Bäderexperte hält kleines Freibad am Altstandort für möglich, warnt aber vor den Kosten
Ein neues Kombibad in Halle wäre machbar

Halle (WB). Wenn sich die Stadt dazu entschließen sollte, wieder ein Freibad zu bauen, dann wäre dies am Altstandort Gausekampweg betriebswirtschaftlich am günstigsten zu realisieren. Den Investitionskosten von drei Millionen Euro müssten dann aber netto 352.000 Euro jährliche und zusätzliche Unterhaltungskosten hinzugerechnet werden. Die Besucher dieses neuen Freibades jedoch würden letztlich aus den Freibädern in Halles Nachbarschaft abgezogen. Dies sind zentrale Aussagen in der Machbarkeitsstudie des Bäderexperten Dietmar Altenburg, die im Haupt- und Finanzausschuss vorgestellt wurde.

Freitag, 06.03.2020, 14:50 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 16:48 Uhr
Das war einmal, das kommt so nicht wieder: Das alte Hallenbad mit Freizeitbad war wegen des hohen Zuschussbedarfes bewusst zurückgebaut worden. In einer Studie ist errechnet worden, dass aber ein kleineres Kombibad am Gausekampweg durchaus machbar wäre. Foto: Lindenbad

Experte hinterfragt den „zwingenden Bedarf“

Altenburg und die von ihm geführte Unternehmensberatung zählt zu den führenden Bäderexperten in Deutschland. Er war es auch, der 2014 Halle den Rückbau des damaligen kombinierten Freizeit- und Hallenbades sowie die Konzentrierung auf das Lindenbad in seiner heutigen, kompakten Form empfohlen hatte. Heute stehe das Lindenbad gut da. „Sie haben damals eine gute Entscheidung getroffen“, bekräftigte der Unternehmensberater, der aber nicht nachvollziehen konnte, warum das von ihm empfohlene Gartenhallenbad (im Sommer offene Türen und Fenster zum Außengelände) nicht umgesetzt wurde.

Ohne die beiden sehr heißen Sommer 2018 und 2019 würde man in Halle wohl kaum über ein neues Freibad diskutieren, vermutete Altenburg und verwies auf ein vielfältiges Freibadangebot in Halles Nachbarorten. Im Umkreis von 20 Kilometern gäbe es 16 attraktive Angebote, sodass ein „zwingender Bedarf“ fraglich sei. Der einzige Nachteil sei, dass sie von Halle aus nicht fußläufig erreichbar seien. „Aber denken Sie interkommunal“, riet Altenburg.

Von Alternativstandorten rät der Experte ab

Generell sei die Zahl der Freibadbesucher in Deutschland stark rückläufig. Doch wenn man eine Außenwasserfläche in Halle wieder haben wolle, dann sei ein sogenanntes Kombibad am Lindenbad durchaus zukunftsfähig und Freibad-Einzellösungen an anderen Standorten gegenüber klar zu bevorzugen, meinte Altenburg. Einem Freibad im Bereich Brandheide erteilte er aufgrund fehlender Infrastruktur eine Absage.

Skeptisch beurteilte Altenburg ein Naturfreibad wegen des oftmals unterschätzten Aufwandes für den Betreiber. Zudem reiche für eine solche Lösung der Platz am Lindenbad nicht aus. Ein kleines konventionelles Freibad am Lindenbad hingegen sei gut vorstellbar, zumal Badegäste den großen Vorteil hätten, bei schlechtem Wetter wieder das Hallenbad zu nutzen. Altenburg rechnete für seine Studie mit einer 350 Quadratmeter großen Außenwasserfläche (bis 1,30 Meter tief), einem Kleinkinderbereich und weiteren Umkleide- und Sanitärräumen, einer kleinen gastronomischen Einheit sowie einer 2000 Quadratmeter großen Liegewiese. Für diese Lösung bezifferte Altenburg rund drei Millionen Euro Investitionskosten. Den personellen Mehrbedarf am Lindenbad kalkulierte er mit 1,6 Vollzeitstellen. Ein konventionelles Freibad an einem Neutralstandort bezifferte er mit fünf Millionen Investitionskosten und 2,8 Vollzeitstellen. Schließlich sieht Altenburg für ein Naturfreibad 3,5 Millionen Investition, aber den höchsten Personalbedarf mit drei zusätzlichen Stellen.

Für jeden Badbesucher 20 Euro Zuschuss zahlen

Alle Parameter zusammengerechnet kam der Bäderexperte in seiner Studie auf zusätzliche jährliche Betriebskosten von 352.000 Euro für ein Kombibad am Gausekampweg, auf 641.000 Euro für ein konventionelles Kombibad an einem Neutralstandort sowie 502.000 Euro für ein Naturfreibad an einem Neutralstandort. Diese Beträge müssten den bisherigen jährlichen Verlustbeträgen von 1,073 Millionen Euro allein fürs Hallenbad hinzugerechnet werden, Und eine weitere Zahl hatte Altenburg parat: Der kommunale Zuschussbedarf je Lindenbad-Besucher (90.000 im Jahr) liegt derzeit bei 12,34 Euro. Wenn ein Freibad hinzu käme, läge der Gesamtzuschussbedarf je Besucher bei 20,74 Euro (Kombibad), 28,49 Euro (Neutralstandort konventionelles Freibad) und 28,69 Euro (Neutralstandort Naturfreibad). Mit weniger Geld könne man auch einen Shuttleservice zu anderen Bädern bezahlen, gab er zu bedenken. „Sie müssen sich überlegen, ob sie sich ein solches Badeangebot für ihre Bürger auch morgen und übermorgen noch leisten können und wollen“, sagte Altenburg. Der Umbau zu einem Gartenhallenbad sei übrigens unterhalb eines Millionenbetrages zu haben, allerdings bekomme man Zugluftprobleme.

In Sachen Badesee riet der Fachmann von einer kommunalen Trägerschaft ab. „Wenn ein Badesee eine Existenzberechtigung hat, dann finden sich schnell private Träger. Machen Sie einen Badesee richtig attraktiv“, sagte er. Die Bürgermeisterin deutete an, dass die Seegesellschaft Sandforth dem Badesee mittlerweile positiv gegenüber steht, es aber noch Fragen gebe. Die Fraktionen wollen nun intern die Studie beraten.

 

 

 

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