Sonderveröffentlichung - Anita Raufmann aus Werther liefert Mode – Einkaufsdienst in Halle eingerichtet
Wir sind weiterhin für Sie da!

Werther/Halle. Ob Einzelhändler, Gastronomen oder Werkstattbesitzer: Sie alle müssen derzeit wegen des Coronavirus mit mehr oder weniger starken Einschränkungen arbeiten. Viele Unternehmen im Altkreis Halle haben aus der Not eine Tugend gemacht und setzen auf neue Wege, um die Wünsche der Kunden zu erfüllen.

Freitag, 10.04.2020, 04:44 Uhr aktualisiert: 10.04.2020, 05:00 Uhr
Mode kommt zu den Kunden: Anita Rauffmann, Inhaberin des Modehauses Sudfeld in Werther, liefert nach Kundenwunsch Kleidungsstücke oder ganze Outfits. Foto: Volker Hagemann

Die vielen Kunden, die ihr Mut machen und auch jetzt nach Möglichkeit treu bleiben, ihre Mitarbeiterinnen, ihr Vermieter, der die Miete erlässt, und nicht zuletzt ihr Partner, der ihr nach seinem Feierabend mit unter die Arme greift – das sind wertvolle Dinge, die Anita Rauffmann Mut machen. Und so geht sie jetzt kreative Wege, um die aktuelle Mode an die Frau zu bringen.

„Wichtig ist vor allem: Wir sind gesund. All das lässt mich in der jetzigen schwierigen Lage weiter optimistisch nach vorn schauen“, sagt sie. Denn wie eine Reihe weiterer Einzelhändler hat die Inhaberin des Wertheraner Modehauses Sudfeld mit erheblichem Umsatzausfall zu kämpfen.

Eines stellt Anita Rauffmann klar: „Für die Einschränkungen habe ich grundsätzlich Verständnis, schließlich geht es um größtmöglichen Gesundheitsschutz für alle.“ Gleichzeitig habe sie in den vergangenen Wochen viele schlaflose Nächte gehabt. Im etwa 400 Quadratmeter großen Modehaus ist es mucksmäuschenstill, „meine vier festangestellten Mitarbeiterinnen musste ich in Kurzarbeit schicken.“

Dennoch will Rauffmann zuversichtlich bleiben. Denn die anfangs genannten Dinge haben sie bestärkt und kreativ werden lassen. „Unsere Schaufenster gestalte ich weiterhin abwechslungsreich, und jeden Tag stelle ich Fotos von einem neuen Modebeispiel oder einem kompletten Outfit auf unsere Internetseite. Denn Bestellungen sind ja weiterhin möglich, wir sind telefonisch, per E-Mail und über Internet weiter erreichbar“, sagt sie. „Kundinnen können ihre Wünsche und Kleidergröße, ihren Geschmack beschreiben und auch Fotos von sich schicken. Nach diesen Anhaltspunkten stelle ich dann einzelne Stücke oder ganze Outfits zusammen“, erklärt Anita Rauffmann. „Und viele kenne ich eh persönlich, weiß um Vorlieben und Konfektionsgrößen. Das sind die großen Stärken, mit denen wir Einzelhändler punkten können und sollten – ganz im Gegensatz zu Amazon und Co.“

9000 Euro Soforthilfe vom Bund eine nur kleine Hilfe

Doch wie kommt Frühjahrs- und Sommermode zur Kundin, wenn das Ladengeschäft dicht bleiben muss? Anita Rauffmann: „Ich bringe die Kleidung gerne in mehreren Größen zur Kundin an die Haustür. Dann kann sie alles in Ruhe anprobieren.“ Die Wartezeit nutzt Anita Rauffmann: „Ich sitze dann im Auto und erledige am Telefon Korrespondenz.“ Ebenso flexibel gestaltet sich das Bezahlen: „Ich habe Wechselgeld dabei, viele zahlen auch online oder überweisen.“

Ein Aufwand, den die Geschäftsfrau vorübergehend gerne betreibt, „wir wollen ja für unsere Kunden da sein.“ Etwas stiller wird sie, als sie vergleicht: „Ich habe in den vergangenen drei Wochen so gerade mal einen Tagesumsatz zusammenbekommen.“ Schwierig sei zudem die Situation mit Lieferanten und Herstellern: „Bereits georderte Frühjahrs- und Sommermode muss ich abnehmen, auch wenn ich sie wegen der Schließung schwer oder gar nicht verkaufen kann. Manche Lieferanten sind zum Glück möglichst kulant, können noch stornieren.“ Weiteres Problem: „Ich habe weitestgehend europäische Hersteller im Sortiment, etwa bei Schuhen. Doch während der Corona-Pandemie wird in Italien, Spanien oder der Türkei kaum noch produziert.“ Angesichts all dessen seien die 9000 Euro Soforthilfe vom Bund eine nur kleine Hilfe für ihr Unternehmen. „Großes Lob allerdings für das Arbeitsamt! Alles ging zügig und relativ unbürokratisch.“

