Interessengemeinschaft Lange Straße ist befremdet über zeitlichen Ablauf
„Vorgehen schafft Fakten“

Halle (WB). Will die Stadt mit der Planung eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Wertherstraße/Lange Straße/Graebestraße nun doch schon Fakten schaffen, die den Spielraum für eine Gestaltung des Quartiers Lange Straße beschneiden? „Seit wann wird erst eine Straße geplant und dann das Viertel?“, fragt sich Kathrin Rother von der Interessengemeinschaft Lange Straße. Die Bürger haben sich befremdet über das zeitliche Vorgehen der Stadtverwaltung an die Fraktionen gewendet.

Samstag, 06.06.2020, 06:00 Uhr
Das Haus Deckenbrock an der Langen Straße gehört zu den historischen Gebäuden, die die Interessengemeinschaft erhalten will.                                                              

Erster Entwurf für einen Kreisverkehr

Der Reihe nach: Im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag, 9. Juni, um 17.15 Uhr (Mensa Schulzentrum Masch) stellt das Büro Tischmann Loh einen Entwurf für den Bebauungsplan 76 vor. Schon 2016 hatte man die Aufstellung dieses Planes beschlossen, der die Basis für den Umbau der Kreuzung bietet und später– nach der Beteiligung von Öffentlichkeit und Trägern öffentlicher Belange – die Baurechte gibt.

Im Januar hatte die Interessengemeinschaft angeregt, für die historischen Häuser an der Langen Straße Portfolios erstellen zu lassen. Welche individuellen Geschichten zeichnen die Häuser aus? Wie ist es technisch und architektonisch um sie bestellt? Die Bürger wünschen sich für jedes Haus einen Komplett-Überblick über Fördermöglichkeiten bei einer potenziellen Sanierung, Nutzungsmöglichkeiten, notwendige Sanierungsmaßnahmen, Auflagen wie eine Fassadenerhaltung und Verkaufspreis. Diese Portfolios sollten der Bevölkerung, aber auch interessierten Käufern ein transparentes Bild geben.

Expertisen erst am 24. Juni

Über diese Anregung berät am Mittwoch um 17.15 Uhr (Mensa Schulzentrum Masch) der Hauptausschuss. Fachbereichsleiter Jürgen Keil will eine Entscheidung jedoch zurückstellen, bis über einen Verkauf der Immobilien entschieden ist. Darüber beschließen könne man jedoch erst dann, wenn die Expertisen von Oliver Erdmann vom Büro „Die Bauwerkstatt“ vorliegen. Diese sehr umfangreichen Berichte über jedes Objekt werden in der Ratssitzung am 24. Juni vorgestellt. Das eigentlich schon für April vorgesehene erste Treffen des „mobilen Baukulturbeirates“ ist allerdings wegen Corona auf August verschoben. „Sofern vor diesem Termin über eine Veräußerung entschieden würde, wäre eine Befassung des Beirates in großen Teilen obsolet“, heißt es in der Vorlage.

„Ein ganz merkwürdiger Nebensatz“, finden Kathrin Rother und Ilka Windisch. Die Sprecherinnen der Interessengemeinschaft haben die Fraktionsvorsitzenden gebeten, die Tragweite eines solchen Vorgehens zu bedenken. „Für uns ist nicht nachvollziebar, warum bereits zum jetzigen Zeitpunkt – lange bevor ein Gesamtkonzept für die Gestaltung der Langen Straße erstellt ist – über diesen Kreuzungsbereich entschieden werden soll.“ Denn eine Planung für die Gestaltung der Kreuzung könne später nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie schaffe Fakten, die der Entwicklung des Quartiers jede Perspektive nehmen.

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