Jahnstraße-Anlieger in Halle fordern wieder normale Pflasterung – Politik lehnt vorerst ab
Ärger wegen Schotterrasen-Parkplätzen

Halle (WB). Kann das Für oder Wider von Schotterrasenplätzen zu einem wichtigen Thema werden? Es kommt auf die Perspektive an. In der Nachbarschaft der Jahnstraße in Halle sind Schotterrasenplätze seit dem großen und teuren Endausbau der schmucken Anliegerstraße ziemlich wichtig geworden. Denn der Ärger über die Schwächen des als vermeintlich umweltfreundlich angesehenen Parkplatz-Konzeptes hat deutlich zugenommen.

Dienstag, 09.06.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 09.06.2020, 09:04 Uhr
Das P im Rasen weist die Fläche an der Jahnstraße als öffentlichen Parkplatz aus. Doch wie Anwohner bestätigen, werden die Schotterrasenflächen kaum beparkt. Der Grund dürfte in schlechten Erfahrungen liegen, die Fotos wie dieses dokumentieren. Foto: Herkströter

Schlechte Erfahrungen sprechen gegen die neue Parkplatz-Variante

Anwohner Harald Herkströter und seine Frau Simone haben dem in der Nachbarschaft verbreiteten Unmut in einem Bürgerantrag eine Stimme gegeben und eine Rückkehr zu klassisch-gepflasterten Parkflächen gefordert. Doch im Bau- und Verkehrsausschuss ist Herkströter jetzt mit seinem ausführlich begründeten Antrag an breiten politischen Mehrheiten gescheitert. Und wie das zustande gekommen ist, sorgt wiederum für neuen Frust.

Über Jahrzehnte war die Jahn-straße nicht ausgebaut worden. Als die Planungen dafür 2016 und 2017 schließlich vorgestellt wurden, entwickelte sich auch eine Diskussion über Schotterrasenplätze. In der Wahrnehmung von Harald Herkströter hat sich letztlich nur eine sehr verhaltene Positionierung pro Schotterrasenplätze unter den Anwohnern ergeben. Jetzt mit dem zeitlichen Abstand und den zwischenzeitlichen Erfahrungen spreche das meiste aber gegen die öffentlichen Schotterrasen-Parkplätze.

„Es wäre schlimm, wenn man aus Fehlern nicht lernt.“

Als ein Gegenargument wird in Herkströters Bürgerantrag die viele Monate dauernde Anwachsphase der begrünten Parkplätze angeführt, sodass diese fast ein Jahr lang nicht nutzbar gewesen seien. Desweiteren würden die Grünflächen kaum genutzt, weil der „normale Parker“ sich wegen des Komforts lieber auf gepflasterte Flächen stelle. Das treffe insbesondere auch deshalb zu, weil die Parkflächen für eine strapaziöse tägliche Nutzung offenkundig nicht geeignet seien. Herkströter legte seinem Antrag Fotos von erheblichen Beschädigungen bei entsprechenden Witterungsverhältnissen im Herbst und Winter vor. Die Warnungen der Fachleute von Baufirmen sieht er im Nachhinein vollumfänglich bestätigt. Herkströter: „Fehler müssen und dürfen gemacht werden – es wäre aber schlimm, wenn man aus Fehlern nicht lernt.“

Auch am neuen Sportzentrum Masch plant die Stadt großflächig Schotterrasen-Parkplätze

Die Debatte über Schotterrasenplätze reicht dabei weit über die kleine Jahnstraße hinaus. Denn über Entsiegelung von Verkehrsflächen diskutiert die Politik immer wieder. Zuletzt hat die Stadt beschlossen, dass Parkplätze am neu entstehenden Sportzentrum Masch großflächig in Schotterrasen-Bauweise entstehen sollen.

Für den Bau- und Verkehrsausschuss hatte die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage vorgeschlagen, dass zunächst eine Anwohnerbefragung in der Jahnstraße durchgeführt werden solle. Und die Kosten der Pflasterung seien dann durch die Antragsteller beziehungsweise Anwohner zu tragen. Dieser Beschlussvorschlag indes fand keine Mehrheit, sodass jetzt erst einmal alles bleibt wie es ist. Harald Herkströter bedauerte im Nachgang, dass ihm als Einwender in der Sitzung nicht das Wort erteilt worden war, um seine Argumente zu verdeutlichen.

Politik will für die Jahnstraße eine Testphase über fünf Jahre

Stattdessen diskutierte die Politik unter sich und erinnerte daran, dass der Wunsch nach Schotterrasen aus den Reihen der Anlieger gekommen war. Dieter Jung (Grüne) sprach sich gegen eine Rückkehr zur Vollversiegelung aus, nur weil man zwischenzeitlich mal unschöne Erfahrungen gemacht habe. Thomas Tappe (CDU) plädierte dafür, den Schotterrasenplätzen insgesamt fünf Jahre (mithin bis 2023) Zeit einzuräumen: „Wenn es sich dann immer noch als Fehler erweist, sollten wir das Pilotprojekt begraben.“ Manfred Stockhecke (UWG) sah keinen ausreichenden Grund, warum Anwohner nach so kurzer Zeit ihre Meinung ändern sollten. Edda Sommer (SPD) äußerte Zweifel, dass die Schotterrasenplätze fachlich richtig ausgeführt worden sind. Worauf aus der Bauverwaltung der Hinweis kam, dass Ingenieure alle Arbeiten überwacht hätten, es so etwas wie einen „fachgerechten Schotterrasen“ aber gar nicht gäbe.

 

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