Und dann kehren ihr Strahlen und die Dankbarkeit zurück, als sie glücklich berichtet: „Mein Ladenvermieter Hans-Werner Böhme verzichtet für die Zeit meiner Schließung auf die Miete.“

Wie könnte es weitergehen? „Was nach dem 19. April gelten wird, weiß man noch nicht. Eine Idee wäre, dass Einzelhändler unter sehr strengen Auflagen wieder öffnen dürften“, hofft Anita Rauffmann. „Etwa mit einer begrenzten Zahl an Kunden, die sich gleichzeitig und nur mit Abstand im Geschäft aufhalten dürfen. Wir würden nur jede zweite Umkleidekabine und dazu auch Schutzmasken und Desinfektionsmittel nutzen.“ Man werde ohnehin erfinderisch, sagt sie und blickt nach vorn: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Stadt Halle organisiert Einkaufsdienst

Der Einkaufsdienst von Hallern für Haller übernimmt den Einkauf und die Wege zur Apotheke für Einwohner, die ihre Wohnung nicht verlassen dürfen (Quarantäne), aus gesundheitlichen Gründen die Wohnung nicht verlassen können, zu einer Corona-Risikogruppe gehören, keine Helfer im persönlichen Umfeld haben.

In enger Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen, der Evangelischen Kirchengemeinde, der Katholischen Kirchengemeinde und den Haller Vereinen und Institutionen hat die Stadtverwaltung die Gesamtorganisation übernommen. Dabei arbeiten Haupt- und Ehrenamtliche zusammen. Es ist ein kostenloses Hilfsangebot. Die Hilfen werden bis zur Haus-/Wohnungstür organisiert.

Hilfesuchende und Helfer können sich bei der Stadtverwaltung unter 05201/183333 (Montag bis Freitag von 7 bis 20 Uhr), corona.info@hallewestfalen.de anmelden. Dort werden Daten und Anliegen angenommen und an die Paten weitergegeben. Die Helfer nehmen telefonisch Kontakt auf und vereinbaren einen Termin „an der Haustür“. Alle Helfer sind zur Beachtung des Datenschutzes und zur Wahrung der Vertraulichkeit, auch über das Projekt hinaus, verpflichtet. Um das Übertragungsrisiko auszuschließen, muss die Hilfe mit wenig persönlichem Kontakt organisiert werden. Alle Beteiligten müssen sich an die Hygiene- und Abstandsregeln halten. Hände schütteln oder auf einen Kaffee mit reingehen geht derzeit nicht. Die Finanzabwicklung erfolgt bargeldlos. Einzelheiten dazu wissen die Einkaufspaten.

Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass bei lebensbedrohlichen Gefahrenlagen die 112 informiert und bei medizinischen Fragen der Hausarzt oder der Ärztliche Notdienst (Tel. 116117) angerufen werden müssen.

Musikunterricht über Skype

Die Musikschule Halle schlägt neue Wege ein. Sie stellt bereits für einige Instrumente den Einzelunterricht auf digitale Medien um. In der Musikschule werden zurzeit 300 Instrumentalschüler unterrichtet, 75 Kunstschüler und 160 Kinder in den Sing- und Spielkreisen. Diese fallen aber leider derzeit aus, hier wird im April auch keine Gebühr eingezogen. Zurzeit hat die Musikschule 25 Lehrer, die ihre Schüler auch per Skype unterrichten.

Zwar klappt das gemeinsame Musizieren über diesen Weg nicht, aber neue Passagen können geübt werden. Birgit Schröter, stellvertretende Leiterin: „Wir versuchen, über dieses Unterrichtsformat den Musikschulbetrieb aufrecht zu erhalten.” Für Rückfragen per E-Mail ist Birgit Schröter zu erreichen unter musikschulehalle@web.de .

Das alles und noch vieles mehr lesen Sie am Donnerstag, 9. April, in Ihrer Zeitung in einer Sonderveröffentlichung zum Thema „Wir sind weiterhin für Sie da!”.

 

 

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