Kreis verbreitert den Hengeberg in Ascheloh und legt neuen Radweg an
Tunnel statt Kuppen und Kurven

Halle-Ascheloh (WB). Auch wenn die sanften Schwünge der Straße durch Ascheloh demnächst wohl dazu einladen, ordentlich aufs Gaspedal zu treten – der Hengeberg soll nicht zur Rennpiste werden. Als zulässige Höchstgeschwindigkeit will der Kreis Gütersloh auf dieser wichtigen Parallelverbindung zur B 68 nur Tempo 70 erlauben.

Mittwoch, 03.06.2020, 05:00 Uhr
Ein Meter breit, 80 Zentimeter hoch: Fünf Krötentunnel werden beim Ausbau des Hengeberges unter der Fahrbahn angelegt. Timo Kohl vom Kreis Gütersloh: „Auf Naturschutz wird beim Ausbau der Straße viel Wert gelegt.“ Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Mit einer Länge von 1350 Meter zwischen dem Kreisverkehr Grüner Weg und der Aufmündung Teichstraße am anderen Ende ist der Ausbau des Hengeberges derzeit wohl Halles größte Baustelle. Rund zwei Millionen Euro lässt sich der Kreis die Sanierung der derzeit voll gesperrten Straße kosten, an der etwa zehn Höfe liegen. Denn schließlich geht es nach dem Lückenschluss der A 33 um die Ertüchtigung des umgebenden Straßennetzes.

Neuer Radweg

Wo sich früher über viele Jahre die Schwertransporter der Firma Gronemeyer & Banck ihren Weg über den Berg noch über ein Sträßchen von gerade einmal 5,20 Meter erkämpft haben, wird die Straße zumeist auf landwirtschaftlicher Flächen verbreitert. Die neue Fahrbahn soll demnächst bequeme sechs Meter bieten. Wobei auch das noch für Straßenbauer Mindestmaß ist. Aber es ist eben auch noch nicht alles. Denn ein brandneuer, 2,50 Meter breiter Radweg, der wiederum einen Sicherheitsabstand von 1,75 Meter bekommt, soll die Fahrbahn künftig begleiten. Alles zusammen einschließlich Bankette hat dann eine Breite von 12,75 Metern.

Ja, die Ascheloher Idylle mit ihren unübersichtlichen Kurven und Kuppen soll der Vergangenheit angehören. „Wir haben die Baufirma Dallmann Straßen- und Tiefbau GmbH aus Bramsche mit dem Ausbau des ersten Bauabschnitts beauftragt“, sagt Diplom-Ingenieur Timo Kohl von der Abteilung Tiefbau des Kreises. Wie zu erwarten war, ging es erst einmal um den Rückbau: Das alte Trafohäuschen der TWO wurde abgerissen, um Platz für den neuen Radweg zu machen.

Viel Boden bewegt

Die Kurve direkt an der Zufahrt Grüner Weg ist entschärft worden, nach Westen verschwenkt, um „Sichtverhältnisse, aber auch die Fahrdynamik zu verbessern“. Und die vom Kreisel etwa 500 Meter entfernte Kuppe des Hengeberges haben die schweren Maschinen der Firma Dallmann um gut drei Meter tiefer gelegt.

Kein Wunder, dass die Baustelle im Teuto zwar „völlig unspektakulär“ ist, wie Timo Kohl sagt, aber dennoch ein echtes Schwergewicht. „Es wird unheimlich viel Erdreich und Gestein bewegt“. Laut Bauleiterin Julia Schweinsberg sind es insgesamt 18.000 Kubikmeter Boden, davon 13.000 Kubikmeter Erde. Lösen, laden, neu einbauen: Bevor der Schotter als Tragschicht und schließlich Ende Juni/Anfang Juli der Asphalt eingebaut werden können, wird noch einiges im Untergrund hin- und hergeschoben.

Durchlässe für Kröte & Co.

Nicht ganz unbeteiligt daran ist das Amphibienleitsystem. Denn links- und rechts vom Hengeberg gibt es beachtliche Vorkommen von Molchen. Drei von vier heimischen Arten haben ihren Lebensraum im gewässerreichen Mittelgebirge, darunter der Bergmolch, der sich bunt färbt, wenn er zur Paarungszeit auf Brautschau ist, der zierliche Fadenmolch und der gewöhnliche Teichmolch. Auch Erdkröten, Gras- und Teichfrösche wurden bei Amphibienzählungen beobachtet. Zwei sogenannte Dichtezentren haben sich herauskristallisiert, wo Lurchi & Co. zum Laichen zu den Tümpeln und Quellen wandern. Um für die besonders schützenswerten Arten einen sicheren Überweg zu schaffen baut man an zwei Querungsstellen in der Böschung 50 Zentimeter hohe Leitwände ein, je 200 Meter links und rechts der Fahrbahn. Die Frösche werden so in die fünf Amphibientunnel geführt, 15 Meter lange Betonkästen unter der Straße. Stopprinnen verhindern, dass die Tiere über Zufahrten auf die Fahrbahn gelangen. Allein dieses Leitsystem lässt sich der Kreis etwa 150.000 Euro kosten.

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