Unternehmens-Vertreter und Gutachter erläutern Umweltmaßnahmen bei Betriebserweiterung
Storck-Erweiterung: Der Laibach soll ein Gewinner werden

Halle (WB). Die strategische Entscheidung der August Storck KG am Standort Halle (und eben nicht anderswo) mittel- und langfristig weiter wachsen zu wollen, hat ein großes Planverfahren in Gang gesetzt, das besonders auch die Auswirkungen auf Natur und Umwelt betrachtet. Denn bekanntlich soll unter anderem ein firmeneigenes Waldstück für die Erweiterungsbauten weichen. Interessant ist in diesem Zusammenhang von Storck-Verantwortlichen zu hören, dass das Unternehmen vom Grunde her lieber in die andere, sprich: westliche Richtung gewachsen wäre. Doch diese Option war durch die Natur verbaut, genauer gesagt durch schützenswerte Fledermäuse.

Mittwoch, 01.07.2020, 17:51 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 17:54 Uhr

Storck hätte Betrieb lieber in eine andere Richtung erweitert

Bei einem mehrstündigen Pressetermin im Rathaus zur Erweiterungsplanung von Storck standen neben beteiligten Gutachtern auch der Technische Direktor bei Storck, Dr.-Ing. Marc Lörcher, sowie Storck-Prokurist Boris Bödecker Rede und Antwort. Eine Erweiterung im Westen (Richtung Hesseln) wäre in mancherlei Hinsicht einfacher gewesen, weil dort zum Beispiel kein Laibach verlegt werden müsste und viel weniger Wald betroffen wäre. Aber dass ein Weiterbau in diese Richtung nicht genehmigungsfähig sein würde, wurde bereits im Zuge der A33-Planung deutlich. Die neugebauten oder noch zu bauenden Produktionshallen auf dem westlichen Betriebsgelände sind durch die Lage einer Grünbrücke über die A33 und die Bedürfnisse bestimmter Fledermausarten bereits stark reglementiert. Im einzelnen ist dies im Bebauungsplan Nr. 51 geregelt.

Wie Dr. Lörcher ausführte, hat das Unternehmen bei seiner Entscheidung für eine Osterweiterung in langen Zeiträumen gedacht. „Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort. Wir wissen zu schätzen, was wir an qualifizierten Mitarbeitern sowie Technologien am Standort haben“, ergänzte Prokurist Bödecker. Die Gesamtbetrachtung der Lage, die neben wirtschaftlichen Fragen (komprimierter Verbundstandort ermöglicht viel günstigere betriebliche Abläufe) auch ökologische Herausforderungen abgewogen hat, hat schließlich zur vorgelegten Planung mit Erweiterung östlich des Paulinenweges geführt (B-Plan Nr. 80). Landschaftsarchitekt Rainer Brokmann vom renommierten Herforder Fachbüro Kortemeier/Brokmann stellte wesentliche Punkte heraus, die die bestmögliche Verträglichkeit des Vorhabens mit Belangen der Natur untermauern sollen.

Ein Wald geht verloren, ein anderer wird dauerhaft gewonnen

Da wäre zum ersten zu nennen die Rückgabe einer betriebseigenen und auch grundsätzlich bebaubaren Fläche von Storck nördlich der Margarethe-Windthorst-Straße. Diese 5,5 Hektar große Fläche besteht heute aus Wald, der nach Einschätzung von Brokmann von den Arten her sogar eine höhere Wertigkeit hat als der etwa sechs Hektar große firmeneigene Wald östlich des Paulinenweges. Während also der eine Wald weicht, wird der andere (planerisch zuvor verlorene) dauerhaft der Natur zurückgegeben.

Brokmann erläuterte die sehr detaillierten Untersuchungen, bei denen 45 Arten, darunter Brutvögel, aber auch sogenannte Nahrungsgäste, im Wald östlich vom Paulinenweg festgestellt wurden. Die im südlichen Wald vorhandenen Fledermäuse seien auch im nördlichen Wald mit vielen Strukturbäumen zu finden. Artenschutzrechtlich gebe es hier keine Probleme, unterstrich Fachgutachter Brokmann.

