Karl-Friedrich und Marion Brinkmann suchen Nachfolge für ihr Haller Modehaus
Blick in Richtung Ruhestand

Halle (WB). Mit dieser schweren Entscheidung hat er sich seit Jahren beschäftigt. Doch am Wochenende ließ er es nun offiziell verlauten: Karl-Friedrich Brinkmann, Inhaber des Modehauses Brinkmann, möchte sich nach 46 Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen. Wie es mit dem alteingesessenen Geschäft an der Haller Bahnhofstraße 32 vom kommenden Jahr an weitergehen wird, ist noch unklar. Auch wann der Rückzug konkret wird, kann er noch nicht final beantworten. In den nächsten Monaten werde es eine Entscheidung über die Nutzung der Verkaufsräume geben.

Montag, 03.08.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 05:03 Uhr
Marion und Karl-Friedrich Brinkmann führen das seit 131 Jahren bestehende Modehaus Brinkmann an der Bahnhofstraße 32 in dritter Generation. Aus Altersgründen wollen sie demnächst aufhören und hoffen auf einen Nachfolger. Foto: Johannes Gerhards

„Charly“ Brinkmann, Eigentümer der Immobilie samt Parkflächen, betont aber im Gespräch mit dem WB ausdrücklich: „Bestimmt bis Frühjahr 2021 läuft der Betrieb hier noch so weiter wie bisher. Wir suchen allerdings einen Nachfolger für die Verkaufsräume. Meine Ehefrau Marion und ich möchten uns in absehbarer Zeit zurückziehen und stehen in Kontakt mit verschiedenen Interessenten.“ Die Frage, ob darunter möglicherweise jemand aus dem Modebereich ist, will er ebenfalls noch nicht beantworten. „Ich habe mich bei Vertretern aus Verbänden der Textil- und Modeindustrie und des Einzelhandels erkundigt, was generell machbar ist“, berichtet Brinkmann. Seine zehn Mitarbeiterinnen seien informiert, sie hofften ebenfalls auf einen Inter­essenten aus der Modebranche und stünden für eine weitere Beschäftigung zur Verfügung. Möglich sei auch, die Verkaufsfläche für mehrere Branchen zu teilen.

Nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Altersgründen

Nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus Altersgründen wolle er demnächst aufhören. Klar sei aber: „Es ist heute nicht einfach. Der Handel steckt generell in einer eher schwierigen Lage. Solch ein Geschäft hier zu betreiben, das muss man mit Herz und Seele wollen. Dafür muss man viele Stunden am Tag auf der Matte stehen, auch samstags, auch an verkaufsoffenen Sonntagen.“ Und der Standort? Der befindet sich zwar fußläufig von der Haller Innenstadt, es gibt ausreichend Parkmöglichkeiten direkt vor dem Geschäft, der Bahnhof liegt einen Katzensprung entfernt. „Aber wenn man beispielsweise an Filialisten einer Kette denkt, dann ist Halle aus deren Sicht oft zu klein, denen fehlt die Perspektive“, erklärt Karl-Friedrich Brinkmann.

In diesem Jahr ist der Haller 70 Jahre alt geworden. „Viele andere genießen da bereits seit Jahren das Rentnerleben“, sagt er. Seinen Beruf liebe er dennoch. Schon früh ist er eingestiegen: Das elterliche Geschäft an der Bahnhofstraße, das bereits sein Großvater Karl Brinkmann vor 131 Jahren gegründet hatte, übernahm „Charly“ Brinkmann im Alter von 24 Jahren und entwickelte es im Laufe der Jahre mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Frau Marion von einem Textil- und Bettenhaus zum heutigen Modehaus für Damen und Herren mitsamt dem „Wäscheland“.

Söhne haben kein Interesse an der Übernahme

Wirtschaftskrisen, Wiedervereinigung, das Aufkommen von Factory-Outlets und Online-Shops sowie die Corona-Pandemie hat das Geschäft erfolgreich überstanden. „Mit meiner Frau und meinen Mitarbeiterinnen sind wir ein richtig ein gutes Team“, betont der Chef. „Der Job war immer spannend und herausfordernd, nie langweilig. Dabei hat man die Jahre ein wenig aus den Augen verloren“, sagt der studierte Textilbetriebswirt. Seine beiden Söhne seien zwar ebenfalls in der Modebranche beschäftigt, hätten aber kein Interesse an der Übernahme.

Auch über sein eigenes Geschäft hinaus engagiert sich Karl-Friedrich Brinkmann seit Jahrzehnten für den Einzelhandel in seiner Heimatstadt. 1976 war er Gründungsmitglied der Haller Interessen- und Werbegemeinschaft (HIW) und selbst jahrelang Vorsitzender. Seit Anfang 2019 schiebt er die Kampagne „Kauf’ im Ort“ mit an. Noch immer wirkt er aktiv im HIW-Vorstand mit. Jahrelang war er zudem ehrenamtlich im IHK-Prüfungsausschuss tätig.

Jetzt ist erst einmal Sommerschlussverkauf angesagt. Und wenn dann doch mal etwas Freizeit bleibt, dann setzt sich „Charly“ Brinkmann noch immer gern ans Schlagzeug der „New Old Band“: „Wir spielen aber nur noch in kleiner Besetzung im Keller...“

Kommentar

Karl-Friedrich Brinkmann ist Einzelhändler und Modemensch mit Leib und Seele, das merkt man ihm an. Zig Stunden in der Woche steht er den Kunden persönlich zwischen Slim Fit, Business und Junger Mode zur Seite, immer mit geschmackssicherem Blick, aber nie aufdringlich. Und immer auch mit Zeit zum Plaudern. Das gilt im Übrigen für sein gesamtes Team. So etwas gibt’s in keinem Onlineshop. Sollte für das Modehaus bis zum Frühjahr 2021 keine Nachfolge gefunden werden, wäre das ein Riesenverlust für Halle und Umgebung.

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