Internetmuseum Haller Zeiträume sucht noch Zeitzeugen für Ereignisse am Kriegsende
Nach SS-Division kamen US-Truppen

Halle (WB). Das Schwarz-Weiß-Foto der gefangenen Soldaten aus der Rosenstraße ist ein Stück Haller Zeitgeschichte, ebenso wie der Tod des Steinmetzes Wilhelm Schmidt beim Einmarsch der US-Truppen. Dass die SS von der Division „Wiking“ auch im Steinhausener Wald stationiert war und in der Turnhalle der Volksschule an der Bismarckstraße übernachtet hat, ist jedoch sicher vielen Hallern ganz neu. Mit einer „Vierlingsflak“ waren die Soldaten Ende März 1945 in Luftkämpfe über Halle verwickelt, erinnert sich ein Zeitzeuge im Gespräch mit Dr. Katja Kosubek von den Haller Zeiträumen. Das Geschichtsmuseum im Internet sucht derzeit noch weitere Haller, die bereit sind, ihre Erinnerungen an Geschehnisse von damals weiterzugeben.

Donnerstag, 02.04.2020, 07:00 Uhr
Beim Einmarsch der Amerikaner in Halle hat Frank van der Veer von der US-Army in der Rosenstraße eine Durchsuchung und Gefangennahme von deutschen Soldaten gefilmt. Zu sehen ist von hinten der amerikanische „embedded cameraman“ Frank van der Veer. Standfotos aus seinem Filmaufnahmen sind in den Haller Zeiträume zu sehen.                                             Foto: Dave Willies

Amerikanische Truppen marschierten ein

In Halle endete der Zweite Weltkrieg am 2. April mit dem Einrollen amerikanischer Truppen – genau vor 75 Jahren. Die Haller Zeiträume haben ihre Ausstellung im Bereich Nationalsozialismus, Themenwand: „Der Krieg“ zu diesem Anlass um einige spannende Geschichten ergänzt, für die es bislang kaum schriftliche Quellen gibt. Aber vier Zeitzeugen, die damals zwischen elf und 14 Jahren alt war, haben sich erinnert an die SS-Einheiten, die Ende 1944/Anfang 1945 mit Material und Fahrzeugen westlich von Halle stationiert waren. An der Bahnlinie Osnabrück-Bielefeld lag die Truppe strategisch günstig. Am Bahnhof hatte sie die „Vierlingsflak“, ein Geschütz zur Luftabwehr, auf einem offenen Güterwaggon in Stellung gebracht, der auch als Geleitschutz an den Haller Willem angekoppelt werden konnte.

Zeitzeugin erinnert sich

Eine damals Elfjährige erinnert sich an eine Begebenheit auf dem Schulhof, der der SS als Aufmarschplatz diente. Dort mussten sie und ihre Mitschüler entsetzt mit ansehen, wie die offensichtlich verrohten Soldaten eine trächtige Kuh schlachteten und zerlegten. „Eine ganz grauenvolle Geschichte“, sagt die Historikerin. Im Internetmuseum ordnen Dr. Kosubek und Mitstreiter die Erzählungen historisch korrekt ein, berichten von der „Verwaltung“ im NSDAP-Büro im Haus Lange Straße 37 und von den SS-Kompanien in Eggeberg und Ascheloh, die die Pässe über den Teuto sichern sollten. „Ein Gefechtsstand im Ausflugslokal Grünenwalde sorgte dafür, dass niemand desertierte. Auch der einheimische Volkssturm musste unter Kontrolle gehalten werden“, heißt es im Text. Niemand wollte damals mehr uniformierte deutsche Soldaten auf dem Hof haben und sich selbst damit in Gefahr bringen.

Fahrzeugkolonne hielt, wo heute die Kreissparkasse ist

Andere Tondokumente belegen den Einzug der Amerikaner in der Lindenstadt: Im Textilgeschäft Schütter stand damals wohl ein Hitlerbild im Schaufenster. Wo heute das Gebäude der Kreissparkasse ist, hielt die Fahrzeugkolonne an. Es soll einen gewaltigen Rumms gegeben haben, berichtet eine alte Dame von der Zerstörung des Hauses, das neben dem der Fotografin Wilhelmine Voss gestanden hat.

Zeitzeugen sucht das Museum auch für andere Geschichten rund um das Kriegsende in Halle – sei es der Tod zweier Wehrmachtshelferinnen an der Panzersperre in Tatenhausen oder die Plünderung des Reichsarbeitsdienstlagers auf dem Schützenberg. Das WESTFALEN-BLATT wird einige Begebenheiten in den nächsten Wochen noch aufgreifen. „Vieles wissen wir nur vom Hörensagen und sind deshalb besonders dankbar, wenn sich Zeitzeugen bei uns melden. Derzeit sind wir ja nur per E-Mail erreichbar und sammeln die Berichte erst einmal“, sagt Dr. Kosubek (post@haller-zeitraeume.de).

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