Brokmann erklärte verschiedenen Maßnahmen (Bauzeitenregelung, weniger störendes Licht, Festsetzung von Flächen mit Pflanzbindung), um den Eingriff abzumildern und dauerhaft für die Natur auch einen Gewinn zu erzielen. So werde der Laibach, der bislang teilweise auch verrohrt über das Storck-Gelände läuft, ein Gewinner der Maßnahmen werden, so Brokmann.

Gutachter: Keine Beeinträchtigung des FFH-Gebietes

Die Verlegung des Laibaches mit einer Zunahme von etwa 700 Meter Lauflänge ist ein Projekt, das die Firma Storck laut Dr. Lörcher alleine etwa eine Million Euro kosten wird. Bislang fließt der Bach durch zwei künstlich angelegte Teiche, was bislang zum Beispiel verhindert hat, dass Fische im Laibach in beide Richtungen wandern können. Die ökologische Durchgängigkeit soll sich nun verbessern. Die Teiche werden aufgegeben und als bewachsene Biotope entwickelt. In Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde wird ein wesentlich naturnäherer Verlauf des Laibaches ermöglicht, was allerdings noch zu gr0ßen Erdbewegungen führen wird, auch wegen des Überwindens von Höhenunterschieden. Der Bach bekommt mehr Platz (Auen) und die Gehölzstrukturen entlang des Gewässers bleiben in einem breiten Saum erhalten. Insgesamt erfährt laut Brokmann der Laibach eine deutliche ökologische Aufwertung auf etwa 2,5 Hektar, die sich auch an fast 40.000 Wertpunkten auf einem Ökokonto ablesen lässt.

Untersucht worden sind zudem mögliche Einwirkungen der Planungen auf nahe FFH-Gebiete im Tatenhauser Wald beziehungsweise einen kleinen FFH-Zipfel nördlich der A33. Der Gutachter kommt nach Fauna-Kartierungen und einer Stickstoff-Untersuchung zu einem eindeutigen Ergebnis: „Eine erhebliche Beeinträchtigung der Schutz-/Erhaltungsziele des Gebiets, seiner wertgebenden Arten und Lebensraumtypen können ausgeschlossen werden.“

Wie die Eingriffe die Natur ausgeglichen werden sollen

Eingriffe in die Natur müssen ausgeglichen werden. Das kann zum einen durch die ökologische Aufwertung des Laibaches oder auch durch die Aufforstung von Ackerflächen geschehen. Storck verfügt unter anderem über drei kleinere und eine größere Fläche Ackerland in Werther (insgesamt 17 Hektar), deren Bodenqualität von bewirtschaftenden Landwirten sehr geschätzt wird. Gegen deren möglichen Verlust ist von Bauernseite bereits mehrfach Protest geäußert.Wie die Storck-Vertreter Lörcher und Bödecker jetzt zu verstehen waren, sind die Ackerflächen in Werther zwar in das Ausgleichsverfahren eingebracht worden, aber quasi nur als „Platzhalter“.

Ziel ist es demnach, in einer Größenordnung von sieben bis acht Hektar weniger hochwertige landwirtschaftliche Flächen in Halle in der Nähe zu Storck zu organisieren, die dann aufgeforstet werden könnten. Dieses „Platzhalter-Verfahren“, das überhaupt erst den Einstieg in die Planung erlaubt habe, sei bereits sehr erfolgreich bei der westlichen Erweiterung (B-Plan Nr. 51) angewandt worden. Laut Storck-Prokurist Bödecker befindet man sich bereits in Verhandlungen. Grundsätzlich sei man optimistisch, hieß es.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7476694?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F
Touristen müssen bis 2. November raus aus Schleswig-Holstein
Hinweis auf die Maskenpflicht in Timmendorfer in Schleswig-Holstein Strand.
Nachrichten-Ticker