Haller Verein brechen Einnahmen durch Schulpferde weg – Hilfsaktion für Spiekerhof
Mit Corona ist alles kein Ponyhof

Halle (WB). Eigentlich sollte Lanio schon das Gnadenbrot bekommen. Aber der Reit- und Fahrverein Halle hat den Plan zurückgestellt. Auch wenn das 26-jährige Schulpferd lieber im ruhigen Schritt als im flotten Trab seine Runden dreht. Wegen des Coronavirus fällt Reitunterricht weg. Damit brechen dem Verein die Einnahmen seiner vier Schulpferde weg. Während die Haller Reiter jedoch bisher nur finanzielle Einbußen befürchten, ist die Lage auf dem Spiekerhof in Borgholzhausen existenzbedrohend. Dort ist eine Spendenaktion angelaufen.

Sonntag, 05.04.2020, 09:00 Uhr
Pferdesport in Zeiten von Corona ist schwierig: Beim Haller Reitverein sorgen sich im Vorstand unter anderem Anna Dreier (links) und Ingrid Johanning. Der Verein besitzt vier Schulpferde. Doch Einnahmen aus dem Reitunterricht brechen weg. Foto: Klaudia Genuit-Thiessen

Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen den Reitsport besonders hart. Trainer können keinen Unterricht mehr geben. Vereine und Betriebe stehen vor kapitalen Existenzfragen. Ein Pferd kann man nicht in die Ecke stellen. Damit stecken die Sportler in der Zwickmühle. Denn trotz Kontaktverbot müssen die Pferde versorgt und bewegt werden.

„Notversorger“-Formulare sind zur Sicherheit schon ausgefüllt

Neben der Einhaltung der Hygiene­regeln soll das ein Notbewegungsplan sicherstellen. „Notversorger“-Formulare für Stall und Reithalle hat Ingrid Johanning vom Vorstand des Vereins lieber schon ausgefüllt. „Bei uns sorgen sich alle“, sagt die 62-Jährige, die im Vorstand des 250 Mitglieder starken Vereins (80 Kinder und Jugendliche) für Mitglieder und Mitarbeiter zuständig ist. „Hoffentlich können wir uns nach Corona immer noch vier Schulpferde leisten“, sagt sie zu Vorstandsmitglied Anna Dreier (23).

Abstand ist angesagt: in der großen Reithalle, in der kleinen, die auch der Verein Hippokrene mit seinen drei Schulpferden fürs therapeutische Reiten nutzt, und auf dem Außenreitplatz. Im Stall, den Ingrid und Hans-Werner Johanning privat betreiben und wo auch Tochter Lena mithilft, sind derzeit höchstens zwei Personen gleichzeitig erlaubt. Kraftfutter oder Heu-Silage reinbringen, misten, die Pferde auf die Paddocks bringen – es fehlt nicht an Arbeit. Obwohl auch die Einsteller der Pensionspferde zugreifen. Ingrid Johanning: „Hufschmied und Tierarzt kommen zu Zeiten, in denen am wenigsten Betrieb ist.“

Spendenaktion für den Spiekerhof

Nicht nur die Einnahmen durch Volti- und Reitkinder fehlen. Neben den laufenden Kosten sind jetzt schon zwei Turniere abgesagt, obwohl neue Sprünge Schleifen finanziell zu Buche schlagen. Einige Träume der Haller Reiter sind damit geplatzt. Auch der, Schulpferd Lanio und den früheren Star-Voltigierer Good Luck, der auch schon 19 ist, gegen jüngere Pferde auszutauschen.

In den Pferdepensionen wie auf dem Hof Kisker in Eggeberg ist es durch Corona zwar ruhig geworden. Aber dank Paddocks vor jeder Box gibt es für die Betreiber wie für die Einsteller der 30 Pferde wenig Probleme. Gerhard Kisker: „Wir dürfen natürlich keine Ausritte unternehmen.“

Hart treffen die Beschränkungen jedoch den Spiekerhof. 60 Kinder hätten dort in den Osterferien schöne Tage erlebt. Zudem wäre die idyllisch gelegene Anlage Ziel für viele Schul-Abschlussfahrten gewesen. Eigentlich... „Nun machen wir uns große Sorgen, dass dieser für uns so wichtige Ort die aktuelle Situation nicht übersteht“, bangen Luka Kristin Henzelmann (24) aus Steinhagen und Lotta Hoffmann (25) aus Quelle. Gemeinsam mit anderen wollen sie sich revanchieren für die schöne Zeit, die sie in Wichlinghausen erlebt haben, und haben deshalb eine Spendenaktion für den Spiekerhof in den sozialen Netzwerken gestartet. „Für mich und viele weitere Kinder ist der Spiekerhof mehr als nur ein Ponyhof, er ist vielmehr ein zweites Zuhause geworden“, schreibt Lotta Hoffmann.

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