Seniorenheime im Altkreis verzeichnen noch keine Coronafälle
Lage ist relativ entspannt

Altkreis Halle (WB). Eine Kohlmeise lässt ihren typischen Frühlingsruf erklingen. Am Himmel zieht ein Flugzeug seine Bahn. Aus der Ferne sind leise Motorengeräusche zu hören. Und eine ältere Dame geht mit ihrem Rollator den Hang hinab in Richtung Innenstadt. Es ist ruhig rund um das DRK-Haus Ravensberg, dessen Betreiber der Ortsverein Ravensberg mit Sitz in Halle und der Kreisverband sind. Von hektischer Betriebsamkeit keine Spur. Auch in anderen Seniorenheimen im Altkreis ist die Situation relativ entspannt.

Mittwoch, 01.04.2020, 05:00 Uhr
Berichten trotz Ausnahmezustands von einer insgesamt entspannten Lage im „Haus Ravensberg“: Hauswirtschaftsleiterin und Hygienebeauftragte Elke Broxtermann (links) und Pflegedienstleiterin Andrea Lehnert. Foto: DRK-Kreisverband

Noch einsamer als sowieso schon

Es scheint, als ginge alles seinen gewohnten Gang. Und doch ist vieles anders in diesen Tagen. Die Corona-Krise – sie hat auch das DRK Haus Ravensberg, seine Mitarbeiter und seine Bewohner fest im Griff. Der Pandemieplan – er ist jetzt das Gesetz der Stunde. Dass er so plötzlich in Kraft treten würde, damit hat niemand gerechnet. Pflegedienstleiterin Andrea Lehnert: „Das hat uns alle überrascht.“ So herrscht für das DRK-Haus mit 80 Plätzen, darunter zehn Kurzzeitpflegeplätze, ein generelles Betretungsverbot. Ein Aushang an der Eingangstür weist darauf hin.

Das Verbot betrifft nicht nur Dienstleister wie Frisöre, Physiotherapeuten oder Fußpfleger, die sonst regelmäßig zu Gast sind. Auch Angehörigen ist es nicht gestattet, die Bewohner zu besuchen. Lediglich für den Fall einer Sterbebegleitung öffnet sich die Tür für kurze Zeit. „Unseren Bewohnern fällt die Kontaktsperre nicht leicht. Viele fühlen sich dadurch noch einsamer als sonst“, sagt Andrea Lehnert.

Senioren lernen Whatsapp und Skype kennen

Auch in anderen Heimen wird das Kontaktverbot natürlich umgesetzt. „Das ist für unsere 55 Bewohner ganz, ganz schlimm, aber wir versuchen, sie an Whatsapp oder Skype heranzuführen, damit sie mit den Angehörigen in Kontakt bleiben können“, erklärt Luis Murillo Mendoza aus dem Marienheim in Halle. Seine Kollegin Silke Becker aus dem St. Jacobi­stift Werther berichtet von einzelnen Angehörigen, die mit den Bewohnern eine Runde durch den Park drehen. Becker: „Das sind aber wirklich Einzelfälle, wir bitten, so etwas aufs absolute Minimum zu reduzieren und immer den Abstand einzuhalten. Die Angehörigen sind da auch sehr konsequent.“ Getestet werden Bewohner und Personal bei Verdacht – bislang gab es nichts Auffälliges. Becker: „Und wir hoffen inständig, dass das so bleibt.“

Im Haus Ravensberg hat für Irritationen unter den Bewohnern auch eine neue Sitzordnung bei den gemeinsamen Mahlzeiten gesorgt. Die Hygienebeauftragte Elke Broxtermann: „Wir mussten die Stühle weiter auseinanderrücken, um das Ansteckungsrisiko zu verringern. Für diese Maßnahme hatte nicht jeder Verständnis.“ Dass die Pfleger jetzt im direkten Umgang mit den Bewohnern zu deren Schutz Atemmasken tragen, hat auch nicht jedem gefallen. Zu einem erhöhten Arbeitsaufwand hat die Corona-Krise für das Küchenteam geführt. Weil durch den Wegfall von Kurzzeitpflegeplätzen mehr Menschen auch tagsüber daheim sind, hat sich die Zahl der ausgelieferten Essen um die Hälfe auf jetzt 90 erhöht.

Hoffen, dass das Personal gesund bleibt

Für diesen Service und ebenso für alle Pflegeleistungen ist das Haus Ravensberg vergleichsweise gut aufgestellt. Der Krankenstand ist nicht höher als sonst zu dieser Jahreszeit. Hinzu kommt, dass Pflege- und Hauswirtschaftsschüler jetzt ständig vor Ort sind, da ihr Schulbetrieb zurzeit ruht. Dies hat für eine spürbare Entspannung der Arbeitssituation gesorgt. So ist die Situation noch vergleichsweise entspannt. Die ganz große Sorge von Pflegedienstleiterin Lehnert ist, dass sich Mitarbeiter mit dem Virus anstecken könnten. „Wenn es uns erwischt und wir verstärkte Personalausfälle haben, wissen wir nicht, wie wir die Versorgung unserer Bewohner sicherstellen sollen.“

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