Steigendes Interesse am Projekt »Gemeinsam nachhaltig sein« im Martin-Luther-Haus
Reparieren statt wegwerfen

Halle (WB) »Diese Schreibmaschine ist nicht für ein Leben gebaut, sondern für drei«, sagt Karsten Nowak, als ihm Annette Seidel ihr altes Schätzchen der Marke Olympia vorlegt. Sofort kann er zwar nicht helfen, aber er nimmt die Maschine zur Reparatur an, um in der Werkstatt mal in Ruhe auf Fehlersuche zu gehen. Wahrscheinlich ist das Öl verharzt, lautet die vorläufige Diagnose.

Montag, 09.03.2020, 03:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2020, 05:03 Uhr
Ein kompetentes Beratungsteam gibt am Infostand wertvolle Tipps zu hochwertigen und einfach herzustellenden Kosmetika wie Badesalz und Bodylotion. Von links Silke Wilming, Simone Farthmann, Renate Kindermann, Kirsten Schubert und Beate Öler. Foto: Johannes Gerhards

»Gemeinsam nachhaltig sein« heißt das von Sebastian Plath initiierte Projekt. Einmal im Monat treffen sich ehrenamtliche Fachleute und Menschen, die Hilfestellung bei technischen Problemen suchen, im Martin-Luther-Haus. Neben einem Spielangebot für Kinder und dem Café mit selbstgebackenen Leckereien sind im Saal mehrere Pavillons aufgebaut. Es gibt die Elektrowerkstatt, die Nähberatung, eine Bastelecke, in der Kinder alte Socken in dekorative Osterhasen verwandeln und einen Infostand mit Anregungen für den nachhaltigen Alltag.

Tipps für Kosmetika mit wenig Zutaten

»Heute geht es um einfache Kosmetika mit wenig Zutaten«, erklärt Renate Kindermann, die mit ihren Kolleginnen Produkte ganz im Sinne der Nachhaltigkeitspyramide anbietet. Ganz unten steht der Satz: »Nutze, was du hast«, darüber heißt es: Selber machen, Ausleihen und Tauschen. Wenn ein Kauf unvermeidlich erscheint, gibt es immer noch die Alternative gebraucht oder neu - im letzten Falle aber möglichst regional, fair und ökologisch. Der erste Schritt besteht nach Ansicht von Renate Kindermann darin, die Menschen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und zur Vermeidung von Plastik anzuregen.

Genau so sieht es auch Sebastian Plath. »Die Leute bringen ihre Gaben und Leidenschaften an verschiedenen Stellen mit ein«, sagt er und zeigt sich zufrieden mit der Resonanz beim zweiten Nachhaltigkeitstreff. Die kommunikativen Möglichkeiten im Repair-Café – freitags von 17 bis 19 Uhr an der Langen Straße - seien begrenzt, hier im Saal gebe es genügend Raum zur Kontaktaufnahme und und zu unterstützen. Diese Anregung beherzigen auch Maya Kienker und Inka Pohl, die sich beim Zuschneiden des Stoffes für einen Kissenbezug beraten.

In Elektrowerkstatt Plattenspieler wieder flott gekriegt

Reparieren lassen oder unter fachkundiger Anleitung selber Hand anlegen, lautet die Devise in der Elektrowerkstatt. Karsten Nowak und Albert Rademacher kümmern sich um die Wünsche der Kunden und freuen sich, wenn diese mit einem Lächeln nach Hause gehen. Für die Endprüfung bei Elektrogeräten ist Handwerksmeister Eckhard Wienke zuständig. Manchmal handelt es sich beim vermeintlichen technischen Defekt schlicht um einen Bedienfehler wie bei der Dame mit dem Plattenspieler, der jetzt wieder einwandfrei funktioniert, wie sie zufrieden feststellt.

»Alles schaffen wir aber auch nicht«, räumt Karsten Nowak ein, manchmal bleibe eben doch nur die fachgerechte Entsorgung, wenn die Kosten für Ersatzteile und Reparatur den Neupreis überschreiten. Dennoch hält er das Prinzip nach dem Motto »Was nicht kaputt geht, wird auch nicht neu gekauft« im Sinne der Nachhaltigkeit für richtig. Hier punktet die Schreibmaschine gegenüber dem Drucker, bei dem die Patronen teurer sind als das Gerät selber.

Sieben weitere Termine in 2020

Natürlich kann es nicht darum gehen, das Rad der technischen Entwicklung zurück zu drehen, aber der Ansatz, dass Elektrogeräte kurz nach Ablauf der Garantiezeit ihren nicht vorhandenden Geist aus Gründen der Obsoleszenz aufgeben, darf nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Folgende Samstagstermine stehen 2020 noch an: 25. April, 23. Mai, 6. Juni, 5. September, 3. Oktober, 14. November und 5. Dezember, jeweils zwischen 14:30 und 17 Uhr.

 

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