmeter täglich.

TWO-Wassermeisterin: Halle hat genügend Reserven

TWO-Wassermeisterin Ilka Brömmelsiek betont ebenfalls, dass das Grundwasser-Dargebot in den Förderbereichen der TWO in Tatenhausen und Bokel sehr gut sei. „Wir sind gut aufgestellt“, beurteilt Brömmelsiek, auch wenn die letzten zwei Jahre zwischenzeitlich schwierig gewesen seien. Das Wasserrecht werde durch die Untere Wasserbehörde beim Kreis und der Oberen Wasserbehörde bei der Bezirksregierung ständig überwacht. Die Wassermeisterin sieht zudem ausreichende Reserven. Das Wasserförderrecht liegt insgesamt gedeckelt derzeit bei 1,5 Millionen Kubikmetern jährlich, bis zu 1,7 Millionen wären ohne Deckel möglich. In den letzten Jahren habe man tatsächlich zwischen 1,2 und 1,3 Millionen verbraucht, so Brömmelsiek. Dieses Jahr könne man eventuell die 1,4 Mio. erreichen. Um die Versorgungssicherheit bei schwierigeren Lagen für die Verbraucher weiter zu erhöhen, seien für die technische Optimierung zwei neue Brunnen in Tatenhausen geplant.

TWO-Geschäftsführer bricht Lanze für Gutachter

Den Antrag der Firma Storck, die betrieblichen Wassereigenverbräuche durch Aufhebung der bisherigen Deckelung künftig selbst zu stemmen und nicht mehr durch Zukäufe bei der TWO absichern zu müssen, findet viel Unterstützung bei den TWO-Vertretern. Wenn die TWO künftig nicht mehr bis zu 130.000 Kubikmeter jährlich an Storck liefern müsse, sei das auch ein großer Vorteil für die Haller Verbraucher. „Storck verschafft uns so auch noch mehr Luft“, sagt Wiese. Nach der zuletzt geäußerten Kritik am hydrogeologischen Gutachten für den Storck-Antrag, bricht Wiese eine Lanze für den Gutachter. „Wir vertrauen dem Büro von Hydrogeologe Frank Schmidt zu 100 Prozent. Der arbeitet schon seit 20 Jahren mit der TWO zusammen“, so Wiese.

In Borgholzhausen hat sich am Montag die Notstandslage derweil entspannt. »Wir sind glücklich, dass wir kurzfristig Schlimmeres vermeiden konnten und danken der TWO für die Unterstützung! «, sagt Bürgermeister Dirk Speckmann und freut sich darüber, dass der Hochbehälter des Wasserwerks wieder einen deutlich erhöhten Pegelstand anzeigt. Das seit Sonntag geschlossene Freibad, bei dessen routinemäßig anstehenden Arbeiten zur Filterspülung große Menge Frischwasser benötigt wurden, soll am Dienstagvormittag wieder seine Tore öffnen, damit Kinder laut Speckmann »den letzten Ferientag noch im kühlen Maß genießen können«.

 

 

Kommentare

Thomas Dreier  wrote: 12.08.2020 14:48
Es ist noch Wasser da
Wir haben wirklich wenig auszustehen. Weil unsere Nachbarkommune hinterm Berg in der Nachkriegszeit keine Flächen für den Aufbau eines neuen Werkes bereitstellen konnte, zog es die Firma Storck nach Halle. Alle Produkte werden bis zum heutigen Tag in Deutschland hergestellt. Und - heute ja nicht mehr selbstverständlich, das Unternehmen zahlt hier auch seine Steuern. Storck ist mit unserer Stadt eng verbunden. Wir dürfen davon ausgehen, dass Herr Axel Oberwelland sich auch weiterhin dem Erbe seines Vaters verpflichtet fühlt.
Deutschland zählt zu den wasserreichsten Ländern dieser Erde. Die öffentliche Wasserversorgung nutzt von dem potenziellen Wasserdargebot jährlich unter 3 Prozent. Durch unsere wassersparenden Technologien, aber auch Bewusstseinsbildung der Bevölkerung liegt unser täglicher Wasserverbrauch mit gut 120 Litern täglich auch im europäischen Vergleich sehr niedrig.
Wie gut, dass im Leitungsnetz auch interkommunale Wasserleitungen zur Verfügung stehen. Wenn in einer Nachbarkommune das Wasser einmal knapp werden sollte, hilft man sich. Vielleicht ist Borgholzhausen mit seinen lediglich 3 Brunnen nicht so gut aufgestellt. Vielleicht sind die Kapazitäten der Hochbehälter im Verhältnis zur Bevölkerung mittlerweile auch nicht mehr ausreichend.
Wie auch immer - die TWO hilft. Ihre Vertreter finden es auch unterstützenswert, dass Storck durch eigene Brunnen die bisher von der TWO bezogenen bis zu 130.000 Kubikmeter zukünftig selbst fördern möchte. Der oben genannte Firmeninhaber wird sicherlich der letzte sein, der Halle das Wasser abgräbt.
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