Viele gefährliche Trockenschäden: Nach Fällaktion im Stadtwald folgen weitere
Keine Rettung für die alten Buchen

Halle (WB). Die Sägen haben im Teutoburger Wald schon ganze Arbeit geleistet. 100-jährige und noch ältere Bäume, die womöglich noch auf die Pläne von Kaufmann Hagedorn für einen Landschaftsgarten am Bergkamp zurückgehen, stapeln sich jetzt säuberlich aufgeschichtet am Fuße des Knülls. Kronen, die noch belaubt sind, liegen wenige Meter weiter. Und das ist erst der Anfang, wie die Stadt mitteilt.

Mittwoch, 05.08.2020, 05:00 Uhr
Ein ziemlich trostloser Anblick zeigt sich in der Verlängerung der Kastanienallee. Dort, wo viele Haller regelmäßig spazieren gehen, mussten bis zu 130-jährige Alleebäume gefällt werden. Schwere Äste drohten herunterzubrechen. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Am Knüll erkennen Spaziergänger die Wege kaum wieder, seit dort Fichtenbestände gefällt werden mussten. Und auch der Stadtwald wird sein Gesicht jetzt völlig verändern. Neben zwei dicken Buchen am Denkmal für den Minnesänger Walther von der Vogelweide haben Mitarbeiter der Wertheraner Firma Giesselmann am Bergkamp schon ein gutes Stück Allee in der Verlängerung der Kastanienallee gefällt. Wie viele Bäume weg müssen, darüber mag Förster Johannes-Otto Lübke gar nicht nachdenken. „Es gibt für die markierten Bäume keine Rettung. Wir haben das gründlich durchgesprochen“, verweist er auf eine gemeinsame Entscheidung mit Halles Umweltbeauftragtem Stephan Borghoff. Eine Totalsperrung des Waldes sei auch nicht im Sinn der Bürger, unterstreicht der Förster. Abzuwägen war deshalb jetzt nur, zu welchem Zeitpunkt die Bäume gefällt werden müssen.

Ganze Bäume können kippen

Der Grund liegt in den schlimmen Trockenschäden aus den vergangenen beiden Jahren, die erst jetzt beim Blick in die Kronen aufgefallen sind. Bisher haben vermutlich nur einzelne Äste vertrocknetes Laub gezeigt. Doch das wird den Verantwortlichen vor allem an den häufig benutzten Wanderwegen zu riskant. „Es besteht die Gefahr, dass arm- und beindicke Äste herunterbrechen oder sogar ganze Bäume kippen“, warnt Eckhard Hoffmann, Abteilungsleiter Umwelt und Technik im Haller Rathaus.

„Mehr an Warnung muss es wirklich nicht geben“, unterstreicht auch Förster Lübke, dass es zu gefährlich erscheint, noch länger zu warten. Gerade die Buche nimmt physiologische Störungen durch Trockenzeiten sehr übel und entwickelt Krankheiten wie die Weißfäule. In sehr trockenen Standorten taucht seit einiger Zeit auch im Kreis Gütersloh eine neue Krankheit auf. Ein Pilz mit Namen Pfennig-Kohlenkruste zersetzt sehr schnell das Holz und lässt ganze Kronenteile absterben. Johannes Lübke: „Wenn die Buche erst einen Schaden weg hat, regeneriert sie sich nicht und wird von Jahr zu Jahr kränker.“

„Es ist jammerschade, aber unumgänglich“, weiß auch Bauhof-Chefin Angela Flottmann, dass viele Haller entsetzt sein werden, wenn sie das Ergebnis der Fällaktion im Stadtwald sehen. Vor allem, weil auch scheinbar gesunde Bäume gefällt werden. „Wir machen das nicht zum Spaß“, betont sie, dass die Situation für Spaziergänger, Läufer, Mountainbiker und andere Waldnutzer zu gefährlich sei, als das man untätig zusehen könne.

Einige Bäume haben noch Schonfrist

Die Vogelwelt habe großteils auch schon die zweite Brut beendet, hält Förster Lübke den Zeitpunkt jetzt für geeignet. Was an Bäumen noch halbwegs gesund aussehe, habe allerdings eine Schonfrist bekommen. Dennoch hat die Motorsäge schon am Montag weitere Opfer gefordert. Denn auch an der Storkenstraße und am parallel verlaufenden Wanderweg – dort, wo die Stadt eigentlich schon nachgedacht hat über eine Verschönerung des Platzes – gibt es viel Totholz und die Verkehrssicherung muss gewährleistet sein. Lübke: „Zur Wiese hin sind viele Bäume kaum zu retten. Bei einigen anderen besteht noch nicht solch ein Handlungsdruck. Aber ich glaube auch nicht, dass sie noch fünf Jahre stehen. Es ist eine Frage der Zeit“.

Der Waldsaum-Charakter auch mit hohen Bäumen soll am Fuß der Kastanienallee eigentlich erhalten werden. Aber ob man aktiv pflanzt oder womöglich wartet, welche Bäume von selbst hoch kommen, das ist noch nicht klar. Johannes Lübke: „So weit sind wir noch nicht“.